Bundesliga

Salary Cap - Was ist das?

Martin Kind verweist auf Modell aus US-Profiligen

Gehaltsobergrenze im Fußball? Die wirtschaftlichen Vorteile des Salary Cap

Salary Cap

Gehaltsobergrenzen im Fußball? Laut Martin Kind könnte das aus dem US-Sport bekannte Salary Cap auch im Fußball angewendet werden. imago images

Der 75-jährige Mehrheitsgesellschafter von Hannover 96 hatte sich am Sonntag in Bezug auf die Existenzängste zahlreicher Vereine und möglicher Lehren aus der Corona-Krise für eine Gehaltsobergrenze im Profi-Fußball ausgesprochen. Im "Doppelpass" von Sport1 forderte Kind dahingehend "keine Denkverbote. Da gehört so ein Modell dazu". Was genau beinhaltet das aus dem US-Sport bekannte Salary Cap?

Franchises - oder eben Vereine - dürfen pro Saison nur eine bestimmte Summe an Spielergehältern ausgeben, die sie für ihren gesamten Kader verwenden müssen. Die Idee dahinter ist, dass dadurch ein geringerer Teil der Vereinsgewinne in die zuletzt rapide ansteigende Personalvergütung fließt, als es ohne eine derartige Grenze der Fall wäre.

Grundgedanke des Salary Cap auf europäischen Fußball anwendbar?

In den US-Profiligen handelt es sich allerdings bei der Cap-Summe um einen Betrag, der an den Gesamtumsatz der jeweiligen Liga gekoppelt ist - bei der alle Spieler über das Franchise-System direkt unter Vertrag stehen. Dieser prozentuale Anteil am Umsatz wird in den Tarifverträgen zwischen den Klubbesitzern und der jeweiligen Spielergewerkschaft geregelt und (derzeit) vor jeder Saison neu angepasst.

Die jährlich auszuzahlende Gesamtgehaltssumme muss in diesem System natürlich nicht gleichmäßig auf alle Spieler verteilt werden, es gibt aber Mindestgehälter und auch eine individuelle Obergrenze für die Topverdiener. Obendrein beinhaltet das Cap-System eine Gehaltsuntergrenze im Gesamten, den sogenannte "Salary Floor". Dieser soll zum einen der Wettbewerbsfähigkeit aller Klubs dienen und zudem verhindern, dass sich kein Besitzer die eigenen Taschen vollspart.

Dass das US-Modell im europäischen Fußball wohl nicht Eins-zu-eins anzuwenden sein dürfte, ist nicht nur aus den geschilderten Gründen klar. Der Grundgedanke scheint allerdings umsetzbar zu sein - selbst wenn nicht alle Vereine einen Salary Cap in gleicher Höhe erhalten sollten.

US-Ligen erlauben auch Ausnahmen

Dass ein wirtschaftlich stärkerer FC Bayern München sich kaum auf denselben Salary Cap wie ein Aufsteiger wie Union Berlin einlassen würde, untergräbt das Prinzip der US-Variante zwar und dürfte im europäischen Fußball kaum anders durchsetzbar sein, hätte in dieser angepassten Variante aber immer noch eine Wirkung.

Wo es Regeln gibt, lassen sich ohnehin auch Ausnahmen finden: In der MLS erlaubt beispielsweise die "Designated Player Rule" den Teams, maximal drei Spielern auch ein Gehalt (weit) oberhalb der Grenze zu zahlen - nicht zuletzt, um große Namen aus Europa anzulocken und damit die Attraktivität der eigenen Liga zu steigern.

Salary Cap "tragfähigeres Geschäftsmodell"?

Auch in einer europäischen Version des Salary Cap wäre sicherlich mit solchen Ausnahmen zu rechnen. Ebenso bei Varianten oder Tricksereien bei (jährlich) garantierten Gehaltszahlungen und diversen Arten von Boni, die in unterschiedlichen Vertragsjahren ausgezahlt werden können.

Schlupflöcher, die das Korsett des Salary Cap aushalten würde, das nicht nur für Kind vor allem deshalb wichtig ist, weil es im Vergleich zum jetzigen ein "tragfähigeres Geschäftsmodell" darstellt.

Das Geld dürfe laut Kind nicht einfach nur umverteilt und gleich wieder ausgegeben, Gewinne nicht nur als "Durchlauferhitzer" betrachtet werden. Ohne nach oben offene Unsummen für Gehälter blieben den Vereinen mehr finanzielle Rücklagen übrig, um für Krisen wie die aktuelle gewappnet zu sein. Wozu kollektiv gedacht auch eine größere Chancengleichheit in einem offeneren Wettbewerb beitragen würde.

nba