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"Davor ziehe ich den Hut": DFL lobt Nachbarländer

Internationaler eFootball-Vergleich

"Davor ziehe ich den Hut": DFL lobt Nachbarländer

An die Live-Publikumszahlen einer eSuperliga kommt die Virtual Bundesliga bislang noch nicht heran.

An die Live-Publikumszahlen einer eSuperliga kommt die Virtual Bundesliga bislang noch nicht heran. Superliga

In Deutschland läuft die Virtual Bundesliga, in England die ePremier League, in Spanien die eLa Liga und auch sonst besitzen fast alle großen europäischen Fußballligen ein virtuelles Pendant. Sie unterscheiden sich jedoch drastisch, ob hinsichtlich des Formats, des Umfangs, des Engagements der Vereine oder der Mühen der verantwortlichen Verbände. Die ePremier League hinkt beispielsweise trotz des prominenten Namens und vieler hochklassiger Spieler immer noch weit hinter der Konkurrenz her.

Das liegt einerseits am mangelnden Interesse der Klubs, andererseits fällt die Aufmachung der Liga eher bescheiden aus: Neben den kleineren Klubevents besteht eine Saison nur aus dem Offline-Finale. Auch fehlendes Preisgeld sorgte in der Vergangenheit bereits für Kritik, woraufhin die Liga zurückruderte und 40.000 Pfund zur Verfügung stellte - das zeigt: Die Größe einer Fußballliga lässt nicht zweifelsfrei auf die Qualität des virtuellen Produkts schließen.

Wie steht es um die VBL?

Die Virtual Bundesliga ist mit einer vergleichsweise langen Historie und den dadurch gewonnenen Erfahrungen, den vielen Spitzenspielern und der Unterstützung von 22 Vereinen aus der ersten und zweiten Liga gut aufgestellt. Insbesondere die Gründung der Club Championship vor knapp anderthalb Jahren verpasste der VBL noch mal einen ordentlichen Schub. Mit einem ähnlichen Konstrukt können nur wenige Länder aufwarten.

Dennoch ist der Wettbewerb für DFL Digital Sports-Chef Andreas Heyden noch nicht ausgereift: "Wir versuchen, aus einer langfristigen Vision heraus eine echte Liga zu entwickeln. Eine Liga dauert nun mal länger als ein Wochenende oder ein Ein-Tages-Event. Dort den richtigen Weg, das richtige Turniersystem, das richtige Ligaprinzip zu finden - da sind wir schon gute Schritte gegangen, befinden uns aber, ehrlich gesagt, immer noch am Anfang. Wir nehmen uns die nötige Zeit und die engagierten Klubs helfen dabei."

Lob für die Konkurrenz

Ein Punkt, in dem die Virtual Bundesliga noch Nachholbedarf hat, ist das Live-Publikum. In Zeiten des Coronavirus ist es ohnehin ein schwieriges Thema, doch auch in den vergangenen Jahren waren die Grand Finals nie sonderlich gut besucht. Fairerweise lag darauf aber auch nicht der Fokus der DFL, dennoch hatten sich die Organisatoren sicherlich mehr vorgestellt und erhofft.

In diese Kerbe schlägt auch Heydens Lob für andere Ligen. "Die Niederländer und die Skandinavier haben eine echt tolle Offline-Präsenz, davor ziehe ich den Hut, das ist wirklich gut gemacht", meint der Digital Sports-Chef und gibt gleichzeitig zu bedenken: "Es sind natürlich kleinere Länder mit kürzeren Anfahrtswegen und einer höheren Penetration per Haushalt, was die Spiele anbelangt."

Wichtige Rolle der Organisation

Eine gewichtige Rolle spielt aber auch die Organisation: Sowohl der niederländische Fußballverband als auch die Verbände in Dänemark und Schweden werden vom eSport-Turnierveranstalter DreamHack unterstützt. Dank dieser Kooperation beeindruckte die dänische eSuperliga vergangene Saison mit einer Kulisse, die sogar FIFA-Kommentator Richard Buckley beeindruckte: "Ich habe bisher noch nie ein FIFA-Event mit so vielen Live-Zuschauern und dieser Atmosphäre gesehen."

An die 1.000 Fans waren in die Arena gekommen, um ihre FIFA-Lieblinge anzufeuern. Sollte das auch der DFL mit der VBL gelingen, es wäre ein großer Entwicklungsschritt für die Liga, die das Potenzial des eFootballs in Deutschland versinnbildlicht.

Christian Bellinger/Christian Mittweg

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