2. Bundesliga

Planspiele von Arminia Bielefeld um Jonathan Clauss

Vom Postboten zum Express-Zusteller

Bielefelder Planspiele um Clauss

Jonathan Clauss

Zieht es ihn von der Arminia weg? Jonathan Clauss. imago images

Wenn sich ein zuvor weitgehend unbekannter Spieler aus dem Schatten ins Rampenlicht spielt und konstant überdurchschnittliche Leistungen abruft, lassen die Schlagzeilen zumeist nicht lange auf sich warten. Erst recht dann, wenn der Vertrag ausläuft und eine Verpflichtung dieses Spielers äußert lukrativ anmutet. Bei Jonathan Clauss in Bielefeld ist das so - doch damit hat sich's auch schon mit der Normalität rund um den ungewöhnlichen Franzosen.

2018 wäre der heute 27-Jährige fast als Postbote wieder ins ganz gewöhnliche Arbeitsleben eingestiegen. Nach einem überschaubaren Intermezzo beim baden-württembergischen Oberligisten SV Linx war der in seiner Geburtsstadt Straßburg beim dortigen Racing Club ausgebildete Rechtsaußen 2015 wieder in die fußballerischen Niederungen Frankreichs zurückgekehrt. Bei Drittligist US Quevilly-Rouen schließlich entdeckte ihn Arminia, dessen Sportchef Samir Arabi in Clauss' zweitem (und letzten) Vertragsjahr zunächst keine Verlängerung mit dem zu einem Leistungsträger des Zweitliga-Tabellenführers gereiften Spieler erreichen konnte.

In Bielefeld wurde der Spätentwickler zum "Express-Zusteller". In allen 25 Punktspielen dabei (kicker-Notenschnitt: 2,8), erzielte er zwei Tore selbst und lieferte sieben Torvorlagen für das Team von Trainer Uwe Neuhaus. Das blieb logischerweise anderen Klubs nicht verborgen. "Er hat nicht verlängert und ist diesen Sommer ablösefrei", bestärkt sein Berater Vivien André Vermutungen, ein Wechsel seines Spielers stehe bevor. "Mehrere Vereine in der Ligue 1, der Bundesliga, in Spanien und in England interessieren sich für sein Profil."

Arabi kann keinem Spieler verbindliche Auskünfte geben

Den Aufsteiger beim Aufstiegs-Anwärter könnte es also bald wieder wegziehen aus Ostwestfalen. Wenn denn alles normal wäre! Im Zeichen von Corona steht das Transfer-Karussell fast still. Und auch in Bielefeld gibt es abseits der Spielerverträge momentan ganz andere Probleme zu lösen. Nicht auszuschließen sei, "dass wir im Falle eines Bundesliga-Aufstieges ohne einen Neuzugang in die Saison gehen müssen", erklärte Sportchef Arabi gerade erst in der "Neuen Westfälischen". Gegenwärtig könne er keinem Spieler verbindliche Auskünfte geben. "Wir stehen vor lauter Fragezeichen." Dazu zählten auch Planspiele über den Umfang eines künftig zur Verfügung stehenden Budgets. Wenn es denn - in welcher Liga auch immer - überhaupt einmal weitergeht.

Clauss: "Wir haben alle dasselbe Ziel"

Zu Jahresbeginn hatten Sondierungsgespräche zwischen der Clauss-Seite und Arminia keine Annäherung gebracht. Der Spieler sollte sich, schon bevor die Krise ausbrach, auf Geheiß des Vereins anschließend nicht mehr in der Öffentlichkeit äußern. In seiner Heimat hatte er zuvor im Februar gegenüber dem Portal "Foot Mercato" betont, es in der eigenen Sache nicht zu einer Eskalation kommen lassen zu wollen: "Wir haben alle dasselbe Ziel: den Aufstieg in die Bundesliga." Team, Trainer, Manager, Fans und er bewegten sich alle in dieselbe Richtung, so Clauss. "Lassen Sie uns keine Kontroversen hervorrufen und uns auf das konzentrieren, was wichtig ist."

Michael Richter

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