Regionalliga

Wuppertaler SV, Friedhelm Runge: "Genauso wichtig wie Schwebebahn und Zoo"

Interview mit Wuppertals Mäzen Friedhelm Runge

"Der WSV ist genauso wichtig wie Schwebebahn und Zoo"

Friedhelm Runge

Lange Jahre Präsident beim Wuppertaler SV: Friedhelm Runge. imago images

Herr Runge, mehr als sieben Jahre nach Ihrem Abschied unterstützen den WSV nach wie vor. Warum?
Auch wenn der Begriff ein wenig abgedroschen klingt, so stimmt er: Der WSV ist für mich eine Herzensangelegenheit. Drei Jahre im Verwaltungsrat und 22 Jahre als Präsident wischt man nicht so einfach weg. Ich hänge am Verein und werde ihn unterstützen, solange es mir finanziell möglich ist. Der WSV darf nicht verschwinden, wie es beispielsweise unseren Nachbarn FC Remscheid oder Union Solingen passiert ist.

Dabei schien das Verhältnis nach Ihrem Rückzug im Januar 2013 zerrüttet. Oder täuscht der Eindruck?
Es war wirklich so. Die sogenannte Opposition behauptete damals, ich hätte dem Verein fünf Millionen Euro Schulden hinterlassen, für die ich aufkommen sollte. Danach haben sie mich sogar verklagt. Es folgte eine Prozesslawine über zweieinhalb Jahre, die mich zwar kein Geld, aber viel Zeit gekostet hat. Dabei habe ich alle Verfahren, teilweise bis zum Oberlandesgericht in Düsseldorf, gewonnen. Für den WSV war das teuer. Leider.

Ein "Kreis echter Wuppertaler" arbeitet hart

Wie kam es zu einer Annäherung?
Zu vielen Personen im Verein und im Umfeld war der Kontakt nie ganz abgerissen. Vor etwa einem Jahr kam das damalige Vorstandsmitglied Alexander Eichner auf mich zu, ob ich helfen könnte, den WSV vor einer drohenden Insolvenz zu bewahren. Da bin ich erstmals wieder eingesprungen.

Gibt es inzwischen feste Vereinbarungen mit dem Verein oder helfen Sie bei Bedarf aus?
So ist der Stand der Dinge. Ich habe zugesagt zu helfen, wenn es notwendig sein sollte.

Sie gehören einem Unterstützerkreis um den Rechtsanwalt Dr. Günter Hopfgarten an. Welches Ziel verfolgt diese Gruppe?
Es ist ein Kreis echter Wuppertaler, die dafür sorgen wollen, dass der WSV eine Institution in dieser Stadt bleibt. Dafür wird hinter den Kulissen sehr hart gearbeitet. Der Verein ist für Wuppertal genauso wichtig wie der Zoo und die Schwebebahn.

"Der WSV ist nicht insolvent und nicht bedroht"

Stadion am Zoo

Altehrwürdige Spielstätte in Wuppertal: das Stadion am Zoo. imago images

Der Vereinsführung gehören Finanzvorstand Melanie Drees und Stephan Ries, ein Fachanwalt für Insolvenzrecht, an. Reicht das?
Die kurzfristige Berufung von Herrn Ries fand ich unglücklich, weil er aus meiner Sicht als Insolvenzverwalter in dieser Situation nicht zum Verein passt. Auch wenn oft etwas anderes behauptet oder geschrieben wurde: Der WSV ist nicht insolvent und aktuell nicht bedroht. Weil mit der Steuerberaterin Melanie Drees bereits eine Finanzexpertin dem Gremium angehört und sehr gute Arbeit leistet, würde ich es begrüßen, wenn wir wieder sportliche Kompetenz in den Vorstand bekommen würden. Es gibt daher das Bestreben, dass unser Sportdirektor Thomas Richter in die Vereinsführung aufrückt.

Trauen Sie ihm zu, das Schiff auf Kurs zu halten?
Der WSV benötigt Leute, die fest zum Verein stehen, die im besten Fall direkt aus Wuppertal kommen. Thomas war bei uns Torwart, Trainer, Co-Trainer, Teammanager und jetzt Sportdirektor. Er hat das Zeug, den Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen. Nur darum kann es in der aktuellen Situation gehen.

Schon vor der Corona-Krise hatte der Verein wirtschaftliche Probleme. Wie sehr trifft den Klub die Aussetzung des Spielbetriebs?
Eines vorweg: Aus meiner Sicht sind die Probleme keineswegs so riesig, wie sie erscheinen. Unter dem Strich hat der WSV nach meinen Informationen 1,1 Millionen Euro Verbindlichkeiten, von denen jedoch 900.000 Euro durch Bürgschaften verschiedener Personen abgesichert sind. Um die Kosten zu senken, wurde für die Spieler Kurzarbeit angezeigt. Beispielsweise durch Außenstände könnte es sicher Liquiditätsengpässe geben. Das lässt sich ausgleichen.

Spielbetrieb nur mit Zuschauern

Welches Loch würde ein Saisonabbruch reißen?
Da der WSV im Moment leider nicht allzu große Zuschauereinnahmen generiert, wäre der Schaden nicht groß, zumal auch viele Zahlungsverpflichtungen wegfallen. Auf keinen Fall wäre der Verein in seiner Existenz bedroht.

Noch ist nicht absehbar, wie es weitergeht. Was schlagen Sie vor?
Zuschauer und ihre emotionalen Reaktionen gehören einfach zum Fußball. Zumindest was die Regionalliga betrifft, würde ich nur wieder Spiele austragen, wenn Zuschauer zugelassen werden. Bis dahin steht die Gesundheit aller im Vordergrund.

Dieses Interview erschien am 2. April in der Montag-Ausgabe des kicker.

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