Formel 1

Weniger als elf Formel-1-Rennen 2020?

Weltrat beschließt weitreichende Änderungen

Weniger als elf Formel-1-Rennen 2020?

Jean Todt mit Fernando Alonso (re.)

Weitreichende Änderungen kommen auf die Formel 1 zu: Fia-Boss Jean Todt (re. Fernando Alonso). imago images

Damit gelingt dem Verband möglicherweise das Löschen eines lodernden Feuers. Da es ab 2021 zu spürbaren Finanzbeschränkungen kommen wird (Maximalbudget von 175 Millionen US-Dollar jährlich), war für die Saison 2020 mit einem Finanzaufwand der größeren Teams in einem bisher nie dagewesenen Umfang gerechnet worden. Grund: Um den ab 2021 geltenden Beschränkungen zu entgehen, wollten die finanzstarken Teams, allen voran Mercedes, Ferrari und Red Bull, große Teile der sündhaft teuren Entwicklungsarbeit bereits im laufenden Kalenderjahr abwickeln. Dagegen hatten die kleineren Teams deutlich ihren Unmut geäußert. Einer Art Geldverbrennung hat die FIA nun insofern einen Riegel vorgeschoben, als sie Vorab-Konstruktionsarbeiten und Windtunnelentwicklungen für die Zeit ab 2022 bis Ende Dezember 2020 untersagte. In dem nun verabschiedeten Papier heißt es: "Um Tests zu verhindern, die für die Saison 2022 entwickelt werden sollen, dürfen vom 28.03.20 bis zum 31.12.20 (eingeschränkte Windkanaltests) nur mit einem maßstabgetreuen Modell durchgeführt werden, das im Wesentlichen dem Technischen Reglement der Formel 1 für 2020 oder 2021 entspricht."

60 Prozent Zustimmung der Teams reichen aus

Der Weltrat billigte im Lauf seiner aktuellen digitalen Zusammenkunft die bereits angekündigte Verschiebung des Technischen Reglements von 2021 auf 2022. Weitere Maßnahmen, heißt es, könnten folgen, wobei - auch dies eine Änderung - nun nicht mehr eine 100-prozentige Zustimmung aller Teams vonnöten ist, sondern bereits 60 Prozent ausreichend sind. Weitere Beschlüsse in Kurzform: Die fürs Jahr 2020 vorgesehen gewesenen Tests der neuen 18-Zoll-Räder sind abgesagt und werden erst 2021 stattfinden (Einführung dann 2022). Nach dem Ende der Saison 2020 soll es unverändert einen Young-Driver-Test geben, bei dem dann zwei anstelle des bislang nur einen Autos pro Team erlaubt sind.

Erstmals unterliegen nicht nur die Teams, sondern auch die Motoren-Hersteller einer dreiwöchigen Werkstillegung. Ebenso wie bei den Teams die ursprüngliche Sommerpause vom August ins rennfreie Frühjahr vorverlegt wurde, müssen auch die vier Motorenhersteller Mercedes, Ferrari, Renault und Honda bis Ende April drei Wochen die Tore ihrer Produktionsstätten schließen. Sollten die weltweiten Beschränkungen für öffentliche Veranstaltungen auch deutlich über Ende April hinaus erweitert werden, behält sich die FIA vor, die Werkspausen der Rennställe und Motorhersteller über die bestehenden drei Wochen hinaus zu verlängern.

Weniger als elf Rennen gab es zuletzt 1966

Da derzeit niemand weiß, wie viele der geplanten 22 WM-Läufe tatsächlich stattfinden können, wurde die Anzahl erlaubter Motoren und Peripherieaggregate neu gefasst. Interessant daran ist die dreistufige Vorgehensweise mit denkbaren Kalendern von mehr als 14 Rennen, von einer Saison mit 11 bis 14 Rennen, aber auch mit einem Szenario, das weniger als elf WM-Rennen offenbar nicht ausschließt. Weniger als elf Rennen, nämlich neun, gab es letztmals im Jahr 1966.

Offiziell beschlossen wurde ebenso, dass die Teams bereits ab 2021 keine zweiachsigen Lenksysteme mehr verwenden dürfen. Mercedes hatte im Februar bei Testfahrten mit einem derartigen DAS-System (Dual Axis Steering ) überrascht und den Ärger der Konkurrenten heraufbeschworen.

Stefan Bomhard

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