Bundesliga

Fredi Bobic: "Ein Jahr ohne Europa nicht so übel" für Eintracht Frankfurt

Bobic über Frankfurts Saison, Hoeneß und André Silvas Zukunft

"Ein Jahr ohne Europa wäre vielleicht nicht so übel für uns"

"Alle müssen dazu beitragen, dass der Verein überlebt": Fredi Bobic.

"Alle müssen dazu beitragen, dass der Verein überlebt": Fredi Bobic. imago images

Fredi Bobic ist gerade glücklicher denn je, dass es Headsets gibt. Die gegenwärtige Corona-Krise bringe "schon sehr viele Telefonate" mit sich, sagt der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. Sein Freitag verläuft deshalb ungefähr so: aufstehen um 6 Uhr, gefolgt von ersten Tätigkeiten im Büro, dann zwei Stunden in der "Fitnessbude" und ab da Papierkram und Telefonate "bis abends".

Dazwischen sprach Bobic in einer Skype-Schalte bei "Sky" noch über...

... die Empfehlung des DFL-Präsidiums, die Bundesliga-Pause bis mindestens 30. April zu verlängern:

"Wir sind absolut zufrieden mit dieser Entscheidung", sagt Bobic. Es sei "eine folgerichtige Entscheidung", was "alle in der Liga" genauso sähen.

Ich war eigentlich froh, dass einer die Anzeichen gehabt hat.

Fredi Bobic über die positiven Corona-Tests in Frankfurt

... die vier positiven Corona-Tests bei Eintracht Frankfurt:

Zwei Spieler und zwei Mitarbeitende hatten sich angesteckt, woraufhin die gesamte Mannschaft und der gesamte Staff getestet wurden. "Ich war eigentlich froh, dass einer die Anzeichen gehabt hat", so Bobic. "So konnten wir 60 Leute testen." Dadurch hätten einige "eine gewisse Ruhe und Sicherheit gehabt, dass sie nichts haben". Den vier Betroffenen gehe es den Umständen entsprechend "gut".

... die 20 Millionen Euro umfassende Solidaritätsaktion von Bayern, Dortmund, Leipzig und Leverkusen:

"Ich finde es toll, wie es die Vereine gemacht haben", so Bobic. "Die Frage ist, wie dann verteilt wird. Ich denke da eher an Vereine in der 2. Liga als in der Bundesliga." Man spüre gerade überall im deutschen Fußball "eine große Solidarität".

Uli Hoeneß gebe ich absolut recht, dass sich der Fußball sehr, sehr stark verändern wird.

Fredi Bobic

... Gehaltsverzicht und Kurzarbeit bei der Eintracht:

"Beides" sei ein Thema. Man habe schon mit "dem einen oder anderen Spieler gesprochen", erklärt Bobic, auch wenn die Möglichkeiten angesichts der kollektiven Quarantäne begrenzt waren. "Wir werden das in der nächsten Woche intensivieren." Pauschal einen Prozentsatz vorzugeben sei jedoch schwierig. Bobics Grundsatz: "Alle müssen dazu beitragen, dass der Verein überlebt."

... Uli Hoeneß' Aussagen im kicker, wonach es "eine neue Fußballwelt geben" werde:

"Er hat im Grunde genommen absolut recht", sagt Bobic. "Ob es eine neue Fußballwelt ist, weiß ich nicht, auf jeden Fall wird es eine grundlegend veränderte Fußballwelt geben. Wir haben noch kein Gefühl dafür, wie dieser Sommer aussehen soll. Wird es ein normaler Transfersommer werden? Wird es ein verlängertes Transferfenster geben? Es wird sehr anspruchsvoll für alle, diesen Sommer sauber zu planen, zu überstehen. Es werden sicher auch Fehler passieren. Auf eine solche Situation hat sich keiner vorbereiten, das hat niemand erlernen können. Aber Uli Hoeneß gebe ich absolut recht, dass sich der Fußball sehr, sehr stark verändern wird."

... auslaufende Verträge bei der Eintracht (Russ, Fernandes, Hasebe, de Guzman, Finger, Cetin):

Auch wenn er wie alle hoffe, "die Saison bis 30. Juni zu Ende zu spielen": Es gebe ja die Möglichkeit, "die Verträge für eine gewisse Zeit zu verlängern", berichtet Bobic, "wir haben das auch juristisch geprüft". Es werde aber "schwere Entscheidungen geben. Das hat alles dann sehr viel mit dem Budget zu tun."

... die Zukunft von André Silva, der fest von der AC Mailand verpflichtet werden könnte:

"Auch da ist es sehr, sehr ruhig", sagt Bobic, vor allem wegen der Lage bei Milan: Manager "Zvonimir Boban ist schon entlassen worden. Und Paolo Maldini (Technischer Direktor, d.Red.) hat gerade selbst das Virus. Die AC Mailand hat gerade andere Probleme, als über dieses Tauschgeschäft zu sprechen. Die Eigentümer sitzen in London, auch die haben es gerade nicht einfach. Wir werden sicherlich irgendwann über dieses Thema sprechen."

... Vorwürfe, die Eintracht habe die Abgänge von Jovic, Rebic und Haller nicht gut aufgefangen:

"Da sieht man mal, wie große die Ansprüche geworden sind", lächelt Bobic. Man könne solche Abgänge "nicht immer 1:1 ersetzen", außerdem zehre die Eintracht von dem finanziellen "Polster" der Wechsel. "Der Verein muss insgesamt auch wachsen". Und: Man müsse den Nachfolgern schon auch Zeit geben, mahnt Bobic. "Haller hat über ein Jahr gebraucht, bis er richtig angekommen ist, Jovic auch." Bas Dost sei gerade nun mal verletzt, André Silva "kommt jetzt", und "Paciencia hat schon seine Klasse bewiesen".

... über den zwölften Platz nach 25 Bundesliga-Spieltagen:

"Ich bin jetzt seit vier Jahren hier, und immer sind wir in einem Wettbewerb mindestens im Halbfinale gewesen. Ich glaube, so schlecht ist das nicht", erinnert Bobic. "Wenn am Ende des Tages ein Mittelfeldplatz rauskommt, ist das nicht so schlimm für Eintracht Frankfurt." Klar, "wir haben natürlich immer hohe Ansprüche", und vielleicht seien in den Pokalwettbewerben dieser Saison ja noch weitere "Schmankerl" drin. Aber: "Ein Jahr ohne Europa wäre vielleicht auch nicht so übel für uns", sagt Bobic, "auch mal zum Durchschnaufen."

jpe

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