Olympia

Kommentar zur Olympia-Verschiebung: Die Geisterfahrt des Thomas Bach

Kommentar zur Olympia-Verschiebung

Die Geisterfahrt des Dr. Bach

Dr. Thomas Bach

Hat er seinen Treffer gerade noch rechtzeitig gesetzt? Dr. Thomas Bach. imago images

Im Radio wurde gemeldet, es sei ein Falschfahrer unterwegs. Eigenartig, dachte der Falschfahrer, das sind doch ganz viele... Zum Olympischen Geisterfahrer avancierte in den letzten Wochen der deutsche IOC-Präsident Dr. Thomas Bach. Mag sein Zögern, eine Absage oder Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio hinauszuzögern, anfänglich noch nachvollziehbar gewesen sein, so wurde seine Verstocktheit spätestens in den letzten zwei Wochen zum Ärgernis.

Bach hätte schneller spüren müssen, wie die Lage kippte

Während überall auf der Welt der Sport die Konsequenzen zog im derzeit so offenen Kampf gegen das Coronavirus und quasi alle Aktivitäten zum Stillstand brachte, kämpfte Bach unverdrossen darum, noch nicht einmal eine Verschiebung in den Herbst ins Auge zu fassen. Verstockt, nahezu bockig, ließ der 66-Jährige kein Argument gelten. Sind nicht Offenheit, Zugewandtheit, Diskussionsbereitschaft und demokratisches Verhalten Kennzeichen eines modernen Sports?

Bach hätte schneller spüren müssen, wie die Lage kippte. Als Erste waren es die Athleten und ihre Trainer, die sich nicht mehr ausmalen konnten, wie sie ihren ersten Leistungshöhepunkt des Jahres hätten punktgenau ausrichten sollen, wenn noch nicht einmal klar war, ob und gegebenenfalls wann es zu Olympiaqualifikationen kommen würde. Es folgten nach und nach die ersten Sportverbände, die um eine Neuterminierung baten. Auch der Deutsche Olympische Sport-Bund ließ anklingen, dass man Tokio nicht mehr für durchführbar hielt.

Es geht auch um die Frage nach dem Fortbestand von Bachs Präsidentschaft

Natürlich - auch die andere Seite muss ja immer gesehen und gehört werden - rang Japan um seine Spiele. Dies umso mehr, als ja schon einmal Olympia in Tokio den politischen Umständen des zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen war und fürs Jahr 1940 abgesagt werden musste. In Tokio ging es um den Stolz, nach 1964 wieder einmal Ausrichter zu sein, die im Land angekommene olympische Flamme in die Hauptstadt zu tragen, Milliardenverluste zu vermeiden und - in Asien so enorm wichtig - auch darum, keinen Gesichtsverlust zu erleiden. Erst als Ministerpräsident Shinzo Abe schweren Herzens einlenkte, konnte es zur Verlegung um ein Jahr kommen.

Dennoch: Wer die Stimmung in den letzten Wochen richtig einschätzte, musste zu dem Schluss kommen, dass es in der Frage der Spiele von Tokio mehr und mehr auch um die Frage nach dem Fortbestand der deutschen IOC-Präsidentschaft in Person von Dr. Thomas Bach ging. Ob der einstige Fechter aus Tauberbischofsheim seinen Treffer gerade noch rechtzeitig gesetzt hat?

Leicht dürften die Begegnungen der kommenden Monate mit den Vertretern der weltweiten Sportverbände jedenfalls nicht werden. Bachs Amtszeit endet regulär im Jahr 2021 und könnte dann noch einmal um vier Jahre verlängert werden. Bis dahin muss er die Scherben aufgekehrt haben.

Stimmen zur Olympia-Verschiebung: "Es ist eine alternativlose Entscheidung"

Stefan Bomhard

kicker.tv Hintergrund

Hanning erleichtert über Verschiebung: "Diskussion hat mich amüsiert"

alle Videos in der Übersicht