Int. Fußball

Finanzieller Ruin? Unterhalb der Premier League geht die Angst um

EFL schnürt Hilfspaket über 50 Millionen Pfund

Finanzieller Ruin? Unterhalb der Premier League geht die Angst um

Millwall

Auch in Englands unterklassigen Ligen ruht der Spielbetrieb - wie hier bei Zweitligist Millwall FC. Getty Images

Klar, auch an den Premier-League-Klubs wird der wirtschaftliche Schaden infolge der Corona-Pandemie nicht spurlos vorübergehen. Doch die Ligen darunter werden derzeit von noch viel größeren Existenzängsten geplagt. Die Football League (EFL), der Championship, League One und League Two unterstehen, schnürte in einem über vierstündigen Meeting am Mittwoch ein Rettungspaket über 50 Millionen Pfund (54,5 Millionen Euro), um die Liquidität der Klubs zu sichern.

Gemeinsam mit der Premier League hat die EFL den Spielbetrieb bis zum 30. April ausgesetzt. Dass der Ball ab diesem Zeitpunkt wieder rollen kann, erscheint allerdings mehr als unwahrscheinlich. Immer mehr Vorstände befürchten den wirtschaftlichen Kollaps für den Fall, dass die Meisterschaft nicht fortgesetzt werden kann. Kein Wunder, dass es sich die EFL bei ihrem Treffen am Mittwoch zum "primären Ziel" setzte, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann - notfalls auch über den 30. Juni hinaus.

Dass der Hilfsfond ausreicht, bezweifeln viele Experten

Das Hilfspaket der EFL besteht aus vorgezogenen Bonuszahlungen, Einnahmen aus den Medienrechten und Darlehen, welche die Klubs nicht zurückzahlen müssen. Mit seiner Hilfe sollen die Klubs in der kritischen Lage zahlungsfähig bleiben. Ob der Fonds allerdings ausreicht, bezweifeln viele Experten. Das Geld werde höchstens vier Wochen reichen, befürchten sie.

Die Summe, die uns zusteht, ist relativ gering. Wir sind weit davon entfernt, eine komplette Antwort auf die finanziellen Probleme, die uns bevorstehen, zu geben.

Ian Mather, Geschäftsführer von Cambridge United

"Das sind beispiellose Zeiten für uns alle - in jeder Hinsicht", meinte Ian Mather, der Geschäftsführer von Viertligist Cambridge United, "am schlimmsten ist für alle, dass niemand weiß, wann das Ganze vorüber ist." Er mache sich große Sorgen, dass das Hilfspaket nicht ausreicht: "Die Summe, die uns zusteht, ist relativ gering. Wir sind weit davon entfernt, eine komplette Antwort auf die finanziellen Probleme, die uns bevorstehen, zu geben."

Man arbeite an Modellen zur Kostenreduzierung, "dazu gehören aber auch sehr schmerzhafte Einschnitte, wenn es unsere Belegschaft betrifft". Ohne Zuschauereinnahmen scheinen Gehaltsreduzierungen unvermeidlich zu sein. Zumindest im Falle einer Pause bis zum Sommer.

Hoffnungsschimmer und Ruf nach staatlicher Hilfe

Für einen Hoffnungsschimmer am Horizont sorgte Rechteinhaber Sky Sports. Der Pay-TV-Sender hat signalisiert, Teile der 111 Millionen Pfund (130 Millionen Euro) für die Übertragungsrechte der kommenden Saison eventuell schon vorab zu zahlen. Doch sicher ist diese Finanzspritze noch nicht. Und sie wäre ohnehin nur ein Vorgriff auf die Zahlungen der neuen Saison.

So wird in den unterklassigen Ligen inzwischen auch der Ruf nach staatlicher Unterstützung lauter. Eine Summe zwischen 15 und 20 Millionen Pfund wäre nötig, um das Überleben zu sichern, glaubt zum Beispiel CEO Steven Thompson von Fünftligist Dagenham: "Es bedarf einer konzertierten Aktion." Denn ohne Hilfe wird auch die FA solche Summen für die unterklassigen Klubs nicht allein stemmen können.

ski/sid