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Autokauf in der Corona-Pandemie: Geht das noch?

Neu- und Gebrauchtwagen - Alternative Internet - Engpass Zulassungsstelle

Autokauf in der Corona-Pandemie: Geht das noch?

Autoverkäufer mit Datenbrille

Not macht erfinderisch: Audi vernetzt Verkäufer via Datenbrille mit der Kundschaft. Audi

Darf ich derzeit noch los, um ein Auto zu kaufen?

Das kommt, wie so manches in der Corona-Pandemie, aufs Bundesland an. "In den Bundesländern mit Ausgangsbeschränkung, unter anderem Bayern, gilt auch beim Autokauf, dass Kontakte außerhalb des eigenen Hausstands auf ein nötiges Minimum reduziert werden müssen", sagt Johannes Boos vom ADAC. Alles, was nicht unbedingt erforderlich sei, müsse warten. Sofern man dringend - beispielsweise beruflich - auf ein Fahrzeug angewiesen sei, dürfe man sich auch um ein Ersatzfahrzeug kümmern. Nur dann liege ein "triftiger Grund" vor.

Kann ich noch einen Neuwagen kaufen?

Während Werkstätten und Ersatzteileverkauf geöffnet bleiben dürfen, ist der stationäre Autohandel derzeit geschlossen. Beratung, Probesitzen und Probefahrten fallen also aus. Es bleibt aber der Weg übers Internet. "Dort lässt sich der Bestand an Lagerfahrzeugen abrufen", sagt Ulrich Köster vom Deutschen Kraftfahrzeug-Gewerbe. Neuwagen also, die verkaufsbereit beim Händler auf dem Hof stehen oder die der Hersteller vorrätig hat.

Wer sein Auto hingegen individuell zusammenstellen möchte, kann dazu auf die bekannten Online-Konfiguratoren zurückgreifen. Beratung, aber auch Preisverhandlungen erfolgen vielfach per Telefon, über die sozialen Medien oder per Online-Chat. Schon vor Corona hat beispielsweise Hyundai im nordbayerischen Elsenfeld einen 350 Quadratmeter großen Online-Showroom eingerichtet, der Kunde kann sich hier per Video-Telefonat mit einem Berater zusammenschließen. Kia offeriert auf seiner Homepage 3D-Bekanntschaft mit der Neuauflage seines SUVs Sorento. Und Audi vernetzt die Servicemitarbeiter in etlichen Autohäusern per Datenbrille mit den Kunden.

Aufgrund des Produktionsstopps bei den Herstellern sei hinsichtlich der Auslieferung solcher Neufahrzeuge aber mit Verzögerungen zu rechnen, warnt Ulrich Köster.

Werden seit Längerem bestellte Fahrzeuge noch ausgeliefert?

Ja, bestellte Neuwagen werden vom Handel noch ausgeliefert. "Oft wird ein Hol- und Bringdienst angeboten", sagt Köster. Die Neuwagenabholung direkt beim Hersteller ist derzeit zumeist nicht möglich. Solche eigentlich in Ingolstadt vorgesehenen Selbstabholungen würden "umgeroutet", heißt es beispielsweise bei Audi.

Kann ich von privat einen Gebrauchtwagen kaufen?

Ausdrücklich untersagt ist das nicht. Allerdings muss der Autokauf in Bundesländern mit Ausgangsbeschränkung wiederum dringend erforderlich sein, beispielsweise, weil man für die Fahrt zur Arbeit oder zum Einkaufen ein Auto auf das Auto angewiesen ist. In Bayern beispielsweise darf das Haus nur mit Angehörigen des eigenen Haushalts verlassen werden, den besten Kumpel zur Besichtigung mitzunehmen, geht also nicht. Auch in den Ländern mit bloßer Kontaktsperre sind die Regeln hinsichtlich der Personenanzahl und des Mindestabstands einzuhalten. "Der Kontakt zum Verkäufer sollte auf das Nötigste reduziert werden", sagt Johannes Boos vom ADAC.

Darf ich mit dem Verkäufer eine Probefahrt unternehmen?

"Da die Mindestabstandsregelungen immer gelten, ist eine gemeinsame Probefahrt nicht möglich", stellt Johannes Boos klar.

Kann ich das gekaufte Auto derzeit zulassen?

Das könnte schwierig werden. "Die Zulassungsstellen sind ein Engpass", sagt Ulrich Köster vom Kfz-Gewerbe. Viele arbeiten nur in eingeschränktem Betrieb oder sind ganz geschlossen.

"Wir stufen derzeit ab", sagt beispielsweise Steffen Keßler, Leiter der Kfz-Zulassungsstelle in Nürnberg. Bevorzugt behandelt werden in erster Linie systemrelevante Einrichtungen (Rettungsdienste beispielsweise, aber auch Schädlingsbekämpfer), gefolgt von Handwerkern oder Autohäusern, die Fahrzeuge ihrer Kunden zulassen müssen und schließlich Härtefällen wie Schwerbehinderten oder Familien mit kleinen Kindern, die auf ein Auto angewiesen sind. Ansonsten werden über ein Online-Reservierungs-Tool täglich 50 Termine vergeben.

Auf die bundesweite Situation übertragen heißt das: Rechtzeitig informieren - und mit Engpässen rechnen.

Ulla Ellmer