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Sogar Juristen schalten sich ein: Warum reisen Spieler von Juventus ab?

Auch Dybala positiv getestet

Sogar Juristen schalten sich ein: Warum reisen Spieler von Juventus ab?

Gonzalo Higuain (links) und Douglas Costa sind Spieler von Juventus.

Haben trotz verhängter Quarantäne die Stadt Turin gen Heimat verlassen: Gonzalo Higuain (links) und Douglas Costa. imago images

Am 11. März bestätigte Juventus offiziell, dass Abwehrspieler Daniele Rugani positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Weil der Innenverteidiger, dem es laut eigener Aussage gut gehe, mit dem Team stets in Kontakt gewesen war, war die Folge eine 14-tägige Quarantäne für die gesamte Belegschaft von 121 Menschen (darunter auch Juve-Präsident Andrea Agnelli). Diese gilt aktuell noch immer und bis 25. März (Mittwoch).

Nur daran gehalten haben sich die Bianconeri bislang eher wenig - obwohl mit Frankreichs Weltmeister Blaise Matuidi in der Zwischenzeit ein neuer positiver Fall auftauchte. Denn noch vor dem Ende der 14-tägigen Zwangspause sind inzwischen schon vier (!) Spieler vorzeitig in Richtung Heimat aufgebrochen. Deutschlands Weltmeister Sami Khedira ist zusammen mit Miralem Pjanic (Bosnien) und Gonzalo Higuain (Flug nach Argentinien) unter den ersten Fällen gewesen, nun hat sich auch der Brasilianer Douglas Costa in Richtung Südamerika verabschiedet. Khedira ist laut Gazzetta dello Sport allerdings mit einer Genehmigung des Klubs zu seiner Familie nach Deutschland gereist. Zuvor hatte sich Khedira einem Coronatest unterzogen, der negativ ausgefallen war.

Quarantäne auf "freiwilliger Basis"?

Dennoch gibt es Kritik unter Journalisten, (italienischen) Virologen und inzwischen auch Juristen. Juventus beteuert offiziell, die Quarantäne sei nur auf "freiwilliger Basis" angeordnet.

"Diese Situation lässt mich ratlos zurück, ich bin Perplex", teilte zum Beispiel Anwalt Rinaldo Romanelli gegenüber dem "Corriere dello Sport" mit. "Die Quarantäne-Zeit beträgt 14 Tage, so wie es das Gesundheitsamt bereits am 21. Februar in einem Beschluss festgelegt hat. Dort werden außerdem keinerlei Ausnahmen erwähnt - außer für militärisches Personal oder Personen aus dem Gesundheitswesen. Für Spieler also sicher nicht."

Was ich in diesem Zusammenhang gerne wissen möchte: Wer hat Higuain die Erlaubnis erteilt?

Anwalt Rinaldo Romanelli gegenüber dem "Corriere dello Sport"

Jurist Romanelli weiter: "Quarantäne wird angeordnet bei engem Kontakt mit bestätigten Covid-19-Fällen - und unter engem Kontakt ist auch Händeschütteln gemeint. Demzufolge müssten Ruganis Teamkollegen für mindestens 14 Tage unter Quarantäne. Was ich in diesem Zusammenhang gerne wissen möchte: Wer hat Higuain die Erlaubnis erteilt? Es gibt wie gesagt keine Gesetze oder Beschlüsse, die jemandem erlauben, vorzeitig die Quarantäne zu verlassen - geschweige denn das Land zu verlassen. Die Tatsache, dass das in diesen Fällen nur sieben, acht Tage nach einem positiven Befund eines Teamkameraden passiert ist, macht das noch merkwürdiger."

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Von der Familie Higuain gibt es indirekt dazu auch schon ein Zitat. Gonzalo Higuains Bruder Nicolas hat sich via Twitter gemeldet und bittet hierbei um "Privatsphäre und Verständnis für die Situation. Unsere Mutter ist seit vier Jahren sehr krank, sie hat Krebs - und führt ihren Kampf aktuell fort."

Auch Dybala ist positiv getestet

Was die ganzen Abreisen noch merkwürdiger machen: Am Samstagabend hat Juve-Star Paulo Dybala offiziell auf Twitter verkündet, dass er und seine Freundin Oriana Sabatini ebenfalls positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden sind. Der Argentinier ist damit nach Rugani und Matuidi der dritte Fall von Turins Fußballklub. "Zum Glück fühlen wir uns beide gesund, wir haben keine Symptome", so der 26-jährige Dybala in seiner Botschaft.

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