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US-Anklageschrift: Russland und Katar sollen WM-Stimmen gekauft haben

Staatsanwaltschaft in New York nennt Details

US-Anklageschrift: Russland und Katar sollen WM-Stimmen gekauft haben

Doha

Doha, Hauptstadt Katars, soll 2022 die globale Fußball-Gemeinde begrüßen. picture alliance

Die WM-Gastgeber Russland und Katar haben nach Ansicht der US-Behörden im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 führende Funktionäre des Weltverbandes bestochen. Eine am Montag veröffentlichte erweiterte, 70-seitige Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in New York beinhaltet erstmals konkrete Details. "Einigen Mitgliedern des Exekutivkomitees wurden Bestechungsgelder angeboten oder sie haben sie angenommen", heißt es in dem Dokument.

"Anklage dokumentiert anhaltenden Willen der Behörden"

Demnach sollen die damaligen FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieder Julio Grondona (Argentinien/verstorben 2014), Nicolas Leoz aus Paraguay (verstorben 2019) und der Brasilianer Ricardo Teixeira für ihre Stimmen zugunsten Katars die Hand aufgehalten haben. Summen werden nicht genannt. Teixeira sitzt in seinem Heimatland, nach Jahren des Schweigens verkündete er zuletzt bei CNN, er sei sich keiner Schuld bewusst.

Bei der Wahl 2010 in Zürich hatte sich Katar in der vierten Runde mit 14:8 Stimmen durchgesetzt - gegen die USA, die nicht nachlassen wollen. "Die Anklage dokumentiert den anhaltenden Willen der Behörden, Korruption in den höchsten Etagen des Fußballs lahmzulegen", sagte der New Yorker Staatsanwalt Richard P. Donoghue. Der Inhalt des Dokuments könnte Rufe nach Konsequenzen wieder aufleben lassen. Eine Neuvergabe ist aus Expertensicht aber unrealistisch. Auf Anfrage äußerten sich zunächst weder die FIFA noch die Organisatoren im Wüstenstaat.

Dementis aus Russland und Katar

Später wiesen die Organisatoren der WM 2022 die Bestechungsvorwürfe deutlich zurück. Man habe sich im Bieterprozess "streng an alle Regeln und Vorschriften gehalten", teilte das für die WM-Ausrichtung in Katar zuständige Supreme Committee for Delivery and Legacy (SC) am Dienstag auf dpa-Anfrage mit. "Alle gegenteiligen Behauptungen sind unbegründet und werden heftig bestritten." Dementis folgten auch aus Russland. So wies ein Kremlsprecher die Vorwürfe "kategorisch zurück", während der Ex-Chef des russischen WM-Organisationskomitees, Alexej Sorokin, betonte, dass man keine Funktionäre gekauft habe. "Das ist nur eine Meinung von Juristen", sagte er mit Blick auf die Anklageschrift.

Auch Ex-Vize Warner und Salguero im Fokus

Der frühere FIFA-Vize Jack Warner (Trinidad und Tobago), eine Schlüsselfigur im Skandal, der zum Sturz des früheren Weltverbandspräsidenten Joseph S. Blatter führte, soll indes für seine Stimme pro Russland über ein Geflecht von Scheinfirmen fünf Millionen Dollar (4,6 Millionen Euro) erhalten haben. Rafael Salguero aus Guatemala, ebenfalls bei der Doppelvergabe 2010 Exko-Mitglied, habe für seine Stimme eine Million Dollar (920.000 Dollar) kassiert, heißt es unter Punkt 92 des Dokuments vom 18. März.

Hat Fox ebenfalls bestochen?

In der erweiterten Anklage wird unter anderem zwei ehemaligen Spitzenkräften des US-Mediengiganten Fox vorgeworfen, Funktionäre bestochen zu haben. Dem Duo wird zudem vorgeworfen, sich durch Insider-Informationen englischsprachige TV-Rechte für die Weltmeisterschaften gesichert zu haben. Beide bestreiten die Vorwürfe: Die Anklage sei "Fiktion", teilte ein Anwalt mit.

FIFA-Untersuchung: Kein Hinweis auf Stimmenkauf

Im Nachgang des FIFA-Skandals 2015 sind in den USA zahlreiche frühere Funktionäre angeklagt worden. 2017 kam es zum Prozess, einige wurden verurteilt.

Russland und Katar haben jegliche Bestechung im Zusammenhang mit der WM-Vergabe stets bestritten. Eine FIFA-interne Untersuchung von Chefermittler Michael J. Garcia kam 2017 zudem zu dem Schluss, es gebe für Stimmenkauf keine Hinweise. Bestechungen bei der Vergabe der WM 2010 an Südafrika sind erwiesen. Auch im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2006 an Deutschland soll es zu Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einer Zahlung von 6,7 Millionen Euro gekommen sein.

Die FIFA kündigte am Dienstag auf Anfrage an, weitere Informationen des US-Justizministeriums einholen zu wollen und versprach weiterhin "vollständige Kooperation" mit den Behörden. Die Organisatoren im Wüstenstaat äußerten sich zunächst nicht, in der Vergangenheit hatten sie derartige Vorwürfe stets zurückgewiesen.

sid/dpa/kon