Bundesliga

DFB präzisiert Drei-Stufen-Plan: Wann unterbrochen wird, wann nicht

Nach Präsidiumssitzung

DFB präzisiert Drei-Stufen-Plan: Wann unterbrochen wird und wann nicht

Dafür gibt es auch weiterhin Strafen, aber keine Spielunterbrechungen mehr: Anti-DFB-Banner von Union-Berlin-Fans gegen Wolfsburg.

Dafür gibt es auch weiterhin Strafen, aber keine Spielunterbrechungen mehr: Anti-DFB-Banner von Union-Berlin-Fans gegen Wolfsburg. imago images

Nach den Vorkommnissen am vergangenen Spieltag hatte nicht nur die DFL gefordert, schleunigst "präzise" zu definieren, wann und wie der Drei-Stufen-Plan des DFB künftig angewendet wird. Jetzt hat der Verband einen Anfang gemacht.

"Personen im Fadenkreuz" schließt der Plan jetzt offiziell mit ein

Weiterhin beinhaltet das Instrument die Stufen "Spielunterbrechung und Stadiondurchsage" (Stufe 1), "Mannschaften gehen in die Kabine und erneute Stadiondurchsage" (Stufe 2) sowie "Spielabbruch" (Stufe 3), teilte der DFB am Freitag nach einer Sitzung des Präsidiums mit, bei der auch "das konstruktive Gespräch" mit der AG Fankulturen vom Donnerstag miteingeflossen sei.

Ursprünglich sei der Drei-Stufen-Plan entwickelt worden, um bei Diskriminierungen aufgrund von Alter, Behinderung, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, ethnischer Herkunft oder sexueller Identität einschreiten zu können, so der DFB. "Das DFB-Präsidium hat heute klargestellt, dass der Drei-Stufen-Plan auch bei personifizierten Gewaltandrohungen (zum Beispiel Personen im Fadenkreuz) genutzt wird." So wie zuletzt in Mönchengladbach.

"F... dich, DFB" ist künftig kein Fall mehr für den Drei-Stufen-Plan

Allerdings räumte der DFB auch "selbstkritisch" ein, "bei einzelnen Partien zu sensibel reagiert" zu haben. Union-Berlin-Fans hatten etwa im Heimspiel gegen Wolfsburg am Sonntag mit einem Anti-DFB-Banner ("2017 Kollektivstrafen abgeschafft. Nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurückgemacht. F... dich, DFB") für eine Unterbrechung gesorgt, die auch Klubverantwortliche verwundert hatte.

Derartiges soll künftig kein Fall mehr für den Drei-Stufen-Plan sein. "Kritik gegen Institutionen und Personen ist selbstverständlich zulässig", erklärte der DFB. "Selbst wenn sie beleidigend oder grob unsportlich sein sollte, kann das Spiel auch künftig weiterlaufen und gegebenenfalls wie bisher nur ein sportgerichtliches Verfahren (ohne die Anwendung des Drei-Stufen-Plans) nach dem Spiel eingeleitet werden."

Der Plan gelte nicht pro Fanlager, stellt der DFB klar

Außerdem stellte der DFB klar, dass der Plan "unabhängig vom auslösenden Fanlager" gelte. "Das bedeutet, dass nicht jedes 'Fanlager' vermeintlich zwei Provokationsstufen auslösen kann, bis es zu einem Spielabbruch käme." Der Schiedsrichter habe übrigens "auch weiterhin unabhängig vom Drei-Stufen-Plan die Möglichkeit, das Spiel zu unterbrechen".

Die Arbeit an dem Instrument will der DFB fortsetzen. "Im Dialog mit allen Beteiligten - insbesondere auch mit Fanorganisationen - wollen wir nun auch im Detail eine weitere Präzisierung erarbeiten, was künftig zur Auslösung des Drei-Stufen-Plans führen kann." Die Mitteilung schließt mit den Worten: "Wir schätzen die kreative und kritische Fankultur in Deutschland. Diese wollen wir erhalten."

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jpe