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Joe Burrow: First Overall Pick des anstehenden NFL-Drafts im Porträt

First Overall Pick des anstehenden NFL-Drafts im Porträt

Umzüge, Rekorde und die totale Erschöpfung: Das ist Joe Burrow

Joe Burrow

Heiß begehrt: Joe Burrow. imago images

Es ist noch nicht allzu lange her, da bettelte Joe Burrow bei seinem Coach darum, einen Platz im Special Team zu bekommen. In seinen ersten drei College-Jahren an der Ohio State University war er Ersatz-Quarterback und wollte nur eines: auf dem Feld stehen. Doch die Ansprüche stiegen mit der Zeit. 2018 bekam Burrow mit Dwayne Haskins (inzwischen NFL-Profi bei den Washington Redskins) einen weiteren Quarterback vor die Nase gesetzt - und jetzt reichte ihm das Special Team nicht mehr. Burrow verließ seine Heimat und wechselte an die Lousiana State University (LSU).

Sein Abschied aus Ohio könnte allerdings einer von nur kurzer Dauer gewesen sein. Burrow gilt nach einem alles überragenden letzten College-Jahr als sicherer First Overall Pick im anstehenden NFL-Draft (23. bis 25. April). Den haben die Cincinnati Bengals inne - und es würde mittlerweile schon einer riesigen Überraschung gleichkommen, wenn die Bengals nicht Burrow picken und den "Ohio Boy" wieder zurück in den Staat holen.

Dabei ist der 23-Jährige erst im Alter von neun Jahren nach Ohio gezogen. Grund schon damals: der Football. Burrow kommt aus einer sportverrückten Familie. Seine erste Sportveranstaltung, ein Basketball-Spiel seines älteren Bruders, besuchte er im Alter von fünf Tagen. Sein Vater Jim spielte 1976 eine NFL-Saison bei den Green Bay Packers und arbeitete später als Trainer bei verschiedenen College-Teams im ganzen Land. Konsequenz für die Familie: Zahlreiche Umzüge während Burrows Kindheit, aber eben auch eine große Passion für das Spiel.

Große Erwartungen an das Talent

Jetzt gilt der 1,93 Meter große Spielmacher unter vielen Experten als das beste Quarterback-Prospect im NFL-Draft seit Andrew Luck 2012 - und das kommt nichtvon ungefähr. Die Statistiken, die Burrow in der abgelaufenen College-Saison als LSU-Quarterback auflegte, sind absurd: 5671 Yards im Passspiel, dazu schier unfassbare 60 Touchdowns - die meisten eines Quarterbacks in der Geschichte der National Collegiate Athletic Associaton (NCAA). Dabei unterliefen Burrow gerade einmal sechs Interceptions, sein Passer Rating von 202 ist ebenfalls NCAA-Rekord.

Die Abstimmung um die Heisman Trophy für den besten Spieler einer College-Saison gewann er mit dem größten Vorsprung in der Geschichte der Wahl, im Endspiel um die College-Meisterschaft brillierte er mit 463 Yards und sechs Touchdowns. Natürlich reckte er am Ende auch die Trophäe in die Höhe. Kurz gesagt: Burrow hat in den Augen vieler Beobachter die beste College-Quarterback-Saison aller Zeiten hinter sich.

Welche Qualitäten hat Burrow?

Stellt sich noch die Frage: Was macht Burrow so stark? Er ist kein herausragender Athlet wie Lamar Jackson, hat auch keinen außergewöhnlich starken Wurfarm wie Patrick Mahomes. Es ist nicht das eine auffällige Merkmal, das ihm den großen Hype der letzten Monate verschafft hat, sondern das Gesamtpaket. Burrows größte Stärke: Er hat kaum Schwächen. Burrow wirft unheimlich genau, macht für einen College-Quarterback beinahe beängstigend wenig Fehler, ist zudem athletisch genug, um auch aus dem Lauf heraus zu werfen oder selbst als Rusher gefährlich zu werden.

Ein Wort, das alles sagt

Nicht zuletzt - und das ist eine Eigenschaft, die viele NFL-Verantwortliche bei der Quarterback-Suche priorisieren - wird Burrow häufig mit einem Wort beschrieben: tough. In seiner ersten Saison bei LSU spielte er ein Marathonmatch gegen Texas A&M über fünf Stunden und siebenfache Overtime. Burrow warf 38-mal und lief unglaubliche 29-mal - vergebens. Die Tigers unterlagen mit sage und schreibe 72:74. Burrows Körper gab erst nach dem Spiel auf.

Der junge Spielmacher kippte in der Kabine völlig erschöpft um, war etwa eine Minute bewusstlos. "Er hat so viel Anstrengung, Verlangen und Leidenschaft auf dem Platz gezeigt. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der in dieses Stadium der Erschöpfung vorgedrungen ist.", sagte LSU-Sportdirektor Jack Marucci anschließend. Head Coach Ed Orgeron ergänzte: "Er hat alles draußen auf dem Feld gelassen."

Es sind Geschichten, die General Manager in der NFL gerne hören, wenn es darum geht, das neue Gesicht der Franchise auszuwählen. Nur eine Anekdote steht dem Narrativ des zähen Kämpfers Burrow ein wenig entgegen: Auf der Gitarre kann der Quarterback genau einen Song spielen: "Free Fallin'" von Tom Petty. Den hatte er gelernt, bevor er sich den Arm brach. Danach nahm er den Unterricht nicht wieder auf. Football war wichtiger.

mib

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