Bundesliga

Mittelstädt: "Wir alle wollen wieder raus"

Nach seiner COVID-19-Erkrankung ist der Hertha-Profi wieder gesund

Mittelstädt: "Wir alle wollen wieder raus"

Maximilian Mittelstädt (l.)

Froh über den Neustart: Maximilian Mittelstädt (l.), hier mit Jordan Torunarigha. imago images

Die Trainingseinheit ist absolviert, gleich geht es nach Hause. Vorher steht Herthas Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt den Berliner Medien via Skype-Schalte zur Verfügung. Der U-21-Vize-Europameister von 2019 spricht über ...

... seine Coronavirus-Infektion: "Mir ging es in der Zeit ganz gut. Es waren zwei, drei Tage, an denen ich mich nicht so gut gefühlt habe. Es waren die typischen Symptome, ich hatte zum Beispiel keinen Geruchssinn. Jetzt geht es mir wieder gut, ich fühl' mich wieder sehr gut. Was gut ist, ist, dass ich keinen in meiner Umgebung angesteckt habe. Von daher ist alles sehr gut verlaufen. Dass ich in meiner Heimatstadt spiele und lebe, war für mich persönlich natürlich gut. Viele Freunde haben uns unterstützt, wenn man einen Einkauf brauchte oder etwas anderes. Da waren viele hilfsbereit und für mich da. Da sieht man, dass man viele wahre Freunde hat, die auch für einen da sind, wenn es einem mal nicht so gut geht. Für mich war es auch gut, dass meine Freundin in den zwei Wochen Quarantäne bei mir war, so dass ich nicht ganz allein war. Sonst wäre es schwieriger geworden. Aber so habe ich die zwei Wochen sehr gut überstanden. Viel mit Fußball konnte man sich nicht beschäftigen. Man hat den Kopf frei bekommen und Kraft getankt."

... Ostern 2020: "Dass viele ihre Familien nicht besuchen und sehen können, ist sehr schade. Aber die Gesundheit geht vor. Ich habe an mir selbst gesehen, wie schnell etwas passieren kann und man diesen Virus bekommt. Vor allem bei älteren Menschen kann das anders ausgehen als bei mir. Die Gesundheit steht an erster Stelle. Von daher müssen wir dieses Jahr auf die Oster-Feierlichkeiten verzichten."

Fußball kann den Menschen in Zeiten von Corona Hoffnung und Kraft geben.

Maximilian Mittelstädt

... die Bedeutung des Fußballs auch in Pandemie-Zeiten: "Fußball verbindet - auch wenn die Fans nicht ins Stadion dürfen, was sehr, sehr schade ist. Aber wir wissen, dass es in nächster Zeit undenkbar ist, dass 70.000 Menschen im Olympiastadion sitzen. Trotzdem kann Fußball die Menschen in Zeiten von Corona zusammenbringen und ihnen etwas Hoffnung geben. Wir wissen, dass es für alle eine sehr schwierige Phase ist. Aber wir hoffen, dass es schnellstmöglich wieder losgehen kann, damit auch die Menschen draußen etwas haben, worauf sie sich freuen können, auch wenn sie das nur am Fernseher verfolgen könnten. Auch das kann den Menschen Kraft geben. Ich selbst habe noch kein Geisterspiel erlebt. Falls es losgeht, bin ich gespannt, wie das dann aussieht."

... Bedenken, ob eine Fortsetzung des Spielbetriebs die Ansteckungsgefahr potenzieren könnte: "Das ist schwer zu sagen. Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn es wieder losgeht. Wir alle wollen wieder raus und Fußball spielen. Das ist unser Beruf, unser Hobby, unser Leben. Klar steht die Gesundheit an erster Stelle. Aber was ich sagen kann: Ich stand - als ich anscheinend schon positiv war, aber das noch nicht wusste - mit der ganzen Mannschaft und meiner Familie in Kontakt. Wir hatten einen Mannschaftsabend, ich war mit meiner Familie essen. Jeder von denen wurde getestet, alle waren negativ. Niemand hat sich bei mir angesteckt, auch meine Freundin nicht, die mit mir zwei Wochen in Quarantäne war. Ich weiß nicht, wie hoch das Ansteckungs-Risiko tatsächlich ist. So bald die Gesundheit in Gefahr ist, sollte man reagieren. Aber so lange keiner positiv gestestet wird, ist es gut, dass wir raus und Fußball spielen können."

Bruno Labbadia hat schon vielen Teams aus der Patsche geholfen.

Maximilian Mittelstädt

... den am Donnerstag als Trainer abberufenen Alexander Nouri: "Seit wir in Quarantäne waren, hat er sich nicht bei mir gemeldet. Ich weiß nicht, in welchem Verhältnis Alex Nouri und Jürgen Klinsmann zueinander standen. Klar hatte Klinsmann ihn mitgebracht. Aber ich und auch die Mitspieler, mit denen ich darüber gesprochen habe: Wir hatten nicht das Gefühl, dass irgendwas Belastendes bezüglich Klinsmann noch vorhanden war. Wir hatten nicht das Gefühl, dass Nouri noch mit Klinsmann verbunden war. Für ihn und auch für uns war es wichtig, Punkte einzufahren. Das ist uns mal gelungen, mal nicht. Wir hatten auch unter ihm viele Höhen und Tiefen. Wir hoffen, dass es jetzt bald weitergeht und wir eine kleine Wende schaffen und es nach oben geht."

... Herthas neuen Coach Bruno Labbadia: "Er ist ein sehr erfahrener Trainer, der schon vielen Teams aus der Patsche geholfen hat und vergangene Saison in Wolfsburg auch gezeigt hat, dass er eine Mannschaft aufbauen kann."

... die Rückkehr auf den Trainingsplatz zu Wochenbeginn: "Es ist gefühlt wie eine neue Vorbereitung mitten in der Saison. Wir trainieren nicht als ganze Mannschaft, sondern in kleinen Gruppen. Es ist eine besondere Situation für alle, auch für den Fußball. Noch sind wir nicht in Zweikämpfen. Aber wir sind froh, dass wir wieder den Ball am Fuß haben können. Das versuchen wir zu genießen. Die größte Herausforderung ist, dass man nach den zwei Wochen in Quarantäne (danach gab es eine weitere Woche mit individuellen Läufen, d. Red.) wieder auf sein altes Fitness-Level kommt und - so gut es geht - mit dem Ball wieder arbeiten kann. Es ist für jeden Spieler merkwürdig, wenn man mitten in der Saison zwei Wochen rausgerissen wird und nicht weiß, wann es weitergeht. Wir sind alle froh, dass es auf dem Platz wieder losgegangen ist. Wir sollen uns auf dem Gelände so kurz wie möglich aufhalten, arbeiten in kleinen Gruppen, absolvieren eine gute Einheit und fahren danach so schnell wie möglich wieder nach Hause."

... den Fitness-Zustand: "Man merkt schon, dass man an Kondition verliert, wenn man zwei Wochen nicht rausgeht und auf dem Platz nicht arbeitet. Deswegen liegt es jetzt an uns, das so schnell wie möglich aufzuholen. Daran arbeiten wir jeden Tag hart."

... die aktuellen Einheiten unter Fitnesstrainer Henrik Kuchno: "In der Saisonvorbereitung ist er noch ein bisschen härter. Aber er gibt auch jetzt gut Gas. Wir müssen hart arbeiten. Aber nur so können wir unser gewohntes Fitness-Level wieder erreichen und uns vielleicht einen Vorsprung gegenüber den anderen Teams arbeiten."

... die neuerliche Quarantäne von Niklas Stark und Marius Wolf, die als Kontaktperson eines Coronavirus-Infizierten gelten: "Für die beiden ist es sehr schade. Uns als Team beeinflusst das nicht so wirklich. Wenn beide wieder zurück sind und zum Team dazustoßen, müssen sie das Programm nachholen, das wir jetzt absolvieren (schmunzelt)."

... diese Saison: "Es ist eine sehr turbulente Saison für uns alle. Wir hätten uns die Saison alle anders vorgestellt. Man muss jetzt auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Wir versuchen, jeden Tag hart zu arbeiten und das, was geschehen ist, hinter uns zu lassen. Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir fußballerisch absolute Klasse im Kader haben. Wenn wir dieses Level erreichen, wird es für jeden Gegner schwer. Dahin müssen wir wieder kommen. Mit dem Team, das wir jetzt haben, werden wir das auf alle Fälle schaffen. Da steht uns noch Großes bevor."

... sein 1:11 in der Bundesliga-Home-Challenge an der Spielkonsole bei "FIFA 20" gegen Freiburgs Nico Schlotterbeck: "Das war ein formschwacher Tag. Ich war mir wahrscheinlich zu sicher, weil Eli so gut vorgelegt hatte (Elias Nerlich aus Herthas E-Sport-Abteilung hatte 6:1 gegen SC-Keeper Mark Flekken gewonnen, d. Red.). Da bin ich zu leichtsinnig in die Partie gegangen (lacht). Ich hatte lange kein FIFA mehr gespielt. Und Nico, der dauerhaft an der Konsole sitzt, wie ich weiß, hat einen guten Tag erwischt. Da bin ich baden gegangen."

Steffen Rohr

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