Bundesliga

SGE-Assistent Reutershahn: Zwischen Trainingsvorbereitung und Primzahlen

Frankfurts Co-Trainer hofft auf schnelle Rückkehr zur Normalität

Hütter-Assistent Reutershahn: Zwischen Trainingsvorbereitung und Primzahlen

Armin Reutershahn

Dienstältester Co-Trainer der Bundesliga: Armin Reutershahn. imago images

Über 1000 Pflichtspiele absolvierte Reutershahn in seiner 1991 beim KFC Uerdingen begonnen Karriere als Co-Trainer. Bis auf wenige kurze Unterbrechungen ist der gebürtige Duisburger seitdem durchgehend in der Branche. Kein Wunder also, dass ihm derzeit etwas fehlt. "Für mich ist das eine völlig ungewohnte Situation. Mitten aus einer Saison herausgerissen zu werden, ist eine schwierige Situation. Ich hoffe, dass es so schnell wie möglich weitergeht. Aber ich glaube, wir müssen noch etwas Geduld haben", berichtete Reutershahn, der wie die gesamte Mannschaft und der Trainerstab derzeit in häuslicher Quarantäne festsitzt.

Während der Kontakt zu den Spielern aktuell über Chefcoach Adi Hütter sowie die Athletiktrainer gehalten wird, lässt sich Reutershahn derzeit "inspirieren": "Normalerweise bleibt während der Saison ja kaum Zeit übrig. Jetzt schaue ich mir nochmal alle Spiele von uns an und lese viel in Büchern."

Momentan gehen wir davon aus, dass wir uns am 5. April zum ersten Training treffen.

Armin Reutershahn

Nach jetzigem Stand lassen sich die neu gewonnenen Erkenntnisse ab dem 5. April wieder auf dem Trainingsplatz anwenden. Ob dieser Zeitplan für den Trainingsstart jedoch auch in einigen Tagen noch aktuell ist, wird sich zeigen, weiß auch Reutershahn: "Wir halten uns jetzt einfach an in die Fakten und das, was die DFL beschlossen hat. Momentan gehen wir davon aus, dass wir uns am 5. April zum ersten Training treffen und hoffen, dass wir Ende April, Anfang Mai wieder mit dem Spielen anfangen können. Aber vom einen auf den anderen Tag kann das anders aussehen."

Rund vier Wochen Vorbereitungszeit bliebe der Eintracht in diesem Fall. "Die Jungs arbeiten jeden Tag an ihrem Programm, wir haben rein konditionell und athletisch kaum etwas verloren, sodass wir eigentlich sofort im taktischen Bereich beginnen können", gibt Reutershahn einen Einblick in die Planungen.

Vergleichbar mit dem Training auf dem Platz seien die derzeitigen Übungen der einzelnen Akteure im Home-Office dennoch nicht. "Natürlich ist es etwas anderes, wenn du in der Mannschaft trainierst, das ist klar. Ein Training auf dem Platz, wenn du gegen den Ball in kurzen Intervallen arbeitest, sieht natürlich anders aus. Aber im Grundlagenbereich lässt sich auch so gut arbeiten. Und darauf können wir dann schnell wieder aufbauen."

Dost kommt die Pause zu Gute - Geisterspiele kein Nachteil für Heimteams

Die Zwangspause dient dem einen oder anderen zuletzt ausgefallen Akteur indes. "Bas Dost hat schon fast alle individuellen Übungen wieder mitgemacht, ihm kommt die Zeit sicherlich zu Gute, auch Gelson Fernandes ist wieder dabei. Der einzige, der noch etwas länger braucht ist Marco Russ", berichtete Reutershahn, der nach seiner ersten Amtszeit bei der Eintracht von 2004 bis 2009 seit Sommer 2016 wieder in Frankfurt aktiv ist.

Die 14-tägige Quarantänezeit infolge zweier positiver Tests auf den Coronavirus im Profikader läuft derweil in den kommenden Tagen aus, sei jedoch von Spieler zu Spieler unterschiedlich zu betrachten und vom Zeitpunkt des letztens Treffens mit der infizierten Kontaktperson abhängig.

Wann auch immer der Ball in den Stadien wieder rollen wird, auf die Unterstützung von den Zuschauern muss dann sicherlich noch verzichtet werden. Doch einen möglichen Nachteil für die Heimmannschaften leitet Reutershahn daraus nicht ab: "Es ist für alle Beteiligten eine ungewöhnliche Situation mit einer völlig anderen Atmosphäre. Aber es betrifft alle Mannschaften gleich. Ich denke nicht, dass das Auswärtsteam daraus einen Vorteil ziehen kann, denn selbst in der Fremde, wenn man sonst von dem Großteil der Fans nicht unterstützt wird, sind auch Buhrufe und ähnliches motivierend."

"Das ist dramatisch. Es geht ums nackte Überleben"

Doch der Sport ist auch für den dienstältesten Co-Trainer der Bundesliga in diesen Tagen nicht das Wichtigste. Reutershahn macht sich viele Gedanken und sorgt sich zugleich um Teile der Gesellschaft. "Ich habe viel Kontakt mit Menschen, die sich beruflich neu orientiert haben, die ein eigenes Café oder Restaurant aufgemacht haben und jetzt nicht wissen, wie es weitergeht. Sie haben keine Einnahmen mehr. Das ist dramatisch. Es geht ums nackte Überleben. Behalten wir unsere Jobs? Bleiben meine Eltern am Leben? Das sind Fragen, die derzeit zählen!"

Vielleicht ist es genau jetzt wichtig, dass wieder ein Bewusstsein geschürt wird und man sich mit den wichtigen Dingen des Lebens beschäftigt.

Armin Reutershahn

Somit kann er der jetzigen fußballfreien Zeit auch etwas Positives abgewinnen: "Vielleicht ist es genau jetzt wichtig, dass wieder ein Bewusstsein geschürt wird und man sich mit den wichtigen Dingen des Lebens beschäftigt. Viele rücken aktuell zusammen, ob das dann hinterher, wenn der normale Alltag wieder eintritt, auch noch so ist, weiß man nicht."

Privat kann sich der Fußballlehrer derzeit in erster Linie auf sein Vaterdasein konzentrieren. "Im Moment bin eher ein Lehrer für meine Kinder. Mein Sohn hat gerade die Schule gewechselt und bekommt Hausaufgaben übers Internet. Da helfe ich und beschäftige mich mit Primzahlen und der Verschmutzung der Nordsee." Langeweile dürfte im Hause Reutershahn also nicht aufkommen.

Moritz Kreilinger

"Yeah, it's schade": Die Sprüche der Rückrunde