EM

Kommentar zur EM-Verschiebung: Spiel auf Zeit ist der richtige Zug

Vorrang für die nationalen Ligen

Kommentar: Dieses Spiel auf Zeit ist der richtige Zug

Die Sitze bleiben leer: 2020 gibt es kein kontinentales Turnier.

Die Sitze bleiben leer: 2020 gibt es kein kontinentales Turnier. picture alliance

Das sind zwei der besten Nachrichten aus dem Sport in diesen Tagen, auf die prompt eine dritte folgte: FIFA-Präsident Gianni Infantino kündigte für Mittwoch eine Konferenz auf Weltverbandsebene an. Damit deutet sich eine Verschiebung auch der umstrittenen, neuartigen Klub-WM an, bei der die Reichen schon im nächsten Jahr noch mehr verdienen sollten. Der Weltfußball wird in der Corona-Krise zu seinem Glück gezwungen.

Keiner kann vorhersagen, wie lange und mit welchen Folgen das Sars-CoV-2-Virus das öffentliche Leben noch fesselt. Es kann selbstverständlich auch bei allen Vorhaben des professionellen Fußballs nur um mögliche Szenarien gehen, die immer wieder neu überdacht werden müssen. Jetzt steht zumindest dieses fest: Den nationalen Ligen wird der Vorrang eingeräumt, der ihnen gebührt. Dank der EM-Verlegung bleibt ein Zeitfenster offen, in dem die nationalen Meisterschaften vielleicht doch noch bis zum Sommer fortgesetzt und abgeschlossen werden könnten. Mit all den damit verbundenen Entscheidungen über Auf- und Abstieg.

Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist von existenzieller Bedeutung

Diese Chance auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga und der 2. Liga, notfalls vor Geisterkulisse, ist von existenzieller Bedeutung. Das musste spätestens nach der außerordentlichen DFL-Mitgliederversammlung am Montag jedem bewusst sein. In anderen Ländern ist die Lage vergleichbar dramatisch.

Die Verschiebung der EM versetzt die Nationalmannschaft in der Prioritätenliste zwar weiter nach hinten. Dennoch hilft dieser Zug nicht nur den Topligen und ihren internationalen Spitzenverdienern. Die sogenannte Fußball-Pyramide von den Kreisligen an der breiten Basis bis zur Bundesliga an der Spitze muss gerade jetzt stabilisiert werden. Auf den nationalen Meisterschaften von den Amateuren bis zu den Profis basiert das gesamte System.

Das Zeitspiel muss sein

Die EM 2020 paneuropäisch in mehreren Ländern über den Kontinent verstreut auszutragen, war eine Idee des früheren UEFA-Präsidenten Michel Platini. Sein Nachfolger Aleksander Ceferin und dessen Mitarbeiter in der Verbandszentrale in Nyon konnten sich wegen der erschwerten organisatorischen Bedingungen nie so recht damit anfreunden. Über die Höhe der Kosten dieser Verschiebung und wer dafür aufkommt, ist sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen. Doch das darf und durfte kein Hindernis sein. Eine angemessene Lösung muss auch für die Frauen-EM und die U-21-EM gefunden werden, die für 2021 geplant waren. Doch auch hierfür gilt, dass Zeitspiel nicht nur erlaubt ist, sondern sein muss.

kicker.tv Meinung

Kommentar: Absoluter Vorrang für die Ligen ist richtig

alle Videos in der Übersicht