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SV Todesfelde: Ein Dorfklub im Rausch

Oberliga Schleswig-Holstein

SV Todesfelde: Ein Dorfklub im Rausch

Im Winter durfte sich der SV Todesfelde über den Sieg beim Hallenmasters in Kiel freuen.

Im Winter durfte sich der SV Todesfelde über den Sieg beim Hallenmasters in Kiel freuen. Sönke Ehlers

Um das Phänomen SV Todesfelde zu verstehen, so legt es der Sportliche Leiter Markus Weber nahe, solle man mit dem Vorsitzenden des Fördervereins sprechen. Und tatsächlich, Thomas Steenbock verkörpert die Leidenschaft für den SVT wie kaum ein anderer. Seit Anfang des Jahrtausends ist er ehrenamtlich im Verein tätig und hat damit den Aufstieg des aktuellen Oberliga-Zweiten über die gesamte Zeit begleiten dürfen. Die Grundlage des Erfolgs ist für ihn die Begeisterung der Menschen.

"Davon leben wir", sagt Steenbock. "Diese Begeisterung ist unheimlich ansteckend und setzt riesige Kräfte frei." Das ist nicht erst seit Beginn der laufenden Spielzeit der Fall, denn bereits die Entwicklung der vergangenen Jahre war bemerkenswert. Doch dies aktuelle Saison ist für alle Beteiligten unglaublich. Kapitän Luca Sixtus spricht nicht umsonst von einem "Märchen", wenn er auf die bisherigen Erfolge zurückblickt, denn der 1928 gegründete SV spielt die erfolgreichste Saison seiner langen Geschichte. Und das in allen Wettbewerben.

In der Liga steht das Team auf Platz zwei und befindet sich doch in der Pole Position. Schließlich ist man aktuell punktgleich mit Tabellenführer Phönix Lübeck und hält noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Im Landespokal zog man derweil nach einem überraschenden Halbfinal-Erfolg über Regionalligist Weiche Flensburg ins Finale ein und dürfte bei einem weiteren Sieg erstmals am DFB-Pokal teilnehmen. Im Finale wartet dann mit Regionalliga-Tabellenführer VfB Lübeck allerdings ein echtes Schwergewicht. Doch das bisherige Highlight der Saison war das Hallenmasters in Kiel. Knapp 1.000 Fans begleiteten die Mannschaft aus dem 1.000-Seelen-Dorf in die Landeshauptstadt und bejubelten den sensationellen Titelgewinn. An dem Hallenturnier, das mit über 10.000 Zuschauern eines der renommiertesten im deutschsprachigen Raum darstellt, hatten immerhin auch höherklassige Teams wie Zweitligist Holstein Kiel oder die Regionalligisten aus Lübeck und Flensburg teilgenommen. Spätestens hier hinterließen die Blau-Gelben einen bleibenden Eindruck in der gesamten Region.

Todesfelde in den Kinos?

Neben den sportlichen Erfolgen gibt es dabei noch eine weitere Angelegenheit, die Sixtus und den Verein "unheimlich stolz" macht. Als erstes Team im deutschen Amateurfußball soll dem SVT eine eigene Dokumentation gewidmet werden.

Filmproduzent Paul Gredig, der aus der Gegend stammt, hat mit seinem Projekt "Blau.Gelb.Tor" Großes vor. Insgesamt 40.000 Euro will er per Crowdfunding sammeln, um es zu realisieren. Über den gesamten Saisonverlauf begleitet sein Team den SV und möchte einen Film drehen, der das Leben eines echten Amateurvereins und seiner Fans darstellt. Dieser soll am Ende sogar in den Kinos laufen.

Doch nun legt das Corona-Virus den Spielbetrieb bis auf Weiteres lahm. "Sportlich ist das extrem bitter für uns", räumt Sixtus ein. "Aber wir sind weit davon entfernt, uns zu beklagen, denn das ist aktuell maximal zweitrangig." Ob das Team im Falle des Titelgewinns in der Liga in die Regionalliga aufsteigen kann, ist ohnehin noch nicht geklärt, die Gespräche laufen aktuell noch. Aber "wenn nicht diese Saison", so Steenbock, "dann schaffen wir das eben in den kommenden Jahren". Man ist geneigt, ihm Glauben zu schenken, denn dem Dorfklub ist spätestens seit dieser Saison alles zuzutrauen.

David Scheidler