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"Nicht richtig": Liverpools Sorge vor einem Bergamo-Szenario

Kritik an Behörden und an den Reds

"Nicht richtig": Liverpools Sorge vor einem Bergamo-Szenario

Ihre Anwesenheit in Anfield stößt nun auf Kritik: Fans von Atletico Madrid.

Ihre Anwesenheit in Anfield stößt nun auf Kritik: Fans von Atletico Madrid. imago images

Italien war das erste Land in Europa, das vom Coronavirus heftig getroffen wurde - Bergamo ist dabei das Epizentrum der Katastrophe. Als ein Grund für die rasche Verbreitung der Krankheit wurde auch das am 19. Februar ausgetragene Champions-League-Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia ausgemacht. So bezeichnete Bergamos Bürgermeister Giorgio Gori die Partie im Nachhinein als "Biologische Bombe".

In England gerät nun ein anderes Champions-League-Spiel in den Fokus: das Achtelfinal-Rückspiel zwischen Liverpool und Atletico Madrid in Anfield am 11. März. "Es war nicht die richtige Entscheidung", sagte Matthew Ashton (Corona-Koordinator des Gesundheitsamts in Liverpool) dem "Guardian", wollte die Verantwortlichen letztlich aber nicht kritisieren: "Menschen treffen nicht absichtlich falsche Entscheidungen, vielleicht war den Behörden der Ernst der Lage damals nur nicht bewusst."

"Eines von diesen kulturellen Events"

Ändern könne man nun ohnehin nichts mehr. Für Ashton ist jedoch klar, dass das Spiel gegen Atletico "eines von diesen kulturellen Events" gewesen sein könnte, das die Verbreitung der Krankheit in Liverpool "beeinflusst hat".

Vor 54.000 Zuschauern gewann Atletico mit 3:2 und sorgte so für das frühe Aus des Titelverteidigers. Mit dabei: 3000 mitgereiste Auswärtsfans - und Madrid war damals schon ein europäisches Epizentrum der Pandemie. La Liga hatte just an diesem Tag Geisterspiele beschlossen, während die Regierung tags zuvor alle Schulen geschlossen hatte. In Großbritannien galt noch die Regel, dass das Leben seinen normalen Lauf nehmen sollte.

Auf Kritik stößt aber vor allem die Tatsache, dass Auswärtsfans erlaubt worden waren. "Wir haben zugelassen, dass 3000 Fans aus einer Region kommen, in der die Krankheit bereits grassiert hat", moniert John Ashton, ehemaliger Director of public health Nordwest-England. "Das war genauso falsch wie das Argument, dass Freiluftveranstaltungen nicht riskant wären. Ich denke, dass in jener Nacht ein großer Schaden angerichtet wurde."

Kritik an Liverpools Umgang mit Arbeitnehmern

Kritik gibt es aber nicht nur an der Austragung des Champions-League-Spiels, sondern auch am Handeln des FC Liverpool innerhalb der Krise selbst. So macht der Champions-League-Sieger von einer staatlichen Rettungsmaßnahme zur Rettung von Arbeitsplätzen Gebrauch, wonach das Königreich 80 Prozent der Gehälter übernimmt und der Arbeitgeber lediglich 20 Prozent. Im Rahmen dieser Maßnahme schickt der Tabellenführer der Premier League auch zahlreiche Mitarbeiter in Zwangsurlaub - und erntet Kritik.

"Der Klub bezeichnet die Mitarbeiter als Familie. Ich fühle mich nicht wie ein Familienmitglied. Warum nutzt ein Klub, der mehr als 100 Millionen Pfund umsetzt, ein Regierungsprogramm für seine Mitarbeiter, wenn andere Unternehmen es mehr brauchen?", sagte ein anonymer Mitarbeiter des LFC der BBC. Die Reds sind aber nicht der einzige Premier-League-Klub, der so handelt. Zuvor waren Tottenham Hotspur, Norwich City, Newcastle United und AFC Bournemouth ähnlich verfahren.

drm

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