3. Liga

Waldhof Mannheim: Verfahrensfehler bei Punktabzug?

Oberlandesgericht empfiehlt DFB Klärung

Verfahrensfehler bei Waldhof-Punktabzug?

Verfahrensfehler bei Waldhof-Punktabzug?

In Folge des Spielabbruchs in der Relegation Ende Mai 2018 hatte Mannheim einen Drei-Punkte-Abzug aufgebrummt bekommen. imago images

Stefan Göhre stellte in der mündlichen Verhandlung am Dienstagmittag die Frage, "ob der Fall so eine Bedeutung hat, dass er geklärt werden muss". Das tat der Vorsitzender Richter am OLG Frankfurt/Main nicht ohne Grund, betonte er doch: "Verfahrensrechtlich ist es nicht ganz unproblematisch gelaufen, da müssen wir Fragen klären."

Mannheim hatte vor dem Landgericht Frankfurt Recht bekommen

Nach dem Abbruch der Partie wegen wiederholter Würfe von Bengalos auf den Platz hatte der DFB-Kontrollausschuss einen Antrag auf die Aberkennung von neun Punkten für Mannheim gestellt. Das DFB-Sportgericht reduzierte auf drei Punkte und 40.000 Euro Geldstrafe, das Bundesgericht behielt den Abzug bei, reduzierte nur die monetäre Sanktion auf 25.000 Euro. Gegen den Punktabzug war der damalige Regionalligist vor dem Landgericht Frankfurt vorgegangen und hatte Recht bekommen, der DFB war unmittelbar in Berufung gegangen.

Doch die Worte des Vorsitzenden Richters lassen zumindest den Schluss zu, dass über den Inhalt des LG-Urteils gar nicht entschieden werden könnte, weil innerhalb des Verbandes die Voraussetzungen für eine entsprechende Sanktion nicht eingehalten wurden. So trug der Waldhof-Vertreter, Rechtsanwalt Dr. Johannes Zindel, mehrere Punkte vor, die ihn an der Voraussetzung für das sportrechtliche Verfahren Zweifeln ließen.

Der Antrag des Kontrollausschusses, dem DFB-internen Klageorgan, trüge demnach keine schriftliche Unterzeichnung. Andere relevante Schriftstücke seien nicht vom Verfasser unterzeichnet, sondern von DFB-Chefjustiziar Dr. Jörg Englisch lediglich auf Richtigkeit hin signiert. Überhaupt habe es keine Meinungsbildung im Kontrollausschuss gegeben. "Das war eine Anweisung von Dr. Koch", zielte Zindel auf den DFB-Vize-Präsidenten ab. "Der wollte einen Präzedenzfall schaffen." Die Verbandsjustiz sah sich damals in ihren Handlungen eingeschränkt, da das Präsidium im Spätsommer 2017 Zuschauerausschlüsse als Strafen für Fan-Fehlverhalten ausgesetzt hatte.

Die Frage ist: Findet man eine Lösung, die weder Wasser auf die Mühlen der Ultras ist, noch Präzedenzen schafft, die nicht sinnvoll sind.

Richter Stefan Göhre

DFB-Anwalt Dr. Joachim Rain erklärte, dass Koch als für Rechtsfragen zuständiger Vize-Präsident zu derlei Anweisungen an den Kontrollausschuss berechtigt sei. Zudem verteidigte er, dass bei jährlich rund 800 Verfahren für die ehrenamtlich in der Verbandsgerichtsbarkeit tätigen Juristen das Prozedere diesem hohen Aufwand geschuldet sei.

Inhaltlich scheint der Verband dagegen nicht die schlechtesten Karten zu haben, zumal die Begründung des LG seltsam daherkommt. Da scheint das OLG eher geneigt, dem DFB zu folgen. Das LG habe argumentiert, dass das DFB-Bundesgericht die Interessen der Spieler, die für die Vorfälle nichts können, nicht berücksichtigt und ihre Chance auf den Aufstieg geschmälert habe. "Das sehen wir nicht so", erläuterte Richter Göhre. Die Auswirkung auf den Sport sei bedauerlich, in den Augen des OLG geht es aber um eine zulässige Vereinsstrafe.

Grillfest Mitschuld an Pyrotechnik?

Auch zu Mitverschuldung der Pyro seitens des Klubs - diese hatte das LG sogar bestätigt - trugen beide Seiten vor. Am Vortag der Relegation hatten Fans ein Grillfest auf dem Stadiongelände veranstaltet; die große Menge an Feuerwerk, dessen Abschießen letztlich zum Abbruch führte, soll bereits im Zuge dieser Veranstaltung in den Innenbereich geschmuggelt worden sein. Zindels Argument, dass dies eben nicht bewiesen sei und auch ohne Grillfeste jedes Wochenende Pyrotechnik in die Stadien geschmuggelt und dort abgebrannt werde, hielt Rain entgegen: "Aber nicht in einem solchen Ausmaß."

Nichtsdestotrotz riskiert der DFB eine weitere Niederlage, denn die eingangs erläuterten Sätze des Richters lassen sich nur schwer anders deuten, als dass das OLG massive Verfahrensfehler oder Versäumnisse in der verbandsinternen Gerichtsbarkeit erkennt. "Die Frage ist: Findet man eine Lösung, die weder Wasser auf die Mühlen der Ultras ist, noch Präzedenzen schafft, die nicht sinnvoll sind", drückte es Richter Göhre aus. In Abwesenheit des entschuldigten DFB-Vize Koch konnten sich die Verbandsvertreter zu keinem konkreten Kompromiss äußern. Zindel erklärte: "Wir machen bei allem Vernünftigen mit. Der Punktabzug ist für uns aber die rote Linie, weil in den Sport eingegriffen wird."

Damit bliebe lediglich die laut SVW-Geschäftsführer Markus Kompp bereits entrichtete Geldstrafe von 25.000 Euro als dünne Verhandlungsmasse für einen Vergleich.

Möglichkeiten dafür sowie die rechtlichen Hinweise des Gerichts will der Verband nun prüfen, so Koch zum kicker einige Stunden nach der Verhandlung. Der Bayer scheint mit den inhaltlichen Ausführungen nicht unzufrieden, erklärte er doch: "Für den DFB ist entscheidend, dass das OLG grundsätzlich keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Punktabzügen auf Grundlage der Satzung des DFB hat und insoweit die Ansicht des Landgerichts nicht teilt."

Benjamin Hofmann