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Saglik und Meha bei Oberligist Hessen Kassel

Hessenliga

Hessen Kassel: Zwei Ex-Paderborner beim "schlafenden Riesen"

Mahir Saglik (rechts) und Alban Meha

Jubelten früher für Paderborn: Mahir Saglik (am Ball) und Alban Meha, die beide für Hessen Kassel spielen.

Entscheidend für die Verpflichtungen war - wie so häufig - "Vitamin B". Wo im Profigeschäft oft der eine oder andere Euro mehr den Ausschlag gibt, kommen Transfers in der Oberliga nicht selten über persönliche Beziehungen zustande. So war es auch ein langjähriger Weggefährte, der den Wechsel von Mahir Saglik nach Kassel realisierbar machte.

Saglik, der den SC Paderborn einst mit 15 Treffern in die Bundesliga schoss, ist der Trauzeuge seines heutigen Trainers Tobias Damm. Kennengelernt hatten sich die beiden, als sie gemeinsam für den Wuppertaler SV in der Regionalliga spielten. In der Saison 2007/08 stürmten sie Seite an Seite und verhalfen ihrer Mannschaft zum Drittliga-Aufstieg. Während Damm dem Klub aus dem Bergischen Land in der Folge treu blieb, zog es den damaligen Torschützenkönig Saglik (28 Treffer) in die Bundesliga zum VfL Wolfsburg. Doch die Freundschaft blieb bestehen.

Saglik und Meha wieder vereint

Seit vergangenem Winter sind sie nun wieder vereint. Damm, der damals noch Co-Trainer der Löwen war, lotste Saglik aus der dritten türkischen Liga zurück nach Deutschland. Und der war sofort angetan von den Möglichkeiten des ehemaligen Zweitligisten. "Hessen Kassel ist kein gewöhnlicher Oberligist", betont er. "Ich will helfen, den Verein dorthin zu bringen, wo er hingehört." Und das ist nach Sagliks Einschätzung der Profifußball. Ein "schlafender Riese" sei der Traditionsverein.

Im vergangenen Jahr war das Team des heute 37-Jährigen am Ziel Aufstieg noch knapp gescheitert. Er selbst fand sich zwar auf Anhieb gut zurecht und markierte nach seiner Verpflichtung in zehn Partien zehn Treffer. Doch der Sprung in die Regionalliga blieb dem KSV knapp verwehrt, ein Punkt fehlte am Ende auf Relegationsplatz zwei - nicht zuletzt, weil dem Verein fünf Zähler abgezogen worden waren.

Im Sommer nutzte Saglik dann selbst seine Beziehungen. Mit Alban Meha kontaktierte der Stürmer einen Freund aus Paderborner Zeiten, der mit ihm gemeinsam den Aufstieg und die folgende Bundesliga-Saison erlebt hatte. Auch der Mittelfeldspieler zeigte sich angetan vom Kasseler Projekt und unterschrieb sofort einen Dreijahresvertrag.

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Doch der Saisonstart lief nicht wie erwartet. Das Team blieb hinter den Erwartungen zurück und fand sich zwischenzeitlich auf Platz acht wieder. Im Oktober zogen die Verantwortlichen dann die Reißleine und beurlaubten Trainer Dietmar Hirsch, der erst zu Saisonbeginn gekommen war. Die richtige Entscheidung, wie sich nur wenig später herausstellen sollte. Unter Nachfolger Damm startete der KSV auf Anhieb eine starke Serie und gewann zehn der bislang elf Partien in der Hessenliga.

Glücklich sind sie unter dem Strich beide beim KSV. Während Saglik die Nähe zu seiner Heimat Paderborn besonders wichtig ist, betont Meha, wie wohl sich seine Familie in Kassel fühle. Die Löwen sollen daher für beide die jeweils letzte Station sein. Während Sagliks Vertrag noch für die kommende Saison gilt, hat sich Meha für zwei weitere Spielzeiten verpflichtet.

Für ihre Mannschaft, da sind sich die beiden Ex-Paderborner einig, kommt die Corona-bedingte Unterbrechung zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. "Natürlich gibt es aktuell viel Wichtigeres", betont Saglik, "aber auch auf sportlicher Ebene ist das eine kleine Tragödie." Schließlich waren die Löwen furios aus der Winterpause gekommen und hatten ihre ersten beiden Partien mit einem addierten Torverhältnis von 12:0 für sich entschieden. Nun heißt es für die beiden, wie für so viele andere Sportler aktuell, abzuwarten und sich über individuelles Training fit zu halten. Auch ihren alten Verein, den SC Paderborn, können beide nicht wie sonst im Stadion besuchen. Schließlich ruht der Ball auch in der Bundesliga. Die Verbundenheit zum SCP nämlich haben beide in den vergangenen Jahren ebenso wenig verloren wie den Kontakt zueinander.

David Scheidler