Europa League

Frankfurts Geisterspiel gegen Basel: Willkommen in Absurdistan

0:3 gegen Basel: Der Sport rückt in den Hintergrund

Willkommen in Absurdistan

Gespenstische Stimmung

Gespenstische Stimmung: Frankfurts Geisterspiel gegen Basel. Getty Images

Es wirkte regelrecht albern, dass das leere Stadion vor dem Anpfiff mit Vereinsliedern beschallt und die Aufstellung laut verlesen wurde. Auch ohne dieses übliche Procedere hätte wohl kaum ein Profi seinen Einsatz verschlafen. Für wen wurde dieses Theater veranstaltet? Willkommen in Absurdistan.

Die sportliche Leistung der Frankfurter in den folgenden 90 Minuten knüpfte nahtlos an diese skurrilen Geschehnisse an. Trainer Adi Hütter räumte nach der Niederlage ein, dass er "nie damit gerechnet" hätte, "dass wir zu Hause gegen Basel 0:3 verlieren können". Ist das Überheblichkeit? Mitnichten. Basel ist schlichtweg kein Gegner zum Fürchten, da hat Frankfurt in den vergangenen eineinhalb Jahren in Europa schon ganz andere Kaliber aus dem Weg geräumt.

Auch abseits der Stimmung fehlte dem Frankfurter Spiel einiges

Den Gästen reichten einfache Mittel, um den Hessen den Zahn zu ziehen. Mit einer tiefen und kompakten Staffelung machte Basel der Eintracht das Leben in der ersten Hälfte schwer. Filip Kostic fand keine Räume für seine gefürchteten Tiefenläufe vor, Techniker Daichi Kamada gelang fast nichts und der immer wieder weit aufrückende Rechtsverteidiger Almamy Toure brachte in der ersten Hälfte so gut wie keinen vernünftigen Ball an den Mann. Lediglich Makoto Hasebe und zuweilen auch Martin Hinteregger spielten einige ordentliche Diagonal- und Vertikalbälle, die aber keinen durchschlagenden Erfolg brachten. Dafür hatten halbhohe, harmlose Flanken aus dem Halbfeld Hochkonjunktur. Insgesamt mangelte es an Tempo, Ideen, schnellen Seitenwechseln und Präzision beim Passspiel. Symptomatisch für den zähen Kick: Das 0:1 fiel durch einen direkt verwandelten Freistoß.

Erst nach dem Wiederanpfiff erzeugten die Hausherren phasenweise etwas Druck, wobei Basel zwischen der 46. und 48. Minute zunächst dreimal zum Abschluss kam und die Partie bereits zu diesem Zeitpunkt hätte entscheiden können. André Silva, dem eingewechselten Goncalo Paciencia und Toure boten sich in der Folgezeit zwar einige vielversprechende Chancen, nach dem 0:2 in der 73. Minute fand aber kein Aufbäumen mehr statt. Wie leicht sich die Eintracht vor dem zweiten und dritten Gegentreffer ausspielen ließ, wäre in normalen Zeiten ein deutliches Alarmzeichen. Nun aber steht der Spielbetrieb ohnehin vor der Einstellung.

"Auch wenn wir 3:0 gewonnen hätten, macht Fußball in dieser Art und Weise keinen Spaß"

Unterm Strich ist die schwache Leistung gegen Basel allerdings nicht mit den Umständen durch das Geisterspiel zu rechtfertigen. Gewiss, eine ausverkaufte, stimmungsvolle Arena kann dafür sorgen, dass die Spieler über sich hinauswachsen und auch individuell stärkere Gegner besiegen. Das war in den vergangenen Jahren oft genug zu beobachten. Eine Mannschaft wie Basel - und das ist nicht despektierlich gemeint - sollte aber auch ohne die Unterstützung des 12. Manns zu knacken sein. Hütter vermisste die "100-prozentige Professionalität" und sprach von einem "erschreckenden" Ergebnis. Ebenso richtig konstatierte der Coach mit Blick auf die Begleitumstände: "Auch wenn wir 3:0 gewonnen hätten, macht Fußball in dieser Art und Weise keinen Spaß." Kein Widerspruch.

Wann und ob überhaupt das Rückspiel stattfindet, bleibt vorerst ungewiss. Klar ist dagegen: Angesichts der dramatischen weltweiten Entwicklungen und der Sorgen, die Fans wie Spieler und die meisten Menschen umtreiben, hätte die UEFA dieses und alle weiteren Spiele absagen müssen - das geschah nun erst für die Begegnungen in der kommenden Woche. Es bleibt die Hoffnung, dass der ignorante Unsinn, den bevorstehenden Bundesliga-Spieltag auszutragen, doch noch unterlassen wird. Auf das geplante Geisterspiel am Sonntag gegen Gladbach kann getrost verzichtet werden.

Julian Franzke

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