Europa League

Saisonabbruch? Leverkusens Tah: "Da geht es nicht mehr um Titel"

Leverkusens Nationalverteidiger betont die Solidarität

Saisonabbruch? Tah: "Da geht es nicht mehr um Titel"

Jonathan Tah

Betont die Solidarität: Jonathan Tah. imago images

Aus Glasgow berichtet Stephan von Nocks

Sie hatten ihre Aufgabe standesgemäß erledigt, die Basis zum Weiterkommen im Ibrox-Stadium verdient gelegt, auch wenn Trainer Peter Bosz nachher zu Recht urteilte: "Ich bin zufrieden mit dem 3:1-Sieg, aber nicht damit, wie wir gespielt haben. Wir können es viel besser, vor allen Dingen nach vorne. Wir haben viel zu langsam aufgebaut und viel zu langsam nach vorne gespielt."

Neben diesem Aspekt hätte der Auftritt der Werkself einige weitere interessante sportliche Ansatzpunkt geboten: Kerem Demirbay zum Beispiel, der in der ersten Hälfte der Aktivposten bei Bayer war und an allen, wenn auch nicht so zahlreichen gefährlichen Offensivkationen von Bayer beteiligt war, nach der Pause aber auch einige Male durch leichtfertiges Zweikampfverhalten in der Defensive auffiel und zudem beim Gegentreffer nicht gut aussah. Oder Kai Havertz, der mit Eiseskälte trotz ohrenbetäubende Pfiffe der fanatischen Rangers-Fans einen Handstrafstoß zur Führung verwandelte, aber als Falsche Neun sich zu oft ins Mittelfeld zurückfallen ließ, so dass das Sturmzentrum oft unbesetzt blieb und Bayer die Präsenz im Strafraum abging.

Was ist der Sieg wert?

Doch nach der Partie ging es in erster Linie um ihre Einordnung ins große Ganze. So erklärte Jonathan Tah mit Blick auf das winkende Viertelfinale. "Hier 3:1 zu gewinnen, ist nicht einfach. Mit einem Fuß stehen wir im Viertelfinale, aber wir wollen ganz drin sein. Und dafür müssen wir im zweiten Spiel auch wieder eine gute Leistung abliefern. Es ist ein gutes Ergebnis, aber es ist noch nicht vorbei."

In der Tat. Stellt sich doch gerade wegen des Coronavirus die Frage: Ist es vorbei oder nicht? Und zwar mit dem kompletten Wettbewerb! Am Dienstag wird die UEFA eine Entscheidung finden und bekanntgeben. Ein Abbruch der europäischen Klubwettbewerbe steht im Raum. National ist ähnliches denkbar, so dass Bayer 04 am Ende trotz eines hervorragenden Laufs von zehn Siegen aus den jüngsten zwölf Pflichtspielen und guten Aussichten auf einen Titel all dieser Chancen beraubt würde.

"Wenn es hilft, stehen wir natürlich dahinter"

Doch Tah, der eine gute Partie rechts in der Dreierkette ablieferte, betont, dass die aus Leverkusener Sicht durchaus aussichtsreiche Titeljagd in drei Wettbewerben nicht im Vordergrund stehe: "Wenn es hilft, die Epidemie dadurch zu bekämpfen, wenn dadurch Menschen geholfen wird, dann stehen wir natürlich voll dahinter", sagt der Innenverteidiger zu einem möglichen Saisonabbruch, "da geht es ja nicht mehr um Titel, sondern um die Gesundheit - und das ist das Wichtigste, was ein Mensch haben kann. Deshalb sehen wir das alle so."

Doch noch ist es nicht so weit. Und Tah möchte die Konzentration so lange hochhalten, bis diese definitiv nicht mehr gefragt ist. "In unserem Kopf geht es weiter. Wir können ja nicht davon ausgehen, dass alles abgebrochen wird. Wir sind weiter fokussiert, konzentrieren uns auf das nächste Spiel", sagt er.

In Glasgow gelang dies der Mannschaft - trotz der zuvor am Spieltag fast minütlich neuen Krisenmeldungen - in einem pulsierenden Stadion, das fast automatisch dafür sorgt, dass man als Spieler hellwach ist. Am Montag in Bremen, wo vor leeren Rängen gespielt wird, wird die Aufgabe, sich zu fokussieren, nochmal deutlich schwieriger werden.

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