Int. Fußball

Berater Thomas Kroth: "Teilweise werden Spieler mit Kündigungen konfrontiert"

Spielerberater und Asien-Experte über die Coronakrise

Berater Kroth: "Teilweise werden Spieler mit Kündigungen konfrontiert"

Thomas Kroth

Spielerberater und Asien-Experte: Thomas Kroth. imago images

Thomas Kroth gilt in der Branche der Spielerberater als der Experte des asiatischen Fußballs, verfügt vor allen in Japan über ein exzellentes Netzwerk. Der frühere Nationalspieler und Bundesligaprofi (Köln, Frankfurt, Hamburg, Dortmund) spielte von 1978 bis 1980 gemeinsam mit Yasuhiko Okudera für den 1. FC Köln. Okudera war der erste japanische Spieler in der Bundesliga. Seit Beendigung seiner Karriere im Jahr 1990 kümmert sich Kroth als Inhaber und Geschäftsführer der Agentur Pro Profil um die Betreuung und Vermarktung von Profisportlern, unter anderen Manuel Neuer, Makoto Hasebe, Sebastian Rode und Patrick Herrmann. An fast allen Transfers von Japanern nach Europa und von Spielern und Trainern aus Europa nach Japan, insgesamt über 50 Wechsel, wirkte er maßgeblich mit. Von 2015 bis 2019 war Kroth Präsident der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV), sein Wort hat in der Branche Gewicht.

Was leisten Spielerberater in dieser weltweiten Krise?
Ich kann nicht für die ganze Branche sprechen. Sondern nur für das, was wir mit PRO Profil auf den Weg gebracht haben.

Bitte...
Direkt nach Ausbruch der Corona-Pandemie haben wir allen Partnern ein Informationsblatt zukommen lassen, worauf sie sich einstellen müssen und was sie erwarten kann. Und wir haben Hotlines eingerichtet. In juristischen Fragen steht mit Gregor Reiter, der seit 2007 Geschäftsführer der DFVV ist, ein hoch kompetenter Rechtsanwalt praktisch rund um die Uhr für Fragen zur Verfügung. Und im medizinischen Bereich gibt es mehrere Ansprechpartner aus dem Kreis, der sich seit einigen Jahren im Abstand von sechs bis acht Wochen zu einem Kolloquium zusammenfindet. Diese Ärzte sind untereinander exzellent vernetzt.

Ich halte es für denkbar, sich auf wenige Austragungsorte zu beschränken.

Thomas Kroth

Werden diese Hotlines in Anspruch genommen?
Ja, sogar recht stark. Gerade auch von Spielern bei Vereinen der 3. Liga, die sich zum Teil sehr aggressiven Forderungen in Fragen von Kurzarbeit und Gehaltsverzicht seitens einiger Vereine ausgesetzt sehen. Teilweise werden sie mit sofortigen Kündigungen konfrontiert.

Aus Gesprächen können Sie beurteilen, wie die Klubs mit der Krise umgehen.
Das ist von Verein zu Verein absolut unterschiedlich. Training in kleinen Gruppen auf dem Platz, Home-Training via Bildschirm unter Anleitung von Fitnesstrainern - es gibt viele Varianten. Und es wäre wünschenswert, wenn die Klubs zu einer einheitlichen Linie finden würden - auch im Sinne der Integrität des gemeinsamen Wettbewerbs.

Der, wann auch immer, voraussichtlich zunächst nur über sogenannte Geisterspiele wieder aufgenommen werden kann.
Das ist zu erwarten. Aktuell wäre es für mich überlegenswert, dass Klubs ihre Spieler - und gegebenenfalls auch deren Angehörige - in einigen der vielen aktuell leer stehenden Hotels zusammenziehen. Einige Klubs sind auch an Hotels beteiligt. Familie und Beruf ließen sich über solche Maßnahmen verbinden. Medizinische Versorgung und die angemessene Disziplin wären über eine solche Maßnahme garantiert. Vor allem könnte ein geregelter Trainingsbetrieb aufrechterhalten werden. Konkret zu den Geisterspielen: Ich halte es für denkbar, sich auf wenige Austragungsorte zu beschränken, an denen dann täglich Spiele ausgetragen werden, wann immer Geisterspiele überhaupt möglich sein werden.

Halte Abstand. Das ist eine Frage des Respekts.

Thomas Kroth

Die Disziplin einiger Fußballprofis hielt sich an den ersten Tagen der Pandemie in Grenzen...
Das hat irgendwo auch etwas mit der bei uns gepflegten Bussi-Bussi-Gesellschaft zu tun. Im dicht besiedelten Japan gibt es bedeutend weniger Infizierte als im nahen China und vor allen auch in Europa. Das hat mit den Lebensgewohnheiten und der Kultur der Japaner zu tun. Bei meinen vielen Aufenthalten in Japan, bei Gesprächen, Verhandlungen und Veranstaltungen habe ich eins gelernt: halte Abstand. Das ist eine Frage des Respekts. Noch heute ist ein Händedruck bei Begrüßung und Verabschiedung nicht die Regel, auch wenn sich in diesem Punkt einiges leicht verändert hat in den zurückliegenden fünf, sechs Jahren. Man verneigt sich in gebührenden Abstand vor dem Partner, das ist die normale Form der Höflichkeit. Und an den Bushaltestellen und Bahnhöfen gibt es kein Schieben und Drängeln, man ordnet sich seriös in eine Reihe ein.

Wie hat die japanische Bevölkerung die Verlegung der Olympischen Spiele aufgenommen?
Der japanische Präsident hat sich dafür ausgesprochen und das akzeptiert nahezu die komplette Bevölkerung Japans ohne Wenn und Aber. Wie im Übrigen nahezu alle Entscheidungen des Präsidenten. Für die japanische Wirtschaft, die eh sehr stark gebeutelt ist, ist das jedoch ein weiterer Nackenschlag.

Zu Ihrem Kerngeschäft. Wie ist der Stand der Gespräche über eine Vertragsverlängerung von Manuel Neuer beim FC Bayern München?
Wir stehen im Austausch. Aber es ist von Manuel bekannt, dass er ungerne Zwischenstände verkündet, somit gibt es hier nichts Aktuelles zu sagen.

Interview: Rainer Franzke