Basketball

BBL-Chef Holz: "Manche dürften froh sein, noch ein paar Euro zu verdienen"

Interview über Krisenmanagement, Insolvenzrisiken und ein klares Ziel

BBL-Chef Holz: "Manche dürften froh sein, noch ein paar Euro zu verdienen"

Stefan Holz

Stefan Holz löste 2015 Jan Pommer als Geschäftsführer der BBL ab. imago images

Herr Dr. Holz, hat sich die BBL bei ihrer Entscheidung, den Spielbetrieb bis 30. April weiter auszusetzen, an der gleich lautenden Empfehlung des DFL-Präsidiums vom Dienstag orientiert?

Ja, auch, aber vor allem haben wir für unsere Liga rückgerechnet für den Fall, dass wir möglichst am 30. Juni die Saison beendet haben wollen. Wir bräuchten die Zeit für die ausstehenden Spiele und sicherlich mehrere Wochen Vorbereitungszeit, daher müssten die Klubs wohl spätestens Mitte Mai ins Mannschaftstraining einsteigen. Teilweise müssten Spieler aus den USA oder anderen Ländern zurückgeholt werden. So ergab sich der 30. April als Entscheidungstermin, plus minus ein paar Tage.

Die Deutsche-Eishockey-Liga hat nach beendeter Hauptrunde, aber vor den Play-offs, an den immerhin auch noch zehn Teams teilgenommen hätten, bereits am 10. März ihre Saison vorzeitig ohne Meister beendet. Warum kämpft die BBL so vehement gegen einen vorzeitigen Abbruch?

Im Gegensatz zu den Kollegen der DEL stehen wir mitten in der Saison, die meisten Teams haben erst 21 von 32 Hauptrundenspielen absolviert, manche noch weniger. Danach kommen erst die Play-offs für acht Klubs, es hat uns also mitten aus der Saison gerissen. Es steht mir nicht zu, die Situation im Land zu bewerten, das ist Aufgabe der Politik, und natürlich verschließen wir nicht die Augen vor der Realität. Aber solange es keine Durchführungsverbote gibt, die in den Mai oder Juni hineinreichen, ist es sportlich, kaufmännisch und durchaus auch juristisch unsere Pflicht, Modelle zu erarbeiten, wie der Spielbetrieb wiederaufgenommen werden könnte.

Ist es denkbar, nur die Hauptrunde zu beenden und auf die Play-offs zu verzichten?

Ich möchte nicht auf einzelne Szenarien eingehen. Es gibt eine Vielzahl davon, die wir in den kommenden Wochen auch sauber durchdeklinieren werden. Ob die zum Tragen kommen, weiß aber sowieso kein Mensch.

Wir hatten am Mittwoch eine große Geschlossenheit und haben uns darauf verständigt, nun auch kommunikativ im Gleichschritt zu agieren.

Der deutsche Basketball-Meister 2020 soll aber weiter in Form einer k.-o.-Runde ermittelt werden?

Ja, das ist unsere feste Absicht. Grundlage dafür wäre idealerweise eine gerade Tabelle, in der alle Teams auf die gleiche Anzahl an Spielen kommen und jeder gegen jeden zweimal gespielt hat.

Die BBL-Klubs sind viel stärker als etwa die Fußball-Bundesligisten von Zuschauereinnahmen abhängig. Warum ist der TV-Vertrag mit der Telekom über den Reinerlös pro Verein im niedrigen sechsstelligen Bereich so wichtig für die Liga, die deshalb doch Spiele ohne Zuschauer in den Arenen in Erwägung zieht?

Unser TV-Vertrag mit MagentaSport war und ist für die easyCredit BBL und jeden einzelnen Klub ein Quantensprung, in Bezug auf Quantität und Qualität der medialen Aufbereitung und Verbreitung des "Produkts" Basketball Bundesliga. Das ist allen bewusst.

Wie sehr hat sie das teilweise öffentlich zur Schau gestellte uneinheitliche Krisenmanagement der BBL-Klubs geärgert?

Das war unerfreulich, auch wenn ich manchen Klub durchaus verstehe, der mit dem Rücken an der Wand steht. Aber das ist jetzt Schnee von gestern. Wir hatten am Mittwoch eine große Geschlossenheit und haben uns darauf verständigt, nun auch kommunikativ im Gleichschritt zu agieren.

Sie haben es angedeutet: Etliche Spieler sind in ihre Heimat zurückgekehrt, vor allem US-Amerikaner. Einige Klubs haben dabei direkt die Verträge aufgelöst, um ihre Etats zu entlasten. Ist eine geordnete Wiederaufnahme des Spielbetriebs ohne Wettbewerbsverzerrung überhaupt möglich?

Das sehen wir dann, wenn es so weit ist. Das ist unser Ziel, eventuell müssen wir beispielsweise Nachverpflichtungsmöglichkeiten schaffen. Und es ist auch nicht verboten, dass Spieler nach einem aufgelösten Vertrag wiederkommen und für ein paar Wochen ein neues Arbeitspapier erhalten. Der eine oder andere dürfte dann sicher auch froh sein, noch ein paar Euro zu verdienen und wieder krankenversichert zu sein.

Ich schließe gar nichts mehr aus, wir werden gerade jeden Tag von neuen Szenarien und Möglichkeiten überholt.

Einige Klubs verzichteten auf eigentlich vorgeschriebene Rückkehrklauseln. Gibt es für die kommende Zeit eine einheitliche Handlungsanweisung?

Das koordinieren wir gerade, ermitteln zunächst den Stand bei allen Klubs, was denn wirklich im Einzelfall vereinbart wurde und versuchen dort, so gut es geht eine gemeinsame Linie reinzukriegen - auch wenn das nicht immer möglich sein wird.

Könnte die BBL theoretisch auch über die magische Vertrags- und Saisongrenze Ende Juni hinaus die aktuelle Spielzeit fortführen?

Ich schließe gar nichts mehr aus, wir werden gerade jeden Tag von neuen Szenarien und Möglichkeiten überholt. Der 30. Juni bzw. sogar noch ein früherer Termin waren bei mir bis Dienstag gesetzt, da es ja noch das vorolympische Qualifikationsturnier hätte geben sollen. Gestern wurden nun Szenarien öffentlich, womöglich auch noch bis in den Juli hinein spielen zu können. Da geht es um arbeitsrechtliche Themen, aber auch um Sponsorenverträge. Vielleicht ist das ja tatsächlich eine Option. Wir fliegen insgesamt auf Sicht und versuchen alles, was ständig neu auf uns einprasselt, zu sortieren.

Es wird über mögliche Insolvenzen von BBL-Klubs spekuliert. Um die Existenz wie vieler Vereine machen Sie sich schon durch die bisherigen Erlösausfälle ernsthafte Sorgen?

Da haben wir noch keinen Überblick. Wir haben die BBL-Klubs gebeten, mit unserem Gutachterausschuss, der mit neutralen Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern besetzt ist, Kontakt aufzunehmen und Liquiditätsübersichten zu liefern. Dann wissen wir mehr. Sicherlich werden aber alle Beteiligten in und um die Vereine gefordert sein, solidarisch ihren Beitrag zum Erhalt ihres Klubs zu leisten.

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