Bundesliga

Rechtsextremismus im Fußball: "Lage im Amateurbereich ist komplexer"

Öffentliche Sitzung des Sportausschusses des Bundestages

Rechtsextremismus im Fußball: "Lage im Amateurbereich ist komplexer"

Sebastian Schmidt (links) und Claudia Krobitzsch vom DFB

Sahen die Situation differenziert: Sebastian Schmidt (links) und Claudia Krobitzsch vom DFB. imago images

Das Thema Rechtsextremismus werteten die Teilnehmer einer öffentlichen Sitzung des Sportausschusses des Bundestages am Mittwoch in Berlin als gesamtgesellschaftliches Problem. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) kommt zu dem Schluss, dass "die offene Präsenz von Rechtsextremisten in den Stadien (...) grundsätzlich effektiv zurückgedrängt wird."

"Im Amateurbereich ist die Lage jedoch deutlich komplexer", sagte Sebastian Schmidt vom DFB. Schiedsrichter seien gehalten, rechtsextreme Vorfälle zu melden. Bei den offiziellen Zahlen solcher Vorfälle gebe es keinen Anstieg. "Wir sind uns natürlich bewusst, dass es eine Dunkelziffer gibt."

Im Profibereich könnten Täter durch mediales Monitoring leichter aus ihrer Anonymität geholt werden. Im Amateurbereich seien Akteure wie Schiedsrichter mit den Problemen häufig überfordert. "Der DFB hat sich im Rahmen eines Masterplans dazu entschieden, Anlaufstellen für Diskriminierungsfälle in den Landesverbänden einzurichten", sagte Schmidt.

Trotz der Bemühungen auch innerhalb der Fangruppen sei es schwierig, rechtsextreme Einstellungen aus Fußballstadien vollkommen auszuschließen, waren sich mehrere Befragte im Ausschuss einig. "Rechte werden sich die Bühne nicht nehmen lassen", sagte Thilo Danielsmeyer vom Fanprojekt Dortmund. Er erkenne jedoch einen deutlichen Unterschied im Vergleich zu den 1980er-Jahren. Damals seien Hitlergrüße oder andere rechtsextreme Zeichen auf der Dortmunder Südtribüne an der Tagesordnung gewesen.

DFB selbstkritisch: Drei-Stufen-Plan nicht konsequent umgesetzt

Claudia Krobitzsch, Diversity-Managerin beim DFB, hat Versäumnisse in der Anwendung des Drei-Stufen-Plans eingeräumt. Die Regelung "wurde in der Vergangenheit, das können wir selbstkritisch sagen, nicht konsequent umgesetzt", sagte sie. Die Sensibilisierung bei den Schiedsrichtern sei noch nicht ausreichend vorhanden, es habe deshalb eine Schulung der Elite-Schiedsrichter gegeben.

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) der Polizei ordnete für die Saison 2018/19 rund 240 Personen der bundesweit erfassten "Gewalttäter Sport" dem rechtsmotivierten Bereich zu. Das sind etwa 2,5 Prozent der Erfassten. Dem linksmotivierten Bereich wurden etwa 130 (1,4 Prozent) zugerechnet.

tru/dpa/sid