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Klopp zur Corona-Krise: "Ich habe sofort angefangen zu weinen"

Liverpool-Trainer über Corona, Atletico und ein besonderes Video

Klopp: "Ich habe sofort angefangen zu weinen"

"Wir hatten über viele Dinge nachzudenken, über die ich noch nie in meinem Leben nachgedacht habe": Jürgen Klopp.

"Wir hatten über viele Dinge nachzudenken, über die ich noch nie in meinem Leben nachgedacht habe": Jürgen Klopp. imago images

Vor etwas mehr als zwei Wochen scheiterte der FC Liverpool als Titelverteidiger im Champions-League-Achtelfinale an Atletico Madrid. "Es fühlt sich an, als wäre das eine Ewigkeit her", sagt Jürgen Klopp. Doch wie seltsam die Vorbereitung auf dieses Spiel (2:3 n.V.) war, weiß er noch ganz genau.

Schon die Vorbereitung auf Atletico sei "wirklich merkwürdig" gewesen

"Am Samstag haben wir in Bournemouth gespielt und gewonnen, dann hat Manchester City am Sonntag verloren, also war unsere Information: noch zwei Siege" bis zum Meistertitel, blickt Klopp auf der Klubwebsite zurück. "Aber dann bin ich am Montagmorgen aufgewacht und habe von der Lage in Madrid gehört, dass sie ab Mittwoch die Schulen und Unis schließen."

Deshalb sei es "ehrlich gesagt wirklich merkwürdig" gewesen, sich auf das Rückspiel gegen Atletico vorzubereiten. "Normalerweise" könne er Dinge um sich herum gut ausblenden, "Mauern links und rechts von mir" aufbauen. "Aber in diesem Moment war es wirklich schwer."

Es gibt so viele Menschen da draußen, die viel größere Probleme haben, deswegen fände ich es wirklich peinlich, wenn ich über 'meine' Probleme sprechen würde.

Jürgen Klopp

Und nach den spektakulären 120 Minuten ("Wir haben nicht genug Tore geschossen und zu viele kassiert, aber dazwischen war es ein großartiges Spiel!") wurde es noch seltsamer: Als die Mannschaft nach dem freien Donnerstag am Freitag erstmals wieder zusammenkam, "war klar, dass es keine Trainingseinheit werden würde", so Klopp. "Ja, wir haben trainiert, aber es war eher eine Besprechung. Wir hatten viel zu bereden, über viele Dinge nachzudenken, Dinge, über die ich noch nie in meinem Leben nachgedacht habe."

Klopp: "Jetzt hat uns die Natur gezeigt, dass wir alle gleich sind"

Inzwischen ist längst offensichtlich, dass es nicht mehr darum geht, wann die Premier League wieder anfängt, wie - und ob - Liverpool Meister wird. "Es gibt so viele Menschen da draußen, die viel größere Probleme haben, deswegen fände ich es wirklich peinlich, wenn ich über 'meine' Probleme sprechen würde."

Noch vor wenigen Wochen hätte jedes Land nur über seine eigenen Probleme gesprochen. "Jetzt hat uns die Natur gezeigt, dass wir alle gleich sind und wir alle die gleichen Probleme im gleichen Moment haben und dass wir zusammen an einer Lösung arbeiten müssen. Es ist nichts gut an dieser Situation - außer vielleicht das, was wir daraus lernen können", sagt Klopp.

Ein Video aus dem Krankenhaus rührte Klopp zu Tränen

"Wenn wir in zehn, 20, 30, 40 Jahren zurückblicken und das Fazit ist, dass das die Phase war, als die Welt die größte Solidarität, die größte Liebe, die größte Freundschaft oder was auch immer gezeigt hat, wäre das großartig, wirklich großartig." Denn das sei die Lösung: "Wir müssen alle diszipliniert sein, alle zusammenarbeiten, alle aufeinander achtgeben."

Ein Video, das ihm zugeschickt wurde, hat Klopp besonders emotional werden lassen. Es zeigt, wie Krankenhausmitarbeiter nahe einer Intensivstation gemeinsam die Hymne der Reds singen. "Als sie 'You'll Never Walk Alone' anstimmen, habe ich sofort angefangen zu weinen", verrät Klopp. "Es ist unglaublich. Aber es zeigt alles. Diese Leute bringen sich selbst in Gefahr, wenn man so will, weil sie kranken, ernsthaft beeinträchtigten Menschen helfen. Ich könnte sie nicht mehr bewundern."

jpe

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