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90 - Johan Neeskens und der niederländische Frühstart 1974 ohne Wert

Der kicker-Countdown

90 - Neeskens und der Frühstart ohne Wert

Johan Neeskens, Sepp Maier

Nur 90 Sekunden gespielt: Johan Neeskens (Mitte) trifft im WM-Finale 1974 im Münchner Olympiastadion zum 1:0. imago images

Es dauerte nicht lange, bis Johan Cruyff loszog. Der Kapitän und Star der Niederländer trat aus zentraler Position im Mittelfeld an, ließ Berti Vogts stehen und konnte erst durch Uli Hoeneß gestoppt werden: Der deutsche Mittelfeldspieler traf Cruyff an der Grenze zum Strafraum am Fuß - und der englische Schiedsrichter John Taylor zeigte auf den Elfmeterpunkt.

Der erste Strafstoß in einem WM-Endspiel - eine Sache für Johan Neeskens. Der Mittelfeldmann von Ajax Amsterdam war mit gerade einmal 22 Jahren einer der jüngsten Spieler auf dem Feld, die Verantwortung übernahm aber nicht etwa Edeltechniker Cruyff, sondern eben Neeskens.

7. Juli 1974: Der Triumph von München

Bereits beim 4:1 über Bulgarien in der Vorrunde hatte er zwei Elfmeter verwandelt - und auch im WM-Finale war er erfolgreich. Knallhart hämmerte Neeskens den Ball in die Tormitte, DFB-Keeper Sepp Maier war von sich aus gesehen nach rechts unterwegs. Dort, so Maier später in seiner Autobiografie, habe Neeskens sonst immer hingezielt, im WM-Finale aber aus Nervosität leicht in den Boden gehauen und daraufhin unfreiwillig in die Mitte geschossen.

Wie dem auch sei, der Ball lag im deutschen Tor - und das laut FIFA-Angaben gerade einmal 90 Sekunden nach Anpfiff. Bis heute ist es das schnellste Tor, das je in einem WM-Finale gefallen ist. Genutzt hat es den Niederlanden am Ende bekanntlich nichts, die deutsche Mannschaft drehte die Partie durch ein Elfmetertor von Paul Breitner und den Siegtreffer von Gerd Müller und krönte sich bei der Heim-WM zum Weltmeister.

Oranje wartet bis heute auf den ersten Weltmeistertitel. Zumindest Neeskens' Bestmarke konnte aber niemand übertrumpfen.

kon

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