Eishockey

"Vorfreude war riesengroß": WM-Absage sorgt für Enttäuschung und Verständnis

Verschieben sich kommende Turniere um ein Jahr?

"Vorfreude war riesengroß": WM-Absage sorgt für Enttäuschung und Verständnis

Toni Söderholm

Bundestrainer Toni Söderholm (M.) und sein Team müssen auf die WM in diesem Jahr verzichten. imago images

Eigentlich hatte sich die deutsche Nationalmannschaft für das im Mai geplante Turnier viel vorgenommen. Doch dann folgte die Absage. "Die Welt steht still! Der Höhepunkt der Saison wurde eben abgesagt", schrieb Bundestrainer Toni Söderholm bei Instagram, nachdem die Nachricht bekanntgeworden war.

Der Weltverband hatte tagelang gezögert, Formalitäten und Bestimmungen mussten geprüft werden, ehe die offizielle Bestätigung erfolgen konnte. "Natürlich bin ich enttäuscht darüber, dass all die Pläne und die harte Arbeit jedes Einzelnen nicht umgesetzt werden", sagte Söderholm, doch "derzeit ist es wichtig, den Fokus auf andere Dinge zu legen und gemeinsam mit Vernunft diese Krise zu meistern."

"Die Vorfreude war riesengroß", sagte DEB-Präsident Franz Reindl, der die Absagen gleichwohl "nachvollziehbar konsequent" nannte. Immerhin: Die WM könnte im kommenden Jahr nachgeholt werden. Aber eigentlich stehen die Gastgeber bis zum Jahr 2025 bereits fest. Reindl hält dies jedoch für kein unüberwindbares Hindernis. "Ich denke", sagte der 65-Jährige, "dass auch hier die Eishockeywelt zusammensteht und den Schweizern die Möglichkeit geben könnte, die Organisation ins nächste Jahr zu schieben."

Positive Signale für eine vielversprechende Mannschaft

Der deutsche Verband müsste dann wohl erneut einen Teil seiner Vorbereitung wiederholen. Erst im März waren Söderholm und Sportdirektor Stefan Schaidnagel nach Nordamerika gereist, hatten mit Topstar Leon Draisaitl und Co. gesprochen und durchweg positive Signale erhalten. Es bestand nach dem Viertelfinale 2019 erneut die Aussicht auf ein sehr konkurrenzfähiges deutsches WM-Team. Schaidnagel sprach von einem "starken Kader". "Es ist natürlich bitter", sagte NHL-Legionär Dominik Kahun (Buffalo Sabres), aber man habe die Absage kommen sehen.

Mehr als 300.000 Eintrittskarten waren verkauft

Die jährliche Weltmeisterschaft fällt erstmals seit 1946 aus. Das Turnier in der Schweiz war mit einem Budget von über 30 Millionen Euro veranschlagt, mehr als 300.000 Eintrittskarten waren bereits verkauft worden. "Es ist eine harte Realität, der sich die Eishockey-Familie stellen muss, aber wir müssen diese akzeptieren", machte IIHF-Boss Rene Fasel deutlich.

Die Eishockey-Saison in Europa ist damit praktisch vorbei, nur die russisch-dominierte KHL hofft noch auf eine Fortsetzung. In der pausierenden NHL werden alle möglichen Szenarien diskutiert, um die Saison zu retten, selbst eine Stanley-Cup-Vergabe im September ist vorstellbar. "Natürlich ist es das Ziel der NHL, dass sie wieder spielen wollen. Aber sie wissen auch, dass es noch dauern wird oder dass es gar nicht mehr dazu kommt", sagte Kahun bei "Sky Sport News HD".

sid/pau