Eishockey

"Harte Realität": Eishockey-WM fällt wegen Corona-Pandemie aus

Weltverband verkündet Absage des in der Schweiz geplanten Turniers

"Harte Realität": Eishockey-WM fällt wegen Corona-Pandemie aus

Hallenstadion Zürich

Die Eisflächen unter anderem im Hallenstadion Zürich bleiben leer: Die Eishockey-WM findet nicht statt. imago images

Mit der Entscheidung des IHHF fällt erstmals seit 1946 die jährliche Weltmeisterschaft aus. Das Turnier hätte in Zürich und Lausanne ausgetragen werden sollen. Die Schweizer Topligen NLA und NLB hatten ihre Saison bereits wie die Deutsche Eishockey Liga (DEL) vorzeitig beendet.

IIHF-Präsident Rene Fasel hatte eine Absage bereits im Vorfeld angedeutet, am Dienstag hatte das Council des internationalen Eishockey-Verbandes IIHF über die WM 2020 in der Schweiz beraten. Schon vorher war klar, dass scheidende IIHF-Boss, seine drei Vize-Präsidenten sowie die neun weiteren Council-Mitglieder aufgrund der Coronavirus-Krise wenig Spielraum hatten. "Man sich heute kaum vorstellen, dass die WM stattfinden kann", hatte Fasel bereits am Sonntag in einer Diskussionsrunde auf SRF gesagt.

"Das ist die harte Realität, der sich die Eishockey-Familie stellen muss, aber eine, die wir akzeptieren müssen", wird Fasel nun in der Mitteilung zitiert. "Das Coronavirus ist ein globales Problem und bedarf großer Maßnahmen durch die Regierungen, um seine Ausbreitung zu bekämpfen. Die IIHF muss alles tun, um diesen Kampf zu unterstützen." Der Sport müsse zur Seite treten.

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es damit wieder eine Zwangspause. Die Weltmeisterschaft im Eishockey findet normalerweise abgesehen von den Olympia-Jahren in den 1980ern seit 1947 jährlich statt. Unklar ist noch, ob die Schweiz das Turnier in einem anderen Jahr nachholen kann. Die WM 2021 soll in Weißrussland und Lettland stattfinden, die weiteren Gastgeber bis 2025 stünden ebenfalls fest, erklärte die IIHF. Eine Entscheidung müsse der IIHF-Kongress treffen.

Eine Überraschung ist der WM-Verzicht auch angesichts der umfangreichen weltweiten Folgen des Coronavirus für den Sport nicht mehr. Er war zuletzt auch vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) bereits erwartet worden. Die Sportwelt steht seit Tagen nahezu still. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hatte ihre Saison vor dem Start der Play-offs abgebrochen und spielt in diesem Jahr keinen Meister aus. Die nordamerikanische Profiliga NHL hat ihren Spielbetrieb vorerst eingestellt. Es war zuletzt auch fraglich, ob die weltbeste Liga ihre verfügbaren Spieler im Mai überhaupt nach Europa hätte reisen lassen.

In der Schweiz war am Dienstag der erklärte Notstand in Kraft getreten. Sämtliche Geschäfte und Lokale mit Ausnahme von Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen müssen geschlossen bleiben. Auch alle öffentlichen und privaten Veranstaltungen sind verboten.

"Ich erwarte keine lange Diskussion, weil die Fakten und die Dimensionen dieses Virus in der Welt sich noch dramatisch ins Negative wenden werden. Das ist mein Gefühl", hatte der deutsche Verbandspräsident Franz Reindl (65), der auch im Exekutivkomitee der IIHF sitzt, zuvor bereits gesagt und eine "dramatische" Entscheidung angekündigt. Eine WM unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte Fasel bereits ausgeschlossen.

Dennoch hatte das IIHF-Exekutivkomitee eine Entscheidung am Dienstag zunächst noch vertagt. Hintergrund waren wohl Versicherungsfragen, da der Notstand in der Schweiz zunächst nur bis Mitte April verhängt worden war.

Für die meisten deutschen Eishockey-Profis ist die Saison damit beendet. Auch die drittklassigen Oberligen, die Frauen-Bundesliga und die Nachwuchsligen waren ebenso wie die höchste Schweizer Liga vorzeitig beendet worden.

Für das deutsche Nationalteam von Bundestrainer Toni Söderholm sollte die WM am 8. Mai mit einem Vorrundenspiel gegen die Top-Nation Kanada beginnen. Ziel der deutschen Mannschaft wäre es gewesen, auch bei der zweiten WM unter dem finnischen Coach das Viertelfinale zu erreichen.

Im Ticker: Coronavirus und der Sport

dpa/sid