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Australien: Adelaide-Profi Mirko Boland: "Stehe nachts für Lübeck auf"

Mittelfeldspieler erzählt über Zeit in Australien

Adelaide-Profi Boland: "Ich stehe nachts für Lübeck auf"

Mirko Boland

Noch für Adelaide United im Einsatz, bald beim VfB Lübeck: Mirko Boland. imago images

Telefongespräch um 9.30 Uhr am Morgen, deutscher Zeit. Bei Mirko Boland ist es schon 19 Uhr am Abend. Er befindet sich auf der Zielgeraden seines Abenteuers in Australien.

Nach zwei Jahren in Australien zieht es Sie im Sommer zurück nach Deutschland. Herr Boland, was hat Lübeck, was Adelaide nicht hat?
In Lübeck spielt der VfB (lacht). Im Ernst: So schön es hier in Adelaide ist und meine Frau und ich uns in der Stadt auch wirklich wohlfühlen, so sehr wollten wir nun auch zurück nach Deutschland. Wir wollen gerne wieder dort sein, wo die Familie und Freunde sind.

Spielersteckbrief Boland
Boland

Boland Mirko

Trainersteckbrief Verbeek
Verbeek

Verbeek Gertjan

Wie konnten Sie sich aus der Entfernung davon überzeugen, dass der VfB der richtige Klub für Sie ist?
Der Kontakt kam über Aufsichtsratsmitglied Timo Neumann zustande, der wiederum mit meinem Kumpel und ehemaligen Braunschweiger Mitspieler Dennis Kruppke befreundet ist. Wir haben telefoniert, es war alles durchweg positiv. Der VfB ist gut aufgestellt und hat viel Potenzial, ich soll als Führungsspieler auf und neben dem Platz vorangehen. Ich freue mich riesig darauf.

Viele Braunschweiger Fans hätten sich gefreut, wenn Sie zur Eintracht zurückgekehrt wären...
Ich wurde auch immer mal wieder von den Fans angesprochen, es freut mich, dass sie mich gut in Erinnerung behalten haben. Ich hatte neuneinhalb tolle Jahre in dem Klub, aber seitdem ich weg bin, habe ich nie wieder etwas von den Verantwortlichen gehört. Der Abschied damals tat weh, aber jetzt freue ich mich umso mehr auf den VfB.

Ebenfalls ein Traditionsklub.
Ja, das ist mir wichtig. Ich verfolge viel Fußball, schaue mir gerne Traditionsvereine jeglicher Liga an. Leider ist die Saison jetzt unterbrochen, aber ich stehe sonst nachts auch um 1 Uhr auf und sehe die Spiele des VfB im Internet. Beim Spitzenspiel in Wolfsburg waren über 1100 Fans mit dabei, das ist überragend.

Es war definitiv die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Boland über seine Zeit in Australien

Auch in Australien ist die Saison unterbrochen. Die Waldbrände zu Jahresbeginn, jetzt das Coronavirus. Wie nehmen Sie es wahr?
Vom Feuer haben wir in Adelaide zum Glück nur sehr wenig mitbekommen, es ist höchstens mal Rauch über die Stadt gezogen. Aber als alles vorbei war, sind wir mit dem Auto mal losgefahren und haben uns das angeguckt, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Furchtbar für die Menschen, die ihre Häuser verloren haben, für die Tiere, die gestorben sind. Und Corona hat auch Australien erreicht, die Liga ist nun erst einmal bis zum 22. April gestoppt.

Mit Adelaide United rangieren Sie auf Platz 7 direkt hinter den Play-off-Rängen.
Die Play-offs sind natürlich unser Ziel, zuletzt lief es nicht gut.

Auch für Sie nicht.
Das stimmt, ich hatte eine Meniskusverletzung, bin jetzt aber wieder fit. Trotzdem habe ich nicht so häufig gespielt, wie ich mir das wünsche.

Ihr Trainer ist auch in Deutschland kein Unbekannter. Haben Sie das Gespräch mit Gertjan Verbeek, dem Ex-Coach von Nürnberg und Bochum, gesucht?
Ja, das habe ich. Ich bin selbstbewusst genug, zu sagen, dass ich mehr Einsatzzeit haben müsste. Aber es ist, wie es ist, ich muss mich einfach weiter anbieten.

Wenn Sie Adelaide im Sommer verlassen, wie wird dann Ihr Fazit ausfallen?
Es war definitiv die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich habe mit dem Team zweimal den Pokal gewonnen, wir haben eine faszinierende Stadt in einem fantastischen Land kennengelernt, Freunde gefunden. Auch wenn ich mit Verletzungen zu kämpfen hatte, war es insgesamt perfekt für mich und meine Frau.

Was werden Sie am meisten vermissen?
Das Wetter, das ist schon sehr angenehm hier. Und man ist in 20 Minuten in den Bergen, sieht Koalas und Kängurus. Genauso sind es in die andere Richtung 20 Minuten bis zum Meer, wo die Delfine schwimmen. Noch dazu die Mentalität der Menschen, man kann hier gut leben, im Mittelpunkt steht für mich dennoch der Fußball. Ich habe immer noch richtig Lust zu zocken.

Trifft der VfB Lübeck dann in der nächsten Saison auf Eintracht Braunschweig?
Man muss natürlich abwarten, wie und ob die Saison beendet wird. Aber ich hoffe, dass es kein Wiedersehen mit der Eintracht gibt - weil ich mir wünsche, dass der VfB in die 3. und die Eintracht in die 2. Liga aufsteigen.

Das Interview mit dem langjährigen Eintracht-Braunschweig-Profi und aktuellem Adelaide-Spieler Mirko Boland stammt aus der kicker-Ausgabe vom 30. März 2020 (Montag).

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