Bundesliga

Ewald Lienen im "kicker meets DAZN"-Podcast: "Nur noch lächerlich"

Kostenexplosion ist nicht nur für Klubs ein Problem

Lienen: "Das ist einfach nur noch lächerlich"

Ewald Lienen

Er vertritt klare Positionen: Ewald Lienen. imago images

Wie so viele andere in diesen Zeiten ist auch Lienen derzeit "ans Home-Office gefesselt", für ihn kein Grund, um nichts zu tun. Nach eigener Aussage kümmert er sich aktuell um konzeptionelle Dinge, allerdings treibt ihn aber auch das große Ganze um. In Zeiten von Corona, gesellschaftlichem Ausnahmezustand und Rufen nach Gehaltsverzicht von Fußballern nimmt er die Profis aber auch in Schutz. "Es steht niemandem zu, solche Dinge einzufordern", sagte der 66-Jährige mit Verweis auf Verträge. Um dann aber auch zu ergänzen: "Wir können über die gesellschaftliche Form generell sprechen. Die Ungleichheit in unserer Gesellschaft wird immer größer."

Ungerechtigkeit gibt es auch im Fußball, keine Frage - und die ist Lienen ein echter Dorn im Auge. "1996 war ich mit Jupp Heynckes in Teneriffa. Irgendwann wechselte Mijatovic von Valencia zu Real Madrid, der hatte eine Ablöse von zehn Millionen. Damals haben wir einen Nervenzusammenbruch gekriegt. Das ist jetzt 25 Jahre her. Mittlerweile lachen sich alle tot, wenn du einen für zehn Millionen kriegst", blickt er zurück und nennt die seiner Meinung nach Wurzel des Übels.

Plötzlich haben sie Geld ohne Ende und setzen Maßstäbe, die alle anderen in die Krise bringen.

Ewald Lienen über Paris St. Germain und Manchester City

"Dass wir Investoren den Weg geöffnet haben, habe dazu geführt", betonte Lienen und führte die Beispiele PSG und Manchester City an. "Die Tatsache, dass ein Staat wie Katar Paris St. Germain übernimmt" habe dazu geführt, dass heutzutage Ablösesummen von 100 Millionen als völlig normal betrachtet werden. "Über lange Jahre hast du Manchester City und Paris nicht gesehen. Plötzlich haben sie Geld ohne Ende und setzen Maßstäbe, die alle anderen in die Krise bringen. Die Maßstäbe werden nicht von den kleineren Vereinen gesetzt, sondern von den Vereinen, die große Gehälter bezahlen. Die Kleinen müssen aber mithalten."

Kostenexplosion setzt nicht nur Fußballvereine unter Druck

Kostenexplosion: Die Übertragungsrechte wurden in den vergangenen Jahren immer teurer.

Kostenexplosion: Die Übertragungsrechte wurden in den vergangenen Jahren immer teurer. imago images

Diese Entwicklung führe zu einer Kostenexplosion. "Die Ausgaben vervielfältigen sich bis zum Geht-nicht-mehr, auch bei den TV-Gesellschaften, die plötzlich noch mehr Geld ausgeben müssen, was sie teilweise gar nicht generieren können", stellt Lienen fest und fragt: "Wie viel Geld sollen die Konsumenten denn noch bezahlen, damit wir den Fußball finanzieren? Warum lassen wir so etwas zu?"

Ausdrücklich kritisiert er auch die hohen Gehälter der Topstars. "Reicht es nicht aus, wenn ich drei oder vier Millionen im Jahr verdiene. Wieso müssen es zehn sein? Ich weiß nicht, wie viele Handtaschen und goldene Uhren es braucht, um glücklich zu sein. Das ist einfach nur noch lächerlich."

Als Negativbespiel nennt er die englische Premier League, in der fast "70 Prozent" der Etats "für Spielergehälter ausgegeben werden. Das ist weder nachhaltig noch verantwortungsvoll." In Deutschland stünde man zwar besser da, allerdings herrsche auch hierzulande große Ungerechtigkeit. Geld sei ja im Grunde ausreichend für alle da, "aber wieso muss denn ein Klub einen Etat von 500 Millionen haben und ein anderer einen von 50 Millionen - und wieso muss ein einzelner Spieler zehn oder 20 Millionen im Jahr verdienen."

Auch deshalb ist Lienen dafür, eine Gehaltsdeckelung einzuführen, denn: "Der Fußball ist nicht für einige wenige Spieler da, denen anschließend das Geld aus den Ohren kommt. Und auch nicht für einige wenige Vereine, sondern für die Fans und uns alle."

Hören Sie im "kicker meets DAZN"-Podcast, was Lienen über die Verkabelung von Spielern oder Trainern denkt, wie es in Zeiten der Corona-Krise wirtschaftlich um den FC St. Pauli bestellt ist, warum Influencer in seinen Augen ein Zeichen einer kranken Gesellschaft sind und warum Geisterspiele auch für Fans etwas Gutes sein könnten.

drm

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