Bundesliga

Paderborn gegen Köln: Warum es schon früher losgeht

Anpfiff um 20 Uhr statt um 20.30 Uhr

Paderborn gegen Köln: Warum es schon früher losgeht

Benteler-Arena in Paderborn

Besondere Bestimmungen für Abendspiele: Die Benteler-Arena in Paderborn. imago images

"Wo die Uhren anders ticken". So überschrieb der kicker kürzlich einen Report über die Besonderheiten des SC Paderborn. Auch bei den üblichen Anstoßzeiten in der Bundesliga bilden die Ostwestfalen in dieser Saison eine Ausnahme, nämlich dann, wenn es im eigenen Stadion zu einem Spätspiel kommt. Entgegen der sonstigen Gepflogenheiten der Liga, an einem Freitagabend um 20.30 Uhr anzupfeifen, geht es im West-Duell gegen den 1. FC Köln schon um 20 Uhr los.

Hintergrund: Um die Abend- und Nachtruhe der Bürger einer nur wenige hundert Meter entfernten Wohnsiedlung zu schützen, müssen lärmintensive Veranstaltungen in der Benteler-Arena gemäß der erteilten Betriebserlaubnis bis spätestens 22 Uhr beendet sein.

Die DFL hat diese besonderen Umstände bei der Spielplangestaltung weitgehend berücksichtigt und Paderborn mit Ansetzungen dieser Art verschont. Als jedoch Ende 2019 die Terminierung der bevorstehenden Bundesligaspieltage abgeschlossen werden musste, kam der Ligaverband nicht daran vorbei, die Partie der beiden Aufsteiger auf Freitagabend zu legen. Zum Zeitpunkt besagter Terminierung war dies die einzige Bundesligapartie des 25. Spieltages, in der sicher keiner der beteiligten Klubs noch in dieser Woche im DFB-Pokal würde antreten müssen - beide hatten schon in der 2. Runde jenes Wettbewerbs die Segel gestrichen.

Bei Unterbrechungen: Muss Paderborn die Anwohner entschädigen?

Um Zwist mit den Nachbarn zu umgehen, muss der SC Paderborn nun genau auf die Uhr schauen. Schon in der Bauphase der Arena hatten rechtliche Streitigkeiten die Fertigstellung der Arena um über zwei Jahre verzögert. 2008 schließlich löste diese das alt-ehrwürdige Hermann-Löns-Stadion als neue Spielstätte ab. Als im Oktober 2009 einmal ein Heimspiel gegen Arminia Bielefeld in der 2. Liga um 20.15 Uhr begonnen hatte und entsprechend erst nach kurz 22 Uhr beendet worden war, erhielten die Anwohner mit einer anschließend eingereichten Klage vor dem Verwaltungsgericht Minden Recht.

Inzwischen findet zwischen ihnen und Vertretern des SCP ein regelmäßiger Austausch statt, um Fronten zu enthärten und zu einem entspannten Miteinander unterschiedlicher Interessen zu finden. Was aber, wenn Spielunterbrechungen, wie sie aufgrund der Vorkommnisse rund um Diffamierungen von den Zuschauerrängen in diesen Tagen häufig vorkommen, zu einer Verzögerung des Spielendes führen?

Sollte es in Paderborn dadurch deutlich länger als bis 22 Uhr dauern, könnte das nachbarschaftliche Verhältnis auf die Probe gestellt werden. Ein Spielabbruch wegen Überschreitung des "Zapfenstreichs" wäre freilich nicht zu erwarten. Eher schon eine finanzielle Entschädigung der Bürger wegen nächtlicher Ruhestörung...

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Michael Richter