3. Liga

"Ein Schlag ins Gesicht des gesamten Fußballs"

DFB-Schatzmeister über Beitragserhöhung der VBG

"Ein Schlag ins Gesicht des gesamten Fußballs"

Geht bei einigen Klubs "das Licht aus"? Die überraschende Erhöhung der VBG-Beiträge besorgt DFB-Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge.

Geht bei einigen Klubs "das Licht aus"? Die überraschende Erhöhung der VBG-Beiträge besorgt DFB-Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge. imago images

Die finanzielle Lage für einige Klubs in Deutschland ist seit Donnerstag offenbar noch einmal ernster geworden. Da nämlich teilte die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG), der für den Sport zuständige Träger der gesetzlichen Unfallversicherung, mit, dass sie ihre Beiträge erstmals seit zehn Jahren erhöht - und sie werden bis zum 15. Mai fällig.

DFB-Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge spricht auf der Verbandswebsite von "dramatischen Steigerungen für die Klubs", insbesondere für die Dritt- und Regionalligisten sowie die Mitglieder der Frauen-Bundesliga. "Eine solche Botschaft ist in der aktuellen Krise ein Schlag ins Gesicht des gesamten Fußballs, ja, des gesamten Sports."

Mehrere Vereinsvertreter aus den Regionalligen haben mir klar gesagt: 'Dann geht bei uns das Licht aus!'

DFB-Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge

DFB und DFL hatten nach DFB-Angaben zusammen mit der Handball- und Basketball-Bundesliga sowie der Deutschen Eishockey Liga die VBG mit der Bitte angeschrieben, die Beiträge für 2019 generell mindestens bis zum 30. Juni 2021 zu stunden und Gespräche über einen Beitragserlass zu führen.

"Dass man nun wohl plant, die Beitragsbescheide so zu verschicken, als wäre in Deutschland nichts passiert, ist schlimm", so Osnabrügge. "Dass begleitend auch noch bekannt gegeben wird, dass sich die Beiträge dramatisch erhöhen, verschlägt mir die Sprache. Spätestens an dieser Stelle hätte ich erwartet, dass die Verantwortlichen innehalten und gemeinsam mit ihrer Aufsichtsbehörde, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, nach Lösungen in einer Ausnahmesituation suchen."

13 Millionen statt 11,75 Millionen Euro in der 3. Liga

Die Drittligisten etwa hätten zusammengerechnet mit Beiträgen von rund 11,75 Millionen Euro gerechnet, "nun werden dies rund 13 Millionen Euro sein", rechnet Osnabrügge vor. "Mehrere Vereinsvertreter aus den Regionalligen haben mir klar gesagt: 'Dann geht bei uns das Licht aus!' Und ich kann mir vorstellen, dass es bei dem ein oder anderen Verein der 3. Liga ähnliche Auswirkungen hätte."

Zwar teilte die VBG mit, dass sie angesichts der Corona-Krise Zahlungserleichterungen wie Stundung und Ratenzahlung anbiete. Laut Osnabrügge jedoch handelt es sich dabei "um die 'normalen' Instrumentarien bei wirtschaftlichen Schieflagen". Klubs müssten einen Ratenplan vorlegen, der eine Schlussrate spätestens am 15. Dezember 2020 vorsieht.

"Eine Stundung bis zum 15. Dezember hilft niemandem etwas"

Osnabrügge: "Anders als beispielsweise bei der Kurzarbeit wurde wohl übersehen, dass Bürokratie das Letzte ist, was die Fußballklubs jetzt brauchen. Und eine Stundung bis zum 15. Dezember hilft niemandem etwas. Wir wissen heute nicht, ob es im Jahr 2020 überhaupt nochmal möglich werden wird, Fußballspiele mit Zuschauern zu veranstalten."

Der DFB will die VBG jetzt noch einmal kontaktieren, kann den Klubs bis dahin aber lediglich raten, Stundungsanträge zu stellen. "Ich hoffe allerdings noch darauf, dass wir in Gesprächen mit allen Beteiligten eine einheitliche Lösung mit Augenmaß für den gesamten Fußball, für den gesamten Sport hinbekommen", sagt Osnabrügge. "Offenbar ist noch nicht jedem der Ernst der Lage bewusst."

jpe

Früher Bundesliga, heute Amateurfußball: Der Fall deutscher Fußball-Größen