Basketball

Basketball: Bayerns Danilo Barthel gegen BBL-Saisonabbruch

Münchner Kapitän gewährt Einblicke in den Corona-Alltag

Bayerns Barthel gegen BBL-Saisonabbruch

Danilo Barthel

Hofft, dass die Basketball-Saison irgendwann weitergeht: Danilo Barthel. imago images

Flug nach Athen, Mittwochabend Euroleague-Auswärtsspiel bei Panathinaikos, Freitagabend gleich wieder eine Euroleague-Partie, diesmal, zumindest praktisch terminiert, beim griechischen Nachbarklub Olympiakos Piräus. Rückflug nach Deutschland am Samstag, um Sonntagnachmittag in der heimischen BBL aber schon wieder in Ludwigsburg anzutreten. So sah Mitte Januar 2020 noch eine vollgestopfte, aber normale Wettkampfwoche für den amtierenden deutschen Meister Bayern München aus.

Aktuell reisen Kapitän Barthel und Co. nur noch innerhalb der Münchner Stadtgrenzen, mit dem Auto von der heimischen Wohnung zum Audi Dome und zurück. Die Spiel- und Trainingshalle der Bayern-Basketballer hat weiterhin geöffnet, ist angesichts der für alle einschneidenden Corona-Krise aber natürlich nur mit großen Einschränkungen nutzbar. Auf das Hauptfeld mit zwei Körben dürfen gleichzeitig nur zwei Profis, wie auch in den Kraftraum. Bei Bedarf stünde auch noch das zweite Basketball-Feld in den Katakomben für zwei weitere Athleten zur Verfügung. Das Teammanagement organisiert per interner Team-App nach den Wünschen der Spieler den zeitlichen Tagesablauf, damit die Kontakt- und Abstandsvorgaben eingehalten werden.

Da das bisher letzte Wettkampfspiel in Bayreuth aber schon über zwei Wochen zurückliegt, läuft das Erscheinen im Audi Dome auf freiwilliger Basis. "Wir sollen uns fit halten, für den Fall, dass es irgendwann weitergeht", sagt Barthel, dessen Körper sich nach einem kräftezehrenden Programm mit zwei Euroleague-Teilnahmen hintereinander und ohne echte Pause durch die Spiele mit der Nationalmannschaft in den Sommern 2018 und 2019 nun auch etwas erholen kann.

"Zum Glück haben es die Leute jetzt verstanden und nehmen die Regeln ernst"

Während Kollegen wie Paul Zipser mit Fitnessgeräten und Plänen des Athletiktrainers lieber im Homeoffice arbeiten, fährt Barthel dennoch jeden Tag zum Training. Er sieht diese Routine als willkommene Abwechslung. Sonst bleibt neben Spazieren oder Joggen gehen ja nichts mehr an möglichen Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände.

Angesichts der bedrohlichen Lage empfindet Barthel die Maßnahmen als richtig: "Zum Glück haben es die Leute jetzt verstanden und nehmen die Regeln ernst. Es geht darum, für das Gemeinwohl und die Gesundheit vieler Menschen zusammenzuhalten. Persönliche Einschränkungen muss man dafür in Kauf nehmen." Dass es ihm als erfolgreichem Profi-Basketballer verglichen mit anderen Menschen gut geht, ist dem 28-Jährigen bewusst. Akute Existenzängste hat er aktuell nicht, die ungewisse Zukunft bereitet ihm dennoch Sorgen. Auch mit dem Betrieb des deutschen Basketballs sind über Spieler, Trainer und Funktionäre hinaus etliche Arbeitsplätze verknüpft, etwa in Klubs, Verbänden, bei Hallenbetreibern und Sponsoren.

Barthel & Co. wollen Lebensmittel an Bedürftige verteilen

Barthel ist deshalb gegen einen vorzeitigen Saisonabbruch: "Ich wünsche mir, dass der Spielbetrieb in irgendeiner Form wiederaufgenommen wird, sobald es mit Blick auf das Gesundheitsrisiko von der Politik zugelassen werden kann." Auch wenn die BBL-Vereine anteilig längst nicht so viel Geld aus ihrem TV-Vertrag mit der Telekom generieren wie etwa die Fußball-Bundesliga und dadurch viel stärker von Ticketerlösen abhängen, sind auch Spiele ohne Zuschauer in den Arenen eine Option. Darüber werden die Klubvertreter, deren Krisenmanagement zuletzt alles andere als einheitlich war, in der Video-Konferenz am Mittwoch diskutieren.

Damals im Januar verloren die Bayern übrigens alle drei Auswärtsspiele. Barthel würde diesen recht freudlosen Reisemarathon allerdings liebend gerne sofort wiederholen - wenn er denn die Rückkehr zur Normalität bedeutete. So lange versucht der 2,07-Meter-Mann das Beste aus der aktuellen Lage zu machen: "Die Situation ist kritisch, für viele existenzbedrohend. Trotzdem versuche ich positiv zu bleiben, den Akku aufzuladen, Dinge zu tun, die Freude und Energie bringen und den Menschen in meinem Umfeld, denen es nicht so gut geht, zu helfen." An morgigen Donnerstag wird er beispielsweise zusammen mit Zipser, Teamkollege Alex King und Manager Marko Pesic für die Münchner Tafel Lebensmittel an Bedürftige verteilen.

Carsten Schröter-Lorenz