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Abbruch nach Rassismus-Eklat: Amateurklub verlässt den Platz

Kreisklassist Normannia Pfiffligheim zeigt Haltung

Abbruch nach Rassismus-Eklat: Amateurklub verlässt den Platz

Rote Karte dem Rassismus

Rassismus die Rote Karte zeigen: Amateurtrainer Markus Hornung fordert auch die Verbände zum konsequenten Handeln auf. imago

Im Schatten der Ereignisse um den Hass und die Hetze gegen Dietmar Hopp hatte Hornung zusammen mit seinem Team SV Normannia Pfiffligheim am Wochenende in der Kreisklasse A Alzey-Worms ein deutliches Zeichen gegen Rassismus gesetzt. Nach einer rassistischen Beleidigung gegen einen eigenen Spieler verließen Mannschaft und Trainer geschlossen das Spielfeld. Die Partie bei der SG Freimersheim/Ilbesheim wurde daraufhin drei Minuten vor dem Ende beim Stand von 1:2 abgebrochen.

Die großen Fußballverbände wie DFB und DFL glänzen mit vielen schönen Werbekampagnen gegen Rassismus, das sind bislang aber nicht viel mehr als hohle Phrasen.

Markus Hornung (Trainer SV Normannia Pfiffligheim)

"Ich wünsche mir, dass die Aggressivität, der Hass und die Hetze, die Woche für Woche auf den Sportplätzen zu Tage treten, endlich verschwinden", sagte Hornung und forderte den Profifußball auch beim Thema Rassismus zu konsequenterem Handeln auf: "Wenn in Zukunft rassistische Beleidigungen getroffen werden, muss man die Courage aufbringen, das klar zu benennen und als Ultima Ratio auch das Spiel abbrechen. Nur durch solch krasse Maßnahmen kann es zu Veränderungen kommen. Man muss Haltung zeigen und sagen: So geht es nicht."

Ähnlich äußerte sich am Dienstag Rachid Azzouzi, Geschäftsführer des Fußball-Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth. "Es darf nicht passieren, dass gestreikt wird, wenn es gegen einen weißen, wohlhabenden Mann geht - und bei einem farbigen Spieler nicht", sagte der 49-Jährige den Nürnberger Nachrichten.

Coach Hornung: Lösungen statt Marketingkampagnen

Hornung, der sich am Sonntag mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt hatte, ist der festen Überzeugung, dass auch der Profifußball "seine Antennen für das Thema Rassismus schärfen" muss. "Die großen Fußballverbände wie DFB und DFL glänzen mit vielen schönen Werbekampagnen gegen Rassismus, das sind bislang aber nicht viel mehr als hohle Phrasen. Es bedarf einer klaren Aktion. Ich wünsche mir bei dem Thema eine Null-Toleranz-Politik", sagte der 39-Jährige.

Man müsse "endlich Lösungen erarbeiten und nicht bloß an schicken Marketingkampagnen basteln". Der Profifußball "mit all seinem Geld, der medialen Macht und gesellschaftlichen Kraft muss sich seiner Vorbildfunktion gerade auch gegenüber den vielen Amateursportlern noch viel stärker bewusst sein. Da darf nicht bloß aufgrund des vielen Geldes drüber hinweggesehen werden", sagte Hornung.

Sein Klub schaltete nach dem Vorfall am Wochenende die Behörden ein. "Wir werden auf jeden Fall die Polizei einschalten und Anzeige erstatten", sagte der 1. Vorsitzende des SV Normannia Pfiffligheim, Jochen Hallermann, dem SWR Sport. Einen Spiel- oder Punktverlust hinsichtlich des abgebrochenen Spiels, das bekräftigte Hornung, nehme sein Klub "gerne" in Kauf: "Es ist ein Zeichen für mehr Respekt und Toleranz, es ist an der Zeit gewesen, so zu reagieren."

sid