Bundesliga

Werder-Boss Filbry wünscht sich Grundsatzdebatte über Solidarität

Stadionsponsor wohninvest hilft in der Krise

Werder-Boss Filbry wünscht sich Grundsatzdebatte über Solidarität

Klaus Filbry

"Auf einem guten Weg, selbst mit dem Worst Case umgehen zu können": Werder-Chef Klaus Filbry. imago images

"In der Zeit nach Corona", prophezeit Filbry, "wird sich die Lage für alle Vereine dramatisch verändert haben. Vor diesem Hintergrund müssen wir grundsätzlich diskutieren, wie wir den Solidaritätsgedanken langfristig intensivieren." Entsprechende Ansätze sollten bereits bei der DFL-Mitgliederversammlung am kommenden Dienstag unter den Klubs diskutiert werden: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Dass Filbry damit auf eine künftig geänderte Verteilung der TV-Gelder zu Gunsten kleinerer Vereine abzielt, ließe sich schlussfolgern. Im Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" hatte sich St. Paulis Präsident Oke Göttlich, Mitglied im DFL-Präsidium, in dieser Woche bereits ausdrücklich für "die Gleichverteilung von Einnahmeströmen für diese Liga" ausgesprochen.

Ob er sich dem anschließe, beantwortete Filbry diplomatisch: "Wir werden als Werder Bremen unsere Gedanken zur Solidarität im Fußball in die grundsätzliche Diskussion einbringen, aber dies nicht vorab öffentlich machen. Und wir werden vermutlich nicht die Einzigen sein. Es ist ein Thema, das alle betrifft."

Zu allererst muss Filbry freilich speziell die Bremer "Hausaufgaben" erledigen, um der DFL-Spitze eine entsprechende Bestandsaufnahme der aktuellen Lage liefern zu können. "Wir sind nach wie vor dabei, uns mit den verschiedenen Szenarien auseinanderzusetzen", sagt Filbry und versichert: "Wir sind auf einem guten Weg, selbst mit dem Worst Case umgehen zu können." Sprich: Mit einem Saisonabbruch und dem Wegfall der ausstehenden TV-Einnahmen sowie Sponsorengelder.

Gespräche mit Banken, Sponsorenverträge laufen aus

Ein wichtiges Zeichen setzte der angekündigte Gehaltsverzicht der Mannschaft, der sich gleichwohl noch nicht konkret in Prozentzahlen beziffern lasse, so Filbry. Ein Gespräch mit Kapitän Niklas Moisander steht hierzu noch aus. Klar sei jedoch: "Wir als Geschäftsführung werden auch hier vorangehen und einen spürbaren Beitrag leisten."

Die März-Gehälter für Profis und Mitarbeiter fließen noch im vollen Umfang, Ende April dürften Einsparungen beim Personal dann akut werden. In verschiedenen Bereichen des Klubs wird Kurzarbeit geprüft. Bedeutend sind solche Signale auch für die Gesprächen mit Banken, um über Kredite für kurzfristige Liquidität zu sorgen. "Diese Gespräche laufen konstruktiv und lösungsorientiert", erklärt Filbry, "wir kooperieren mit den Banken seit Jahrzehnten vertrauensvoll, so auch jetzt."

Ein weiterer sorgenvoller Blick geht unterdessen auf diverse Sponsorenverträge. "Wir arbeiten teilweise mit Partnern aus Branchen zusammen, die von der Krise besonders hart betroffen sind", verdeutlicht Filbry, "wir müssen deshalb abwarten, ob alle Sponsoren ihre Verpflichtungen uns gegenüber erfüllen können."

Zudem laufen verschiedene Sponsorenverträge zum Saisonende aus, unter anderem mit VW und Wettpartner Betway. Aktuell haben diese Firmen Gespräche über eine Verlängerung der Zusammenarbeit logischerweise auf Eis gelegt. Allerdings kann Filbry auch von einem Großsponsor berichten, der sich in der jetzigen Krise "antizyklisch" verhalte und kurz vor einer ohnehin seit längerem geplanten Ausdehnung seines finanziellen Engagements stehe. Höchstwahrscheinlich dürfte es sich um Stadionsponsor wohninvest handeln.

Thiemo Müller

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