Bundesliga

BVB-Talent Youssoufa Moukoko: "Extrem weit" und menschlich gereift

Dortmunds 15-jähriges Ausnahmetalent träumt vom DFB-Trikot

"Extrem weit" und menschlich gereift: Moukoko im Porträt

Borussia Dortmunds Ausnahmetalent Youssoufa Moukoko trifft und trifft und trifft.

Borussia Dortmunds Ausnahmetalent Youssoufa Moukoko trifft und trifft und trifft. imago images

Fast 15 Jahre ist es inzwischen her, dass sich Nuri Sahin einen ganz besonderen Rekord schnappte: Der heutige Bremer debütierte am 6. August 2005 beim Spiel in Wolfsburg für Borussia Dortmund in der Bundesliga - und das im Alter von erst 16 Jahren und 335 Tagen. Der Mittelfeldspieler löste damals Jürgen Friedl (Eintracht Braunschweig, 17 Jahre und 26 Tage) als jüngsten je in Deutschlands Eliteliga eingesetzten Spieler ab - und hält diese Spitzenposition bis heute.

Doch es ist keineswegs unwahrscheinlich, dass Sahin seinen Rekord bald los ist. Denn am 20. November 2020 wird Dortmunds Sturm-Talent Youssoufa Moukoko 16 Jahre alt, und nach einer am vergangenen Dienstag von der DFL-Vollversammlung beschlossenen Regeländerung ist er ab diesem Tag in der Bundesliga spielberechtigt. Und es bestehen keine Zweifel daran, dass der junge Angreifer alles dafür tun wird, möglichst rasch nach seinem Geburtstag sein Bundesliga-Debüt für die Schwarz-Gelben zu feiern. "Youssoufa konnte es kaum erwarten, dass die alte Regel fällt", verriet Lars Ricken, der Nachwuchskoordinator des BVB, kurz nach der Vollversammlung auf der BVB-Homepage.

Borussia Dortmund - Vereinsdaten
Borussia Dortmund

Gründungsdatum

19.12.1909

Vereinsfarben

Schwarz-Gelb

Trainersteckbrief Favre
Favre

Favre Lucien

Spielersteckbrief Moukoko
Moukoko

Moukoko Youssoufa

Moukoko hatte große Pläne für den März

Aktuell weilt Moukoko wie fast alle Dortmunder Nachwuchstalente aufgrund der Corona-Krise im Homeoffice bei seiner Familie. Vorerst bis zum 19. April ist das Nachwuchsleistungszentrum des BVB geschlossen, im Jugendhaus hält sich in Kamal Boufanta aus Frankreich derzeit nur ein Spieler auf, der Rest ist daheim und wird mithilfe einer App beim individuellen Training unterstützt. Dass die Talente deutlich lieber in der Gruppe trainieren würden, ist keine allzu gewagte These - für Moukoko gilt das erst recht, denn er hatte große Pläne für den März.

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Erstmals war er für die deutsche U-19-Nationalmannschaft nominiert worden, BVB-Cheftrainer Lucien Favre hatte ihm außerdem eine Teilnahme am Training der Profis in Aussicht gestellt: "Wir haben einen Plan mit ihm", hatte der Schweizer gesagt, bevor der Coronavirus alles durcheinanderwirbelte. Dieser sah vor, Moukoko langsam an das höhere Niveau heranzuführen, damit er - wenn zur kommenden Saison die neue Altersregelung der DFL in Kraft tritt - möglichst nah dran ist am Profi-Kader.

Moukoko gilt als absolutes Ausnahmetalent seines Jahrgangs

Dass er das Zeug dazu hat, sich auch bei den Erwachsenen durchzusetzen, davon sind sie nicht nur in Dortmund fest überzeugt. Moukoko, der 2014 aus Kamerum nach Deutschland kam und ab da zwei Jahre lang für den FC St. Pauli auf Torejagd ging, bevor er 2016 nach Dortmund wechselte, gilt als absolutes Ausnahmetalent seines Jahrgangs und ist allen internationalen Topklubs ein Begriff.

Moukoko übertraf den Rekord von Avdijaj

In der derzeit unterbrochenen U-19-Bundesliga-Saison gelangen ihm bereits 34 Tore in nur 20 Einsätzen. In den beiden Jahren zuvor sicherte er sich jeweils die Torjägerkanone in der West-Staffel der U-17-Bundesliga - und übertraf 2019 den bisherigen Torrekord von Donis Avdijaj (44 Treffer für Schalke) um zwei Tore.

Insgesamt gelangen ihm in der B-Jugend 90 Treffer in 56 Partien - ein außergewöhnlicher Wert. Erst recht angesichts seines jungen Alters, das ihn nicht davon abhalten konnte, sich gegen seine teils deutlich älteren Gegenspieler durchzusetzen. Dass er bereits als Zwölfjähriger für die deutsche U 16 auflief (drei Treffer in vier Einsätzen), bevor er eine mit allen Seiten abgestimmte Pause im DFB-Dress einlegte, ist ein weiterer Beleg für das enorme Talent, das Moukoko mitbringt.

Ricken lobt Moukokos Spielintelligenz

"Youssoufa ist fußballerisch extrem weit, er ist schnell, hat eine hohe Spielintelligenz", lobte Ricken den Angreifer im Sommer 2019 gegenüber dem kicker. An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts verändert. Noch immer nennt der Nachwuchskoordinator des BVB ihn ein "Ausnahmetalent", dem die Konzentration auf die Borussia in den vergangenen Jahren gut getan habe. Dadurch sei Moukoko nicht nur sportlich und schulisch, sondern auch menschlich gereift.

Ricken: "Das Nationaltrikot tragen zu dürfen, ist sein großer Traum"

Sein Entwicklungsprozess sei zwar noch nicht abgeschlossen - wie auch bei einem 15-Jährigen, der unter dem Brennglas der Öffentlichkeit steht -, "aber er ist auf einem guten Weg", sagte Ricken im Februar und begrüßte daher die Nominierung für den damals geplanten Lehrgang der U 19 des DFB: "Wir halten es für sinnvoll, dass Youssoufa den nächsten Schritt geht und wieder für Deutschland spielt. Das Nationaltrikot tragen zu dürfen, ist sein großer Traum."

Die Rückkehr zum DFB musste aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden, aufgehoben aber ist sie sicher nicht. Zu groß ist das Talent Moukokos, das dennoch weiter in die richtigen Bahnen gelenkt werden muss. Beim BVB haben sie in den vergangenen Jahren die dazu nötigen Erfahrungen gesammelt, die Statistiken Moukokos geben der behutsamen Vorgehensweise des Klubs Recht. Den Hype um den Stürmer konnten sie dadurch allerdings auch nicht aufhalten.

Moukoko hat längst erste Werbeverträge unterschrieben

Längst hat er sich in den sozialen Netzwerken eine enorme Fanbasis aufgebaut und erste Werbeverträge unterschrieben - ungeachtet der Unterstellungen, er sei möglicherweise älter als angegeben, die in den vergangenen Jahren häufiger aufkamen. Öffentlich hat sich Moukoko von diesen Vorwürfen, die durch offizielle Geburtsurkunden entkräftet werden konnten, nie etwas anmerken lassen. Und auch heute trifft und trifft und trifft er, wenn er nicht gerade durch das Coronavirus ausgebremst wird. Ab November vielleicht ja auch in der Bundesliga.

Matthias Dersch

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