Nationalelf

Löw auf unorthodoxer DFB-PK über EM: "Wir wären jetzt bereit gewesen"

Wird die EM-Verschiebung sogar zum Vorteil?

Löw auf unorthodoxer PK: "Wir wären jetzt bereit gewesen"

Einzigartige Szenerie: Joachim Löw, Jens Grittner, Fritz Keller und Oliver Bierhoff (v.l.) bei der DFB-Pressekonferenz am Mittwoch.

Einzigartige Szenerie: Joachim Löw, Jens Grittner, Fritz Keller und Oliver Bierhoff (v.l.) bei der DFB-Pressekonferenz am Mittwoch. Thomas Böcker/DFB

Eine solche Pressekonferenz hat es beim DFB auch noch nicht gegeben. In Frankfurt saß Präsident Fritz Keller in vorbildlichem Abstand zu Pressesprecher Jens Grittner auf einer Pressetribüne, rechts von den beiden war Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff via Bildschirm aus München zugeschaltet, links Bundestrainer Joachim Löw aus Freiburg. Und ausgewählte Journalisten durften nach Aufruf jeweils per Videoeinblendung eine Frage stellen.

Die Situation an diesem Mittwochnachmittag war derart skurril, dass Bierhoff die Runde versehentlich mit "Guten Abend" begrüßte. Statt über die Testspiele gegen die "Topnationen" (Löw) Italien und Spanien zu sprechen, ging es um die Corona-Krise und ihre Folgen, um die 2,5-Millionen-Euro-Spende der Nationalmannschaft und DFB-Hilfen für die Basis, um Einsparungen beim Verband und sogar um wahrhaftige Kapitalismuskritik.

Bierhoff: "Wir müssen halt ein Jahr später planen"

Der Fußball rückt in den Hintergrund und dessen sportliche Komponente erst recht. Bis mindestens Anfang Juni muss die deutsche Nationalelf pausieren, die EM wurde auf 2021 verschoben, was Keller, Bierhoff und Löw einhellig begrüßten. "Für uns als Organisation der Nationalmannschaft ist das jetzt kein großes Problem", sagte Bierhoff sogar. "Wir müssen halt ein Jahr später planen, wir können gut damit umgehen."

Ist der neue Termin für Löws jungen Kader vielleicht sogar ein Vorteil? "Natürlich haben wir im letzten Jahr einen Umbruch eingeleitet, der sich nicht ganz so einfach gestaltet hat, weil wir mit vielen Veränderungen und Verletzungen zu kämpfen hatten", meinte der Bundestrainer. "Trotz allem haben wir es geschafft, eine gut funktionierende Mannschaft zu entwickeln. Und wir haben in der Qualifikation die Gruppe gewonnen."

Löw sah zuletzt "einen besonderen Spirit, ein unsichtbares Band" im Team

Auch wenn einige verletzte (Niklas Süle und Leroy Sané) und einige junge Spieler, "die vielleicht noch ein, zwei, drei Jahre brauchen", nun "mehr Zeit" bekämen; und auch wenn bislang "das Einspielen nicht immer so reibungslos geklappt" habe, "wie man sich das im Jahr vor einem Turnier wünscht": "Wir wären auch jetzt bereit gewesen", betonte Löw. "Jetzt hätten wir uns gefreut." Er habe zuletzt "einen unglaublichen Willen" und "größtmögliche Motivation" in der Mannschaft gespürt und dass "ein besonderer Spirit herrscht, ein unsichtbares Band".

Jetzt muss Löw stattdessen dringliche Videokonferenzen mit dem Trainerstab und Bierhoff abhalten und seine sozialen Kontakte auf ein Minimum einschränken, das Haus verlässt er nur noch zum Laufen oder Fahrradfahren. Doch auch er weiß: "Wir müssen uns dieser Situation jetzt stellen, dass alle gesund aus dieser Krise herauskommen."

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jpe