Bundesliga

Eine neue Fußball-Welt? Kehl: "Da bin ich skeptisch"

Dortmunds Lizenzspieler-Leiter im Wechselbad der Gefühle

Eine neue Fußball-Welt? Kehl: "Da bin ich skeptisch"

Sebastian Kehl

Erwartet in der restlichen Spielzeit "viel Bewegung in der Tabelle": Dortmunds Leiter Lizenzspieler-Abteilung Sebastian Kehl. imago images

Der Spielbetrieb ruht wegen der Corona-Pandemie, den Vereinen fehlen wichtige Einnahmen, einigen der 36 Profi-Klubs steht das Wasser finanziell bis zum Hals - in dieser Hinsicht sieht Kehl die Borussia allerdings bestens aufgestellt. "Keine Schulden, keine Kurzarbeit - gesünder geht's nicht."

Angesichts der aktuellen Krise sieht der frühere Kapitän des BVB ein großes Miteinander im sonst so knallharten Business Profi-Fußball. "Alle haben die gleichen Probleme. Da tut es gut, wenn man sich austauschen kann. Wir spüren alle, dass wir eng zusammenstehen müssen und nur gemeinsam da durchkommen", so der 40-Jährige.

Am Ende möchte jeder vor allem Erfolg haben und wird dafür auch schneller wieder an Grenzen gehen.

Sebastian Kehl

Steht der Profi-Fußball also vor einer Zeitenwende, vor einer "neuen Welt", wie es Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß zuletzt gegenüber dem kicker formulierte. Kehl ist sich da nicht ganz so sicher. Zwar sei er der Überzeugung, dass sich ein Umdenken "jeder vornehmen wird", doch ob daraus eine neue "Fußball-Welt" entsteht, sieht er skeptisch. Denn: "Am Ende möchte jeder vor allem Erfolg haben und wird dafür auch schneller wieder an Grenzen gehen."

An Grenzen gehen und bisweilen auch darüber hinaus - das leistete sich die Branche in den vergangenen Jahren vor allem bei den Ablösesummen und Spielergehältern. Der frühere BVB-Leader in kurzen Hosen nennt ein Mehr an Vernunft "einen guten Gedanken", sorgt sich aber auch darüber, dass erfahrungsgemäß "viele Vereine wieder andere Wege gehen könnten". Transfers mit einem Volumen im hohen zweistelligen Millionenbereich oder gar jenseits der 100-Millionen-Euro-Schallmauer werden das Geschäft aus seiner Sicht wohl bald wieder begleiten. "In diesem Sommer wird die Krise deutliche Auswirkungen auf den Markt zeigen. Ob das jedoch lange Bestand haben wird, da habe ich meine Zweifel", sagt Kehl.

Kehl erwartet eine "verrückte Saison-End-Rally"

Und wie blickt er rein sportlich auf die restliche, unterbrochene Saison? "Die Ergebnisse werden unvorhersehbarer", vermutet er, "es wird Bewegung in die Tabelle kommen, und wir werden noch die eine oder andere Überraschung erleben. Es könnte eine verrückte Saison-End-Rally geben."

Thomas Hennecke

Im großen kicker-Interview der aktuellen Montags-Ausgabe vergleicht Sebastian Kehl zudem die aktuelle Krise mit der des BVB aus den Jahren 2004 und 2005, er spricht über die gesellschaftliche Rolle des Fußballs und erklärt, wie sich der BVB auf den Re-Start vorbereitet.

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