Bundesliga

Freiburgs Nils Petersen über Foto-Wünsche: "Das war unangenehm"

Freiburgs Torjäger erzählt, wie er die fußballfreie Zeit verbracht hat

Petersen über Foto-Wünsche: "Das war unangenehm"

Nils Petersen

Foto mit Abstand: Nils Petersen. picture alliance

Dortmunds Ordnungsdezernent Norbert Dahmen hatte die Sonder-Trainingsgenehmigung für den BVB Ende März unter anderem damit begründet, dass es zu viel Aufmerksamkeit erregen würde, wenn Marco Reus, Axel Witsel oder Roman Bürki durch Dortmund joggen. Wie viel Aufsehen erzeugt da wohl SC-Identifikationsfigur Nils Petersen in Freiburg? "Ich gehe meistens in den Wald, aber bis jetzt war es auch an der Dreisam relativ ruhig, weil wir generell in Freiburg in Ruhe gelassen werden", erzählt der Torjäger im Gespräch mit dem kicker. Reaktionen auf den prominenten Jogger gab es dennoch: "Der eine oder andere hat gerufen: 'Fußball fehlt uns, hoffentlich geht es bald wieder los.' Die Leute haben nette Sachen gesagt", berichtet Petersen.

Ein typischer Fan-Wunsch stellt in Zeiten der Corona-Pandemie allerdings plötzlich ein Problem dar. "Ich wurde auch ein paar Mal nach einem Foto gefragt. Das waren unangenehme Situationen, weil es eigentlich gerade nicht angesagt ist", sagt der 31-Jährige, der trotzdem nicht komplett ablehnen wollte: "Am Ende wurde es dann ein Foto mit dem nötigen Abstand."

Beim Abstandhalten zu den Menschen, die den Rad- und Fußweg an der Dreisam zum Sporttreiben nutzen, hilft nun wieder der Zaun des unmittelbar angrenzenden Trainingsplatzes am Schwarzwald-Stadion. Den dürfen die Schützlinge von Christian Streich seit Dienstag wieder betreten, in Zweiergruppen und natürlich auch mit der vorgeschriebenen räumlichen Distanz während des Übens.

Petersen holt viele Dinge nach

Die zurückliegenden Wochen ohne Ball und Rasen hat Petersen neben dem Abarbeiten seines individuellen Fitnessplans dazu genutzt, viele Dinge nachzuholen, "die man sich vorgenommen hat, aber sonst nicht schafft" und ungewohnten Aktivitäten nachzugehen. Der Stürmer zählt auf: Arbeiten im Haushalt, Akten ordnen, die Steuererklärung vorbereiten, Sachen ausmisten, Zeitung, Zeitschriften und Bücher lesen, Klavier spielen lernen, Auto putzen - und vor allem Aktivitäten im Freien. Er kramte mal wieder die Inline Skates hervor, machte mit seiner Partnerin Touren mit dem Fahrrad und zu Fuß. "Wir waren viel im Wald unterwegs. Es war nicht langweilig. Das einzige Positive an dieser Situation ist, dass Leuten wie mir, denen es gut geht, Zeit für sich selbst und für das Zusammenleben geschenkt wurde. Der soziale Kontakt mit anderen fehlt mir aber am meisten", sagt Petersen.

Jetzt fange ich an, das Ganze wieder zu vermissen.

Nils Petersen

Was dem positiv Fußball-Verrückten überraschenderweise zuletzt nicht so sehr fehlte: der Fußball. "Ich liebe Fußball, liebe es, Spiele im Fernsehen zu schauen und im Stadion zu sein, aber das kam zuletzt gar nicht vor, ich habe also auch keine alten Partien geschaut", gesteht Petersen und spürt, wie diese Verhaltensänderung wirkt: "Weil man sonst ja ständig Fußball live schauen kann, ist diese Übersättigung, die sich manchmal einstellt, allerdings weg. Jetzt fange ich an, das Ganze wieder zu vermissen."

Carsten Schröter-Lorenz

Lesen Sie im aktuellen kicker (Donnerstagsausgabe, seit Mittwochabend als E-Magazine) ein Interview mit Petersen. Darin spricht der Torjäger über den Wiederauftakt auf dem Rasen, seinen Trainingszustand, Motivation ohne klares Ziel, die Akzeptanz der Sondergenehmigung für Profi-Fußballer und darüber, inwieweit er überhaupt noch drin ist in der aktuellen Saison.

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