Tennis

Federer über Wimbledon-Absage: "Ich bin am Boden zerstört"

Veranstalter scheint bestens versichert gegen eine Pandemie

Federer über Wimbledon-Absage: "Ich bin am Boden zerstört"

Roger Federer

Dieses Jahr muss er wie alle anderen Tennisprofis und Fans des weißen Sports ohne Wimbledon auskommen: Roger Federer imago images

Kein Aufschlag auf dem "Heiligen Rasen", das legendäre Tennis-Turnier von Wimbledon fällt der Coronakrise zum Opfer: Der veranstaltende All England Lawn Tennis and Croquet Club (AELTC) verkündete am Mittwoch das Aus für die 134. Ausgabe in diesem Sommer. Es ist die erste Absage des prestigeträchtigen Klassikers seit dem Zweiten Weltkrieg und nach den Olympischen Spielen und der Fußball-EM das nächste Sporthighlight, auf das die Fans im Jahr 2020 schweren Herzens verzichten müssen.

Rekordsieger Roger Federer (38) schrieb bei Twitter, er sei "am Boden zerstört". "Ich bin natürlich enttäuscht, dass neben Olympia auch Wimbledon abgesagt worden ist", sagte Topspielerin Angelique Kerber 2018 triumphiert hatte. Das Turnier sei jedes Jahr ihr absolutes Highlight: "Aber momentan zählen andere Dinge, die wichtiger sind."

Ich bin natürlich enttäuscht, dass neben Olympia auch Wimbledon abgesagt worden ist. Aber momentan zählen andere Dinge, die wichtiger sind.

Angelique Kerber

Die Veranstalter betonten, dass ihnen die Absage nicht leichtgefallen sei. "Wir haben sie unter größter Rücksicht auf die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden aller getroffen, die zusammenkommen, um Wimbledon zu verwirklichen", sagte der Vorsitzende Ian Hewitt.

Tennis-Pause bis 13. Juli - Auch Bad Homburg und Halle fallen aus

Ursprünglich war das Grand-Slam-Turnier für den Zeitraum vom 29. Juni bis 12. Juli geplant worden, nun wird erst wieder mit einem Jahr Verspätung vom 28. Juni bis 11. Juli 2021 gespielt werden. Im selben Schritt verkündeten die Männer-Tour ATP und die Frauen-Tour WTA eine Verlängerung ihrer Spielpause bis mindestens 13. Juli.

Dies bedeutet auch, dass die Premiere des WTA-Turniers in Bad Homburg, das Comeback des Frauen-Events in Berlin sowie die ATP-Events in Stuttgart und Halle (alle für Juni geplant, alle auf Rasen) unmittelbar betroffen sind. Während Berlin und Stuttgart offiziell noch auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr hoffen, sind die Wettbewerbe in Bad Homburg und Halle für dieses Jahr bereits abgesagt.

Die Enttäuschung darüber ist groß wie auch bei den Wimbledon-Ausrichtern, die nach "eingehender und umfassender Betrachtung aller Szenarien" in diesen außergewöhnlichen Zeiten keine andere Möglichkeit sahen.

Offenbar sehr viel Weitsicht beim Veranstalter: Versicherung gegen eine Pandemie

Immerhin: Finanziell fällt der AELTC trotz des insgesamt elften und seit den großen Kriegen (1914 bis 1918 und 1940 bis 1945) ersten Ausfalls offenbar vergleichsweise weich. Laut britischer Medienberichte ist Wimbledon im Besitz eines Versicherungsscheins gegen eine Pandemie - kein anderes Weltevent ist im Sport bisher bekannt, das derart gut abgesichert gegen die Krise ist.

Fraglich erscheint, inwieweit überhaupt noch Filzbälle bei wichtigen Turnieren in diesem Jahr übers Netz fliegen werden. Die Anzahl der Zweifler nimmt zu. "Meine persönliche Meinung ist, dass es schwierig sein wird, in diesem Jahr noch Tennis zu spielen", sagte Australian-Open-Chef Craig Tiley. Der dreimalige Wimbledon-Champion Boris Becker sieht das allerdings anders. "Wir sollten mit der Schwarzmalerei aufhören", schrieb der 52-Jährige bei Twitter, "natürlich" werde dieses Jahr noch Tennis gespielt.

Wann, wo und wie ist jedoch völlig offen. Der Kalender ist ziemlich durcheinander geraten - der Ärger einbringende Sprung der French Open auf den 20. September, eine Woche nach den US Open, trug dazu bei. Traurige Klarheit herrscht jetzt immerhin mit Blick auf das wichtigste Turnier des Jahres, Wimbledon fällt 2020 aus.

sid/bst

20, 19, 17! Meiste Grand-Slam-Titel: "Big Three" unter sich