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'M4RV': "EA muss anfangen, besser mit der Community zu arbeiten"

Ex-Leverkusener im Interview, Teil 2

'M4RV': "EA muss anfangen, besser mit der Community zu arbeiten"

Marvin 'M4RV' Hintz wundert die Krise in der FIFA-Szene nicht, er fordert nun mehr Engagement von EA SPORTS.

Marvin 'M4RV' Hintz wundert die Krise in der FIFA-Szene nicht, er fordert nun mehr Engagement von EA SPORTS. Marvin Hintz

Als fünffacher deutscher Vizemeister kennt Marvin 'M4RV' Hintz die FIFA-eSport-Szene ausgezeichnet, als einer der besten deutschen Spieler war er auf allen großen Events vertreten. Seiner Meinung nach war die Krise innerhalb des FIFA-eSports absehbar. Wir wollten wissen, wie er zu dieser Überzeugung gelangt und wie die Probleme möglicherweise gelöst werden könnten.

Zuletzt gab es einige FIFA-Spieler, die sich in der Öffentlichkeit über das Spiel beschwert haben. Wie bewertest Du solche Aktionen?

Marvin 'M4RV' Hintz: Das finde ich komplett richtig. Gerade die großen Namen wie Tekkz können etwas bewirken. EA SPORTS reagiert meiner Meinung nach viel zu langsam auf Dinge, die eSportler bereits nach wenigen Wochen bemerken. Wie zum Beispiel die Taktik "Überzahl nach Ballbesitz": Wieso wird nicht wenige Wochen nach der Problemerkennung eine Umfrage gestartet, ob die Taktik aus dem Spiel entfernt werden sollte? EA SPORTS muss anfangen, viel besser mit der Community zu arbeiten, um danach schnellstmöglich reagieren zu können.

Jetzt könnte man sagen, EA braucht den eSport nicht, um Spiele zu verkaufen. Momentan macht der Zweig eigentlich eher Probleme. Sägen die eSportler so nicht am eigenen Ast?

'M4RV': Das denke ich eher nicht. Gerade durch den Start in den eSports 2017 sind die Summen, welche in den FUT-Modus fließen, deutlich gestiegen. Jeder möchte ein bestmögliches Team im Wettbewerb haben. Fußballvereine stellen ihren Spielern am Anfang der Saison mehrere Tausend Euro zur Verfügung. Wenn man sich anschaut, wie die Teams vor drei Jahren zum Start der Weekend League aufgestellt waren, und diese mit denen von heute vergleicht, ist schnell erkennbar, dass mittlerweile so gut wie jeder ein gutes Team besitzt und auch von Casual Gamern viel investiert wird. Generell steigt die Anzahl an Weekend League- sowie Competitive-Spielern jährlich an.

Du sagtest, dass die Krise innerhalb des FIFA-eSports absehbar war. Wie kommst Du darauf und was war ausschlaggebend dafür?

'M4RV': Bereits vor dem Start von FIFA 20 gab es einige Krisen. Es waren so viele eSportler wie noch nie vertragslos. Die großen Organisationen wie Rogue zogen sich aufgrund der Reichweite aus dem FIFA-eSport zurück. In der Virtual Bundesliga gab es keinen Zuwachs an neuen Vereinen (zwei gingen, zwei kamen hinzu, Anm. d. Red.). Das Preisgeld der EA Global Series stieg von FIFA 17 bis FIFA 19 kontinuierlich an, von FIFA 19 auf FIFA 20 blieb es gleich. Dieses Jahr sind es weniger offizielle Offline-Events als letztes Jahr (LQEs fielen weg, Anm. d. Red.). Wir sind in der Entwicklung zum Stehen gekommen. Aber die Anzahl an talentierten Spielern, welche den Traum haben, eSportler zu werden, stieg und steigt weiterhin deutlich an. Deshalb wurde aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen das Qualifier-System auf Phase 1 und 2 umgeändert.

Es ist wichtig, dass EA anfängt, den Spielern durch ihre Leistungen mehr zurückzugeben.

Marvin 'M4RV' Hintz

Was wäre Deiner Meinung nach die Lösung, damit sich beide Seiten annähern?

'M4RV': Es ist wichtig, dass EA anfängt, den Spielern durch ihre Leistungen mehr zurückzugeben. Der größte Teil der Spieler, der keine Unterstützung von Vereinen erhält, investiert am Anfang der Saison sein eigenes Geld in das Spiel. Daraufhin ist der Plan, sich mithilfe des Preisgelds das ausgegebene Geld zurückzuspielen, wahnsinnig schwer umsetzbar. Erst bei der Qualifikation für einen FUT Champions Cup erhält man 500 US-Dollar sicher. Letztes Jahr bei der Weltmeisterschaft erhielten die 16.-Platzierten 750 Dollar. Die Leistungen müssen schon überdurchschnittlich gut sein, damit es sich rentiert. Ich würde mir wünschen, dass die Preisgeldverteilung mehr in die Breite gehen würde. Von mir aus auch, dass der FUT Champions Cup-Sieger dann keine 50.000 Dollar mehr bekommt, sondern nur noch 30.000 Dollar. Wobei hier aufgezeigt werden sollte, dass EA mit Lightning Rounds in wenigen Minuten mehrere Millionen einnimmt und auch gut und gerne etwas mehr in den eSports investieren könnte, um auf diesem Wege eine fairere Balance zwischen Community-Ausgaben und eigenen Einnahmen zu finden.

Anderes Beispiel: Wieso wird in der Weekend League nicht als Belohnung für die Leistungen zu den Packs und Münzen eine gewisse Summe an FIFA Points ausgegeben? Für eine Top 100-Platzierung erhält man beispielsweise ebenfalls noch eine gewisse Anzahl an FIFA Points. Dadurch würde sich die Weekend League für eSportler eher lohnen, da man für konstant sehr gute Leistungen weniger Eigeninvestitionen tätigen müsste.

Hintz über die Erfüllung eines Traums und neue Herausforderungen: Hier geht es zu Teil eins des Interviews

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