Europa League

Doppelpack: Viel Lob für "frischen und stabilen" André Silva

Frankfurt: Bobic zieht Vergleich zu Haller

Doppelpack: Viel Lob für "frischen und stabilen" Silva

André Silva

André Silva erzielte im Europa-League-Achtelfinale gegen RB Salzburg einen Doppelpack. imago images

In der Winterpause ließ sich nicht absehen, ob Silva in Frankfurt noch in die Spur finden würde. Während des Trainingslagers in Florida konnte er sich nicht aufdrängen, das Testspiel gegen Hertha BSC verpasste er angeschlagen. So überraschte es nicht, dass der Portugiese zu Rückrundenbeginn bei der TSG Hoffenheim und im Ligaspiel gegen Leipzig keine Minute zum Einsatz kam. Die Abhängigkeit von Sturm-Hüne Bas Dost erschien gefährlich groß, zumal der dritte Stürmer, Goncalo Paciencia, seit Wochen ein gutes Stück von seiner Top-Form entfernt ist.

Der Wendepunkt bei Silva lässt exakt datieren: Am 4. Februar stand er im DFB-Pokalspiel gegen Leipzig (3:1) in der Startelf, traf per Elfmeter, heimste aber vor allem für seinen Fleiß und seine mannschaftsdienliche Spielweise eine Menge Lob ein. Da Dost seit Wochen wegen verschiedener Probleme (Magen-Darm-Virus, Adduktoren) ausfällt, ist Silva plötzlich die Nummer 1 im Sturm. In Düsseldorf bereitete er als Joker das 1:1 vor, gegen Augsburg traf er selbst, sein Hackenschuss gegen Union Berlin wird zwar als Eigentor von Florian Hübner gewertet, war aber dennoch eine sehenswerte Aktion. Am Freitagabend schließlich sorgte er mit seinem Doppelpack in Salzburg für den ungefährdeten Einzug ins Europa-League-Achtelfinale gegen Basel, im Hinspiel steuerte er beim 4:1 immerhin einen Assist bei.

Spieler aus anderen Ligen brauchen Zeit, um sich zu entwickeln, unsere Spielweise und das anzunehmen, was in der Bundesliga gefordert wird.

SGE-Sportvorstand Fredi Bobic

Wettbewerbsübergreifend steht der 24-Jährige nun bei sieben Tore und vier Assists in 22 Einsätzen. "Spieler aus anderen Ligen brauchen Zeit, um sich zu entwickeln, unsere Spielweise und das anzunehmen, was in der Bundesliga gefordert wird. Ich erinnere immer gerne an Sebastien Haller, der sich im ersten Jahr auch etwas schwerer getan hat. Bei André merkst du: Da ist ein Sprung da, er fühlt sich jetzt viel frischer und stabiler", erklärt Sportvorstand Fredi Bobic.

Ein wenig hinkt dieser Vergleich allerdings schon, da es natürlich einen Unterschied macht, ob ein Neuzugang wie Haller aus Utrecht kommt oder als gestandener portugiesischer Nationalspieler (34 Spiele, 15 Tore) vom AC Mailand. Silvas Achillessehnenprobleme in der Hinrunde liefern gleichwohl einen Erklärungsansatz für das schwere erste Halbjahr, das mit drei Toren am fünften, sechsten und siebten Spieltag noch ganz gut begonnen hatte. "André arbeitet verdammt viel für das Team, auch wenn er mal kein Tor schießt. Ich bin froh, dass er mit zwei Treffern belohnt wurde. Das hat er klasse gemacht", sagt Bobic. Beim 1:1 vollendete Silva per Kopf eine Flanke von Filip Kostic. Sein Laufweg, mit dem er sich den entscheidenden Vorteil im Duell mit Salzburgs Jerome Onguené verschaffte, war lehrbruchreif.

Rodes Lob an Silva: "Er macht es momentan hervorragend"

Etwas Glück war beim zweiten Tor im Spiel: Salzburgs Albert Vallci fälsche seinen Schuss aus zweiter Reihe unhaltbar ab. Anerkennung gibt es auch von den Mitspielern. Sebastian Rode lobt: "André arbeitet ungemein viel für die Mannschaft und läuft die Gegner an, das ist sehr wichtig für uns. Er macht es momentan hervorragend. Ich freue mich für ihn, dass der Knoten geplatzt ist."

Silvas Leihe läuft noch bis zum 30. Juni 2021, und es scheint ganz so, als könnte sich eine Erfolgsgeschichte entwickeln. Gleiches trifft bei Ante Rebics Leihe nach Mailand zu, dem zweiten Teil des erst am letzten Tag der Sommer-Transferperiode finalisierten Tauschgeschäfts. Der Kroate blüht bei Milan nach einer sehr enttäuschenden Hinrunde mit kaum Einsatzzeiten seit Wochen auf und trifft in fast jedem Spiel - eine durchaus kuriose Parallele.

Bei allem berechtigten Lob werden künftige Erfolge in allen drei Wettbewerben aber auch davon abhängen, wann und in welcher Verfassung Dost zurückkehrt. Die Absage des Spiels in Bremen verschafft den Hessen zwar eine kleine Verschnaufpause, die kommenden englischen Wochen haben es aber wieder in sich. Silva alleine kann es nicht richten, Trainer Adi Hütter wird auch im Sturm rotieren müssen. Dafür braucht er einen gesunden Dost und einen Paciencia in alter Form.

Julian Franzke