Bundesliga

Hertha BSC schafft in Düsseldorf ein Novum

Rückkehr nach dem "totalen Fiasko"

Hertha schafft ein Novum - Mittelstädt erklärt Comeback

Herthas Spieler suchten nach dem 3:3 in Düsseldorf den Weg in den Gästeblock

Redebedarf: Herthas Spieler suchten nach dem 3:3 in Düsseldorf den Weg in den Gästeblock. imago images

"In der ersten Hälfte war es das totale Chaos, das totale Fiasko", gab Mittelfeldspieler Per Skjelbred im Anschluss an die Partie bei "DAZN" zu. Hertha hatte einen klassischen Fehlstart hingelegt, lag nach zehn Minuten bereits mit 0:2 zurück, hatte bei diesen Treffern teils dilettantisch verteidigt. "Wir müssen anfangen zu lernen, dass man so leichte Tore in der Bundesliga nicht kassieren darf", kritisierte Skjelbred.

Auch Chefcoach Alexander Nouri stimmte mit ein. "Es fällt schwer, die erste Hälfte zu erklären", räumte er auf der Pressekonferenz ein. "Die Gegentore haben wir viel zu einfach bekommen, weil wir die Räume zu offen gelassen haben." Sein Plan, den er mit satten sieben Startelf-Veränderungen verfolgt hatte, war offensichtlich nach hinten losgegangen. Doch die beiden Wechsel, die er daraufhin in der Pause der Partie vornahm, sollten fruchten.

Für Dodi Lukebakio und Javairo Dilrosun brachte Nouri Marius Wolf und Maximilian Mittelstädt - auf den ersten Blick eine defensivere Besetzung der beiden Flügelpositionen. Und das bei einem 0:3-Rückstand. Doch Hertha stand nun vor allen Dingen defensiv nicht mehr so offen und kam durch einen Doppelschlag Mitte des zweiten Durchgangs urplötzlich zurück in die Partie. Was war passiert?

Auch die "totenschlechte" Fortuna hilft mit

"Wir sind vorne mehr angelaufen, haben früh alles zugestellt und den Spielaufbau von Düsseldorf gestört, sodass sie viel mit langen Bällen agieren mussten", analysierte Mittelstädt, einer der beiden Joker. Allerdings habe auch Fortunas Leistung nach dem Seitenwechsel zum Comeback beigetragen. "Sie haben sich tiefer fallen lassen, was uns auch zugute kam", meinte Mittelstädt, Teamkollege Skjelbred sprach sogar von einem "totenschlechten" zweiten Durchgang der Düsseldorfer.

Was Nouri seinem Team - außer den beiden Wechseln - in der Pause mit auf den Weg gegeben hatte? Scheinbar gar nicht allzu viel. "Nach einem 0:3 muss kein Trainer der Welt etwas sagen. Bei dem Spiel muss jeder auf seine Leistung gucken", erzählte Skjelbred. So sei es in der Kabine vor allem unter den Spielern "auch mal lauter" geworden, verriet Mittelstädt. "Man muss sich auch ins Gesicht schauen und ehrlich die Meinung sagen können. Wenn man so ein Spiel wie in Köln hat und hier mit 0:3 in die Pause geht, kann man nicht alles schönreden."

Geschichtsträchtiges Comeback für Hertha

So schafften die Berliner noch einen Punktgewinn - und das erstmals in ihrer Bundesliga-Geschichte nach einem 0:3-Rückstand. "Ein Mentalitätsspiel", bewertete Mittelstädt - und zog auch mit Blick auf die vergangenen Chaostage rund um das veröffentlichte Protokoll von Ex-Trainer Jürgen Klinsmann Stellung: "Es wurde in letzter Zeit viel erzählt, dass wir keine Mannschaft sind. Aber wenn wir kein Team wären, dann wären wir heute nicht zurückgekommen."

mib