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Saisonabbruch in Belgien? Storck: "Da hat man sich zu weit aus dem Fenster gelehnt"

Deutscher Trainer in Vertragsgesprächen bei Cercle Brügge

Saisonabbruch in Belgien? Storck: "Da hat man sich zu weit aus dem Fenster gelehnt"

Bernd Storck

Bernd Storck blickt gespannt Richtung Belgien. imago images

Im Vorjahr hatte Storck mit Mouscron den Klassenerhalt in der belgischen Pro League erreicht. In dieser Saison gelang dem früheren Bundesligaprofi dieses Kunststück auch mit Cercle Brügge - obwohl der Klub bei Storcks Amtsübernahme im Oktober Tabellenletzter war und noch Anfang Februar neun Punkte Rückstand auf das rettende Ufer ausgewiesen hatte. Nach einem Zwischenspurt mit vier Siegen in Serie feierte Cercle jedoch am 29. Spieltag den Klassenerhalt. Dann empfahl der Verwaltungsrat der Pro League vor dem 30. und letzten Spieltag der regulären Saison und den Playoffs einen Abbruch der Spielzeit wegen der Corona-Pandemie.

Das aber soll es doch noch nicht gewesen sein. Meint Storck. "Ich glaube nicht, dass die Saison in Belgien schon beendet ist. Da hat man sich ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt", sagte der 57-Jährige dem kicker und erklärte: "Wenn man die Aussagen von UEFA-Präsident Ceferin im ZDF-Sportstudio sieht, der gesagt hat, dass die belgischen Klubs große Gefahr laufen, durch einen Saisonabbruch ihre Champions- und Europa-League-Plätze zu verlieren, dann wird man sicherlich noch mal sprechen und sich einigen."

In der kommenden Woche treffen sich die Vereine der ersten beiden Ligen, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. "Bis dahin sollte auch eine Tendenz erkennbar sein, ob die Regierung die Klubs - so wie in Deutschland - wieder trainieren lässt", sagte Storck, der sich "relativ optimistisch" gibt. "Natürlich ist die Situation schwierig, aber an dem Tag, an dem wieder trainiert werden kann, sieht es auch wieder besser aus", erklärte der deutsche Coach.

Der Klub hat mir ein Angebot gemacht. Ich überlege mir nach Ostern, in welche Richtung es geht.

Bernd Storck

Er könne sich "gut vorstellen", dass man den 30. Spieltag doch noch über die Bühne bringe, auf die Playoffs jedoch verzichte. So "hätte man Gewissheit bei den Europapokalplätzen, und es wäre auch klar, wer ab- und aufsteigt. Dann hätte man die Saison sauber zu Ende gebracht", sagte Storck und ergänzte: "Die meisten Vereine sprechen sich gegen Playoffs aus. Sie wären auch finanziell nicht mehr nötig."

Neben der Entscheidung über eine Fortsetzung oder einen Abbruch der Saison könnte nach Ostern auch Klarheit über Storcks persönliche Zukunft herrschen. Sein Vertrag bei Cercle läuft aus. "Der Klub hat mir ein Angebot gemacht. Ich überlege mir nach Ostern, in welche Richtung es geht. Es ist alles offen", berichtete Storck.

Cerlce ist das Farmteam der AS Monaco

Cercle habe seine Profis zuletzt wegen der Corona-Krise arbeitslos gemeldet. Nun müsse man abwarten, wie sich alles entwickle und wie der Verein die Krise überstehe. Storcks Arbeitgeber ist eine Filiale, das Farmteam der AS Monaco. Das kann ein Vorteil, aber auch ein Nachteil sein. "Es besteht ja auch eine gewisse Abhängigkeit von den Besitzern. Die haben zwei Vereine, die sie durchbringen müssen. Das ist natürlich auch nicht ganz so einfach", erklärte Storck, für den diese doppelte Klubeigentümerschaft auch noch aus einem weiteren Grund von Bedeutung ist.

Storck "muss gucken, ob das mein Weg wird"

Die UEFA verbietet zum "Schutz der Integrität" des Wettbewerbs, wie es heißt, unter anderem, dass zwei Klubs eines Besitzers im Europapokal starten dürfen. "Unser Besitzer ist die AS Monaco. Die haben einen Verein, der international spielen darf. Cercle Brügge ist das nicht. Das ist wie vor einigen Jahren bei Red Bull mit Leipzig und Salzburg", erklärte Storck, der von den Klubbesitzern auch vor diesem Hintergrund erwartet, dass sie "mir sagen, was sie vorhaben und wie meine Aufgabe aussehen soll". Derzeit befinde sich man in diesen Gesprächen. Am Ende, sagte Storck, "muss ich gucken, ob das mein Weg wird".

Jan Reinold