Int. Fußball

Aliaksandr Hleb über Corona in Weißrussland: "Niemand kümmert sich"

Die neue Saison beginnt, als wenn nichts wäre

Hleb über Corona in Weißrussland: "Niemand kümmert sich darum"

Aliaksandr Hleb

Lief zuletzt für BATE Borisov auf: Aliaksandr Hleb. imago images

Das Coronavirus und seine Folgen zwingen die Menschen fast aller Nationen derzeit zum Umdenken. Weißrussland stellt allerdings eine Ausnahme dar: "Es ist, als wenn sich niemand darum kümmert", zitiert das britische Boulevardblatt "Sun" den inzwischen 38-jährigen Hleb, der zwischen 2000 und 2005 beim VfB Stuttgart unter Vertrag stand, mit dem FC Barcelona 2009 die Champions League gewann und 79 Länderspiele für Weißrussland bestritt.

"Jeder weiß, was in Spanien und Italien passiert. Das sieht nicht gut aus. Aber in unserem Land glaubt die Präsidenten-Bürokratie, dass es nicht so schlimm ist", beklagt Hleb, der mit seiner Familie zu Hause bleibe - aber wenn er "raus gehe, sind die Straßen und Restaurants immer noch voll".

Hleb lockt Messi und Ronaldo

Mit Zuschauern begann am vergangenen Wochenende die neue Saison, als wenn nichts wäre. "Jeder sollte seinen Fernseher einschalten und uns zusehen", sagte der einstige Mittelfeldspieler eher im Scherz. Ebenso, dass "Lionel Messi und Cristiano Ronaldo vielleicht in die weißrussische Liga kommen könnten, um weiterzumachen". Denn weitermachen will man in Weißrussland.

"Wenn die epidemiologische Situation ungünstig ist, müssen wir den Wettbewerb stoppen. Aber die aktuellen Zahlen geben dazu keinen Anlass", erklärte Verbandspräsident Vladimir Bazonov. Bis zum Samstag waren offiziell nur 76 Menschen in Weißrussland am Coronavirus erkrankt. Vor drei Wochen hatten drei Spieler von Ligaklubs über typische Symptome geklagt, ihre Tests fielen jedoch negativ aus.

Nur die Hälfte der Fans bleibt zu Hause

Viele Fans waren immerhin so verantwortungsbewusst und blieben den Spielen fern, sodass die Zuschauerzahlen mit durchschnittlich rund 2000 pro Spiel nur halb so hoch waren wie die zum Auftakt der Saison 2019.

Einige Klubs hatten zwar Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und zum Beispiel auf Handshakes verzichtet, in Brest wurden Fans auf mögliches Fieber getestet. Ansonsten rollt der Fußball weiter. "Uns wurde gesagt, dass wir spielen, also spielen wir", erklärt Sergey Omelyanchuk, derzeit Co-Trainer bei Dinamo Minsk. Sergey Yasinski, Chefcoach von FK Vitebsk, meint schlicht: "Wenn wir keine infizierten Spieler haben, können wir spielen. Wenn sich einige Spieler anstecken, können wir aufhören."

Präsident Lukaschenko: "Corona ist eine Psychose"

Diese Sichtweise passt ganz zum Kurs von Staatspräsident Alexander Lukashenko, der die Einschränkungen in anderen Ländern für übertrieben hält: "Ich bezeichne dieses Coronavirus als nichts anderes als eine Psychose."

Die Entscheidung, zu spielen, bringt der Liga übrigens unerwartete Mehr-Einnahmen. Sender in Russland und der Ukraine erwarben erstmals Fernsehrechte, um die weißrussischen Spiele in ihren Ländern zu zeigen.

nba/mm/dpa