Bundesliga

Union-Manager Oliver Ruhnert kritisiert: "Ich finde das schwach"

Unterschiedlicher Umgang mit DFL-Empfehlung

Ruhnert kritisiert: "Ich finde das schwach"

Oliver Ruhnert

Fordert einheitliches Trainingsverhalten aller Bundesligaklubs: Union-Manager Oliver Ruhnert. imago images

Insbesondere der FC Augsburg trainiert weiter - in mehreren kleinen Gruppen, wie der FCA erklärte - auf dem Rasen. Borussia Dortmund soll die Profis ab diesem Montag in Zweiergruppen ebenfalls auf dem Trainingslatz arbeiten lassen wollen. So jedenfalls erzählte es Emre Can im "Sport1"-Doppelpass. Auf Anfrage legte der BVB allerdings großen Wert darauf, dass man nur im Fitness- und Kraftbereich trainieren werde. Daher handele es sich "de facto weiter um individuelles Training". Nicht auf dem Rasen, aber in Kleingruppen im Kraftraum versammelt auch der VfL Wolfsburg sein Team.

Ruhnert: Bitte der DFL "sollte eigentlich für alle gelten"

Einheitlich wirkt das Vorgehen der Klubs nicht. Ein Umstand, der etwa Oliver Ruhnert missfällt. "Ich finde es wichtig, dass es eigentlich einheitlich ist. Wenn sich einige Vereine nicht daran halten, finde ich es schwach", sagte der Manager des 1. FC Union dem kicker und erklärte: "Wenn die DFL um Dinge bittet, macht sie das sicher aus gutem Grund. Es sollte eigentlich für alle gelten."

1. FC Union Berlin - Die letzten Spiele
Mainz (H)
1
:
1
Hertha (A)
4
:
0
1. FC Union Berlin - Vereinsdaten

Gründungsdatum

20.01.1966

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Gerade weil die Situation in den verschiedene Regionen Deutschlands zum Teil sehr unterschiedlich sei (in seiner Heimat Iserlohn im Märkischen Kreis gebe es beispielsweise vergleichsweise wenige Fälle, andernorts aber tausende), halte er es für "notwendig und wichtig, dass die Steuerung über die DFL geht", sagte Ruhnert. Zudem gehe es auch darum, dass es im Land eine Kontaktsperre gebe, "und daran sollte sich auch der Fußball halten", meinte Unions Manager und empfahl: "Bevor noch nicht geklärt ist, wann und wie es weitergehen soll (mit der Saison, d. Red.), tut man sich nichts, wenn man sich darauf verständigt, dass wir einheitlich wieder mit dem Mannschaftstraining starten."

Bis 6. April: "Werden keine Gruppen zusammenführen"

Union hatte am Donnerstag angekündigt, die Wiederaufnahme des Teamtrainings vom 31. März auf den 6. April zu verschieben - auch auf Bitte der DFL, wie es hieß. Dabei solle es auch bleiben, sagte Ruhnert. Einige Union-Profis arbeiten vereinzelt im Stadion, die meisten aber im Home Office. "Wir haben auch Spieler vor Ort, die danach lechzen, mal wieder was mit der Gruppe zu tun. Das ist auch nachvollziehbar", erzählte Ruhnert, "die kommen auch immer mal wieder in die Alte Försterei und gehen mit einem Trainer mal zu zweit trainieren. Aber wir werden keine Gruppen zusammenführen."

Einen großen Wettbewerbsnachteil für seine Mannschaft will der Manager des Liga-Neulings in den unterschiedlichen Trainingswegen der Klubs nicht erkennen. Schließlich sollte bei einer Wiederaufnahme der Saison beispielsweise Anfang Mai ausreichend Zeit für eine gezielte Vorbereitung bleiben. Auswirkungen könnte eine frühere Rückkehr, auch in Gruppen, in den Trainingsbetrieb daher nicht so sehr auf die Fitness, sondern möglicherweise eher auf das Mannschaftsgefüge haben. Gerade einige ausländische Profis, deren Familien nicht vor Ort sind, könnten von den derzeitigen Kontaktbeschränkungen stärker betroffen sein. Wie derzeit bei vielen Dingen tappe man aber auch bei dieser Thematik etwas im Dunkeln.

Schnellere Tests als Grundprinzip für Wiederaufnahme

"Es gibt keine Erfahrungswerte. Das muss man in der Tat hinterher mal beleuchten. Es ist schon ein ziemlich abrupter Abbruch. Keine Frage", sagte Ruhnert, der die derzeitige Situation daher auch nicht mit der üblichen personellen Fluktuation in einer Sommerpause und dem Findungsprozess in einer Vorbereitung vergleichen will. "Das ist eine komplett andere Situation. Wir sind jetzt zum einen mitten in einer Saison. Und zum anderen, und das finde ich noch viel entscheidender, haben wir momentan keinen Starttermin, so wie das bei einer Vorbereitung sonst der Fall ist", erklärte der 48-Jährige.

Auf die Frage, wann es wieder losgeht, hat auch Ruhnert noch keine eindeutige Antwort. Der Geschäftsführer Profifußball der Köpenicker glaubt aber, dass in nicht allzu ferner Zukunft eine wesentliche Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs geschaffen werden dürfte. Bislang mussten bei einem positiven Coronafall alle Kontaktpersonen in Quarantäne, also mitunter eine ganze Mannschaft wie beispielsweise bei Unions Stadtrivale Hertha BSC. Sollte dieses Prozedere beibehalten werden, wäre ein fairer Wettbewerb jedoch kaum vorstellbar.

"Am Ende wird es so sein, dass bei einem positiven Fall nicht mehr die ganze Gruppe mit in Quarantäne muss. Das ist eine technische Geschichte. Die Tests werden besser werden, es wird schneller Ergebnisse geben", sagte Ruhnert und betonte: "Das ist ein Grundprinzip dafür, dass es mal geordnet weitergehen kann."

Jan Reinold

Kabinen 1 bis 4: So ungewöhnlich trainiert der VfL Wolfsburg