Bundesliga

Hoeneß über 100 Tage Kahn: "Oliver hat alle Erwartungen erfüllt"

Uli Hoeneß über 100 Tage Kahn als Bayern-Vorstand

"Optimal. Oliver hat alle Erwartungen erfüllt"

Oliver Kahn

Oliver Kahn wird am Donnerstag seit 100 Tagen sein Amt als Vorstandsmitglied beim FC Bayern ausfüllen. Getty Images

In der offiziellen Vereinsmitteilung, mit der der FC Bayern an diesem Dienstagvormittag die Verlängerung des Vertrages mit Thomas Müller (30) bis 2023 verkündete, gehörte auch Oliver Kahn (50) zu jenen Oberen des deutschen Rekordmeisters, die diese wichtige Personalie kommentierten und selbstredend positiv bewerteten. Der 2013er FCB-Triplegewinner und 2014er Weltmeister Müller sei "eine Identifikationsfigur", wird Kahn im Klub-Kommuniqué zitiert, "mit großartigem Fußball und mit seiner sympathischen Art" wirke der Offensivspieler bei den Münchnern prägend und sei "auf der ganzen Welt bekannt". Wie bei der Ende vergangener Woche erfolgten und bis 2023 vereinbarten Erweiterung der Zusammenarbeit mit Cheftrainer Hansi Flick (55) saß Kahn bei den Gesprächen mit Müllers Interessenvertreter Ludwig "Wiggerl" Kögl (54) mit am Tisch.

Kahn firmiert seit 1. Januar dieses Jahres als Vorstand der FC Bayern München AG. An diesem Donnerstag wird er 100 Tage im neuen Amt sein. Und nach der 100-Tage-Frist darf ein neuer Amtsinhaber, so ist es Usus, einer ersten Bewertung unterzogen werden.

In den zurückliegenden drei Monaten erschien der einstige Bayern-Torwart, der zwischen 1994 und 2008 das Münchner Tor auf Weltklasse-Niveau hütete und dreimal, 1999, 200l und 2002, zum Welttorhüter gekürt wurde, vor allem als Lernender und Fragender. Er informierte sich und tauschte sich aus, mit dem Vorstandvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Chefcoach Flick sowieso, ebenso mit dem neuen Präsidenten Herbert Hainer und vielen anderen. Im Trainingslager in Katar im Januar stellte er sich der Mannschaft vor, war zudem bei allen Spielen zugegen, hielt sich aber bei sportlichen Wertungen in der Öffentlichkeit komplett zurück. Kahn wollte zunächst Eindrücke gewinnen und sich ein Bild vom FC Bayern als Gesamtgebilde machen. Dazu führte er Gespräche in den einzelnen Abteilungen und gefiel, so erzählt es so mancher Partner auf der anderen Tischseite, mit Kompetenz und Kommunikationsbereitschaft. Gerade der Teamgedanke ist dem früheren Profi, der von 1994 bis 2008 im FCB-Tor stand und sich dabei durchaus als Einzelkämpfer begriff, wesentlich.

Kahn betont die "ganzheitliche Perspektive"

Als Kahn Mitte März im Rahmen der Aktion "kicker on tour" in der Münchner Allianz Arena seine jetzige Rolle beim FC Bayern umfassend erläuterte, betonte er "die ganzheitliche Perspektive", unter der der aktuelle Fußball zu sehen sein: Es geht um den Fußball, den sportlichen Bereich, der den Kern darstelle; aber ohne die finanzielle Basis, "das Business", wie Kahn, seit 2012 Master of Business (MBA), gerne sagt, gebe es keinen Spitzenfußball. Zu seinem Bereich gehören zwar auch die großen Transfers, aber nicht allein und immer in Absprache mit den sportlich Verantwortlichen, Flick, Salihamidzic und - so die Planung - bis Ende 2021 auch Rummenigge. Den AG-Chef soll Kahn zum 1. Januar 2022 in der komplettverantwortlichen Führung ablösen.

Bis dahin will und wird sich Kahn, der in seiner Bildungsphase zum Unternehmer nach seiner Karriere auch das Lernen gelernt und eine gewisse Akademisierung - sie ist an seiner Sprache zu hören - erfahren hat, noch mehr in die verschiedenen Bereiche vertiefen. In seinen ersten 100 Tagen hat er überzeugt.

Hoeneß: "Er hat alle meine Erwartungen zu 100 Prozent erfüllt"

"Optimal", sagt Uli Hoeneß (68), der Kahns Anstellung federführend betrieben hat, auf die kicker-Frage, wie er Kahns bisherigen Einstand beurteile. "Er hat alle meine Erwartungen zu 100 Prozent erfüllt. Und ich bin sehr optimistisch, dass es die total richtige Entscheidung war, Oliver da einzubauen. Das sieht man schon jetzt." Hasan Salihamidzic (43) hat mit Kahn täglich zu tun, erlebt ihn als "absoluten Teamplayer" und sagt: "Oliver gibt viel Input, er ist eine Bereicherung in jeder Diskussion." Die Bewertung des Sportdirektors zu den ersten 100 Tagen seines neuen Partners fällt knapp und klar aus: "Fachlich und menschlich Note 1."

Hitzfeld: "Er war die perfekte Wahl für diesen Posten"

Für Ottmar Hitzfeld (71), der um die Jahrtausendwende siebeneinhalb Jahre lang Kahns Chef in München war und mit ihm zusammen als Höhepunkt 2001 die Champions League gewann, stellt dieser Werdegang seines früheren Torwarts keine Überraschung dar. "Diese Entwicklung ist für mich logisch", sagt Hitzfeld. "Oliver kennt im Fußball alles, er hat einen riesigen Erfahrungsschatz. Er war die perfekte Wahl für diesen Posten."

Karlheinz Wild

Titan, Zielscheibe und Vorstand: Die Karriere von Oliver Kahn