Bundesliga

Leverkusen-Coach Bosz: "Geisterspiele nur, weil wir das Geld brauchen"

Leverkusens Trainer bleibt bei seiner Meinung, zeigt sich aber solidarisch

Bosz: "Geisterspiele nur, weil wir das Geld brauchen"

Peter Bosz

Der Blickwinkel auf mögliche Geisterspiele hat sich verändert - nicht nur bei ihm: Bayer-Coach Peter Bosz. imago images

Auf diesen Anblick wird man wohl noch Monate warten müssen. Als Peter Bosz am Dienstag per Skype-Schalte mit diversen Journalisten sprach, sah man den Trainer vor dem Hintergrund der gefüllten Bay-Arena. Diese gab es aber natürlich nur auf einem großen Bild an der Wand des Büroraums.

Das bislang letzte reale Erlebnis in einem voll besetzten Stadion hatte Leverkusens Trainer am 12. März beim Hinspiel im Achtelfinale der Europa League in Glasgow. Die Partie bei den Rangers, die Bayer 3:1 gewann, ruft bei Bosz immer noch warme Erinnerungen hervor. Und dass in erster Linie nicht wegen des Ergebnisses.

"Ja, das war gut, nicht wahr?", sagte der 56-Jährige, als er am Dienstag auf die bislang letzte Partie vor Fans angesprochen wurde, "obwohl das Spiel nicht gut war, aber das Ergebnis war gut. Dort zu spielen, war ein Erlebnis." Ein Erlebnis wegen der fast 50.000 fanatischen Fans im Ibrox Stadium. Fußballatmosphäre in Reinkultur.

Momente, die Bosz von seinem Sport schwärmen lassen und die ihn im Vorfeld der Partie auch dazu veranlassten, ein ganz klares Plädoyer gegen Geisterspiele zu halten. Ein Plädoyer, dass damals von Seiten der DFL die direkte Reaktion hervorrief, dass man einen Brief an Bayer 04 schrieb, mit der Aufforderung, Bosz solle seine Klappe halten, wie der Trainer nach der Partie verriet.

Wenn ein Verein vielleicht nur noch einen Monat weitermachen kann und dann in Schwierigkeiten gerät, dann verstehe ich natürlich, dass sie das Fernsehgeld brauchen, und deshalb müssen wir auch spielen.

Peter Bosz

Heute, knapp vier Wochen später, hat Bosz seinen Standpunkt nicht grundsätzlich verändert. Allerdings betont der Trainer die Solidarität mit den Klubs, die durch die Spielpause und den drohenden Wegfall von TV-Geldern in ihrer Existenz bedroht sind.

"Ich hatte damals eine klare Meinung und die habe ich immer noch: Wir spielen Fußball für die Fans. Und es wird befremdlich sein, wenn man ohne Fans spielt", erklärte der Niederländer am Dienstag, fügte allerdings an: "Aber es geht um Geld. Wir werden nur Geisterspiele spielen, weil Vereine das Geld brauchen. Wenn ein Verein vielleicht nur noch einen Monat weitermachen kann und dann in Schwierigkeiten gerät, dann verstehe ich natürlich, dass sie das Fernsehgeld brauchen, und deshalb müssen wir auch spielen."

Bosz zeigt sich also solidarisch mit der Konkurrenz und glaubt, dass aufgrund der Entwicklung der vergangenen Wochen auch die künftig erstmal ausgesperrten Fans Gefallen an Geisterspielen finden können. "Ich war auch zwei Wochen zu Hause und war wirklich glücklich, dass wir jetzt wieder hier im Stadion trainieren dürfen, obwohl es nur in kleinen Gruppen ist", zieht Bosz einen Vergleich, "ich kann mir auch vorstellen, dass die Fans am liebsten im Stadion sind, aber wenn sie die Geisterspiele zu Hause gucken können, werden sie nach vier oder sechs Wochen in den eigenen vier Wänden sagen: Super, dass wir wieder Fußball sehen können und nicht nur Spiele von vor zehn Jahren." Wie bei Bosz dürfte sich bei vielen Beteiligten der Blickwinkel verändert haben.

Stephan von Nocks

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