Bundesliga

FC Bayern München: Die lange Rückkehr von Jerome Boateng

Wie sich Bayerns Innenverteidiger 2020 gesteigert hat

Die lange Rückkehr von Jerome Boateng

Jerome Boateng hat sich zurückgespielt beim FC Bayern.

Jerome Boateng hat sich zurückgespielt beim FC Bayern. imago images

Auf Instagram zeigt er sich beim Fitnesstraining mit Hanteln, auf dem Laufband oder auf dem Ergometer - zuhause in München. Dass die bayerische Landeshauptstadt im Frühjahr 2020 noch immer seine Heimat sein würde, war vor dieser Saison keineswegs klar. Zehn Monate ist es nun her, da hatte Uli Hoeneß, damals noch Präsident des FC Bayern, Jerome Boateng einen Vereinswechsel nahegelegt. Es war der 26. Mai 2019, der Sonntag nach dem DFB-Pokalsieg, als der Rekordmeister nach dem 3:0 gegen RB Leipzig am Marienplatz das Double feierte und Hoeneß im Rathaus dem Weltmeister von 2014 eine Neuorientierung empfahl.

Wenn ich einen Verein und einen Trainer habe, die mir Vertrauen geben, weiß ich, wie ich spiele.

Jerome Boateng vergangenen Mai im kicker
Spielersteckbrief J. Boateng

Boateng Jerome

Bayern München - Vereinsdaten

Gründungsdatum

27.02.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Boateng kündigte wenige Tage später im kicker an, kämpfen zu wollen. Er möchte noch einmal seine "Klasse nachweisen nach den Enttäuschungen" der vorigen Saison, er wolle "zeigen, dass ich zu den drei Top-Innenverteidigern der Welt gehöre. Ich weiß, was ich kann. Und wenn ich einen Verein und einen Trainer habe, die mir Vertrauen geben, weiß ich, wie ich spiele." Ob in München oder anderswo, wie in Paris beispielsweise. PSG hatte sich über den Sommer um den Abwehrspieler bemüht, der Wechsel platzte aber kurz vor Transferschluss. Boateng musste bleiben.

Kilos ab- und Spritzigkeit aufgebaut

Unter Ex-Coach Niko Kovac haderte der 31-Jährige weiterhin mit der Bankrolle. Dann aber riss sich Niklas Süle das Kreuzband, Javi Martinez zog sich einen Muskelbündelriss zu, Lucas Hernandez musste am Sprunggelenk operiert werden - und der FCB stand urplötzlich ohne Innenverteidiger da. Von einem Tag auf den anderen wurde Boateng gebraucht. Seit Trainer Hansi Flick die Münchner Profi-Mannschaft übernommen hat, ist er gesetzt. Über den Winter hat der 31-Jährige überflüssige Kilos ab- und Spritzigkeit aufgebaut. Boateng hat an sich gearbeitet. Inzwischen ist der Innenverteidiger wieder wichtig. "Bei uns Spielern", so verriet Manuel Neuer, "war er nie abgeschrieben." Nun, nach einer langen Geduldsphase, ist er zurück.

Bei uns Spielern war er nie abgeschrieben.

Manuel Neuer über Boateng

Boateng ist als rechtes Glied im Abwehrzentrum, neben David Alaba, gesetzt. Trainer Flick gibt ihm das Vertrauen, das sich der Triple-Sieger von 2013 vergangenen Mai gewünscht hatte. Und Boateng, so scheint es, zahlt zurück. Im Jahr 2020 verbesserte sich sein kicker-Notenschnitt im Vergleich zu 2019 von 3,78 auf 3,00. Er gewinnt deutlich mehr Zweikämpfe: 50,9 Prozent waren es in der Hinserie, 64,0 sind es seit Januar. Er verursacht nur noch alle 103 Minuten ein Foul, alle 73 Minuten waren es davor. In der Rückrunde spielten die Bayern fünfmal zu Null - immer mit Boateng. Als die Münchner gegen Paderborn zwei Gegentreffer kassierten (3:2), fehlte er gelbgesperrt.

Er und Alaba, das Duo im Abwehrzentrum, ergänzen sich in Lauf- und Kopfballduellen. Der Österreicher ist schneller, Boateng robuster und größer. Zudem beherrschen beide den Spielaufbau und den langen Chip-Ball in die Spitze über die gegnerische Abwehrkette hinweg, wie die Assists der beiden - Boateng auf Müller beim 2:0 gegen Augsburg; Alaba auf Müller beim 4:3 gegen Hoffenheim im Pokal - in den jüngsten Partien zeigten.

Von der Nummer 5 zur Nummer 2

Mit den beiden hat sich - und Trainer Flick - ein Duo gefunden, mit dem vor der Saison kaum jemand gerechnet haben dürfte, war Alaba, dessen Beförderung zum Abwehr-Boss ebenso überraschend kam, doch links hinten vorgesehen und Boateng im Kader mit Süle, Hernandez, Martinez und Pavard in der Innenverteidiger-Hierarchie nur die Nummer 5. Betonung liegt auf "war". Jetzt müssen die vier anderen, sofern sie vollkommen genesen sind, erst einmal an Boateng vorbeikommen.

Georg Holzner

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